Fast 10.000 Hitzetote: Was jetzt gefordert wird


Panorama

Hitzewelle, Hitzetote, Hitzeschutz: Was wir aus dem heißen Juli lernen können

Die Zahl der Hitzetoten ist gestiegen: Binnen einer Woche um 1900. (Symbolbild)
Matthias Bein

Gerade sind die Temperaturen wieder gestiegen, da wird die Zahl der Hitzstoten veröffentlicht. Wo jetzt Maßnahmen gefordert werden:

Während Deutschland erneut auf Temperaturen bis 39 Grad zusteuert, ist die Zahl der Menschen, die wegen hoher Temperaturen gestorben sind, in diesem Jahr nach Schätzungen des Robert Koch-Instituts (RKI) bereits auf fast 10.000 gestiegen. Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) dürfte sich der Juli zudem unter den zehn wärmsten seit Beginn der Aufzeichnungen einreihen.

Wie aus dem aktuellen RKI-Wochenbericht zur hitzebedingten Mortalität hervorgeht, lag die Zahl der hitzebedingten Sterbefälle bis zum 19. Juli bei 9800. Das sind bereits mehr als in jedem einzelnen Gesamtjahr seit 2016; die meisten Hitzetoten gab es demnach 2018 mit rund 9000 im gesamten Jahr.

1900 hitzebedingte Tote in einer Woche

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Mehr als 5000 Todesfälle führt das Institut auf die Hitzewelle in der zweiten Junihälfte zurück, als die Temperaturen vielerorts auf rund 40 Grad stiegen. Laut RKI gab es 2026 in der Zeit von Anfang April bis zum 12. Juli schätzungsweise 7900 Hitzetote. Innerhalb der nun betrachteten Woche vom 13. bis 19. Juli kamen demnach 1900 hinzu.

Nach vorläufigen Angaben des DWD war der Juli der fünfte Monat in Folge mit überdurchschnittlich viel Sonnenschein. Zugleich fiel vergleichsweise wenig Niederschlag. Zum Monatsende rechnen die Meteorologen noch einmal mit Höchstwerten bis 39 Grad. Ein neuer Temperaturrekord wird nach DWD-Angaben aber nicht erwartet. Allerdings steigt erneut die Gefahr heftiger Gewitter.

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Im Vergleich zur Referenzperiode 1961 bis 1990 sei der Juli wärmer gewesen, hieß es. „Nach derzeitigem Stand und unter Berücksichtigung der aktuellen Prognosen wird sich der Monat voraussichtlich unter den 10 wärmsten Juli-Monaten einreihen.“

Hitze – besonders gefährlich für diese Bevölkerungsgruppe

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Typischerweise gibt es laut RKI in Wochen mit einer mittleren Temperatur von mehr als 20 Grad deutlich höhere Sterblichkeitswerte als in kühleren Sommerwochen. Die Auswertung basiert auf Daten von 52 DWD-Wetterstationen. In der Woche vom 13. bis 19. Juli lag die mittlere Temperatur laut RKI bei 20,9 Grad. In zwölf Bundesländern wurden demnach mittlere Temperaturen von mehr als 20 Grad gemessen.

Hitze ist in Europa mittlerweile längst keine Seltenheit mehr (Archivbild). Internationale Experten fordern einen Notstand.
Hitze ist in Europa mittlerweile längst keine Seltenheit mehr (Archivbild).
Paul White/AP/dpa

Große Hitze ist besonders für ältere Menschen gefährlich. 5420 der Hitzetoten waren mindestens 85 Jahre alt. Jünger als 65 Jahre waren 630 Menschen. Teilweise führt ein Hitzschlag zum Tod, meist sei die Ursache jedoch eine Kombination aus Hitzeexposition und bestehenden Vorerkrankungen, heißt es vom RKI.

Angesichts der anhaltenden Hitze wird erneut über besseren Hitzeschutz diskutiert. Nach Einschätzung von Pflegeschützern und Medizinern sind viele Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen und Kitas auf Hitzewellen bislang unzureichend vorbereitet. Die Bundesregierung verweist auf die Zuständigkeit von Ländern und Kommunen.

Deutscher Städtetag sieht Bund und Länder in der Verantwortung

Der Sozialverband Deutschland (SoVD) fordert einen flächendeckenden und verbindlichen Hitzeschutz für Einrichtungen der öffentlichen Daseinsvorsorge und der kritischen Infrastruktur. Bund, Länder und Kommunen müssten die notwendigen Investitionen gemeinsam finanzieren und Hitzeschutz verbindlich in der Krisenvorsorge verankern, sagte Vorstandschefin Michaela Engelmeier.

Außenthermometer vor tief stehender Sonne, Symbol für sommerliche Hitze.
Die Zahl der Hitzetoten in diesem Jahr liegt bereits über den Gesamtzahlen der einzelnen letzten Jahre. (Symbolbild)
picture alliance / W2Art | Thorsten Wagner

Auch der Deutsche Städtetag sieht Bund und Länder in der Pflicht. Die Umsetzung kommunaler Klimaschutz- und Klimaanpassungskonzepte müsse dauerhaft mitfinanziert werden, sagte Hauptgeschäftsführer Christian Schuchardt dem RedaktionsNetzwerk Deutschland. Klimaanpassung sei kein „Nice to have“, sondern existenziell für die Zukunft. „Unterm Strich reden wir da über Milliardensummen bundesweit, die investiert werden müssen. Das werden die Städte nicht allein stemmen können.“

Auch in anderen Teilen Europas sorgen Hitze und Trockenheit weiter für Probleme. Die britische Umweltbehörde rief für die Hälfte Englands eine Blitzdürre aus. Frankreich, Spanien und Griechenland kämpfen nach Angaben der dortigen Behörden weiterhin gegen schwere Waldbrände. (dpa/esk)