„Schwierige Lage“: Hitzewelle setzt Italiens Gastronomie zu – verwaiste Außenbereiche, massive Umatzeinbußen
Hitze wird Problem für Italiens Restaurants: Außenbereiche verwaist – Umsätze brechen massiv ein
Stand: 10.08.2026, 06:09 Uhr
Die Sommerhitze leert Restaurantterrassen in Venetien: Umsätze brechen ein, Stromkosten steigen. Die Gastronomie fordert dringend neue Lösungen.
Padua – Wo im Sommer sonst jeder Tisch besetzt ist, bleiben derzeit viele Stühle leer. In zahlreichen italienischen Städten meiden Gäste die Außenbereiche von Bars und Restaurants, weil die Temperaturen tagsüber kaum unter 35 Grad fallen. Wer noch ausgeht, fragt an der Tür zuerst nach einem Platz drinnen, in der Nähe der Klimaanlage. Für die Gastronomie ist das mehr als eine Randerscheinung – erste Verbände sprechen von spürbaren finanziellen Folgen.

Besonders deutlich zeigt sich diese Entwicklung laut dem Corriere del Veneto derzeit in der norditalienischen Region Venetien. Branchenvertreter aus Padua, Verona, Treviso und Venedig berichten übereinstimmend von sinkenden Umsätzen und veränderten Öffnungszeiten. Auch in Deutschland sind wetterbedingte Umsatzrückgänge zu beobachten.
Hitzewelle sorgt in Italiens Gastronomie für Umsatzeinbußen und leere Außenbereiche
Zahlen des Gastronomieverbands Appe aus Padua belegen die Beobachtung mit konkreten Daten. Demnach sind zahlreiche Terrassen zeitweise kaum nutzbar, die Umsätze liegen 20 bis 30 Prozent unter dem üblichen Niveau, und der Verkauf alkoholischer Getränke ist etwa auf die Hälfte zurückgegangen. Jeder zweite Betrieb meldet unerwartete Stromausfälle, acht von zehn Unternehmen geben an, dass ihre Stromrechnung wegen des durchgehenden Klimaanlagenbetriebs bereits um rund 10 Prozent gestiegen ist.
Laut Verband hat bereits jeder dritte Betrieb seine Öffnungszeiten geändert, ein weiteres Drittel hat Personalschichten reduziert. Appe-Direktor Filippo Segato verweist laut dem Corriere del Veneto zusätzlich auf Investitionen der vergangenen Jahre: Viele Lokale hätten stark in ihre Außenbereiche investiert, die nun über Wochen weitgehend ungenutzt blieben.
Gäste setzen auf leichte, billigere Speisen – Experten fordern Regierung zum Handeln auf
Auch der regionale Gastronomieverband Fipe bestätigt die schwierige Lage. Verbandsvorsitzender Paolo Artelio berichtet von einer „schwierigen Lage“ und einem veränderten Bestellverhalten bei Mittagsgästen: Statt aufwendigerer Gerichte werde häufiger ein Salat gewählt, wodurch der durchschnittliche Rechnungsbetrag sinkt. In Tourismusregionen an Küste und See sei die Saison zwar insgesamt gut gebucht, der Konsum pro Gast aber ebenfalls rückläufig. Der Aperitif, in Venetien traditionell fester Bestandteil des Feierabends, habe sich wegen der Hitze um ein bis zwei Stunden nach hinten verschoben.
Doch wie sind die Betriebe zu retten? „Wir benötigen zuverlässige Strominfrastrukturen, mehr Schatten in den Stadtzentren und ein Förderprogramm zur Verbesserung der Energieeffizienz der Geschäftsräume“, erklärt Appe-Vorsitzende Federica Luni. Ernesto Pancin vom Gastronomieverband Aepe in Venedig sieht in technischen Lösungen einen möglichen Ausweg. Er verweist darauf, dass Temperaturen mitunter von morgens bis abends nicht unter 30 Grad sinken, was den Aufenthalt im Freien erschwere. Pancin plädiert dafür, den Einsatz von Ventilatoren und Sprühnebelanlagen auf Terrassen zu erleichtern, da entsprechende Vorhaben derzeit teils an behördlichen Auflagen scheiterten. Auch Italiens Flüsse leiden aktuell unter der Hitze.
Auch deutsche Betriebe spüren die Hitze: Kunden verlagern Konsum in die eigenen vier Wände
Auch hierzulande macht sich der Zusammenhang zwischen Hitze und Gastronomieumsätzen bemerkbar. Der Branchenverband Dehoga Hessen berichtete bereits im vergangenen Sommer über spürbare Belastungen durch wiederholte Hitzewellen. Laut Hauptgeschäftsführer Gisbert Kern, so berichtet die Hessenschau, seien vorwiegend Betriebe mit Terrassen oder Biergärten betroffen, während größere, klimatisierte Häuser in Städten wie Frankfurt oder Wiesbaden die Auswirkungen etwas besser abfedern könnten.
Auch für den Sommer 2026 liegen erste Hinweise auf ähnliche Effekte vor. Das Statistische Bundesamt meldete für Mai 2026 einen realen Umsatzrückgang der Gastronomie von 7,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Zahlen für den Juni liegen bisher nicht vor. Allerdings verzeichnete die Behörde für die Hitzewoche vom 22. bis 28. Juni 2026, in der die Temperaturen vielerorts auf rund 40 Grad kletterten, im Lebensmitteleinzelhandel einen sprunghaften Anstieg beim Absatz von Wasser (+77 Prozent) und Speiseeis (+90 Prozent). Ein Hinweis darauf, dass sich der Konsum bei extremer Hitze stärker in den Handel und den Eigenbedarf zu Hause verlagert, statt in die Außengastronomie zu fließen. (Quellen: Corriere del Veneto, Appe, Hessenschau, Statistisches Bundesamt) (jaka)