Hochschule Darmstadt: Nur noch 30-Prozent-Stellen für Doktoranden?


Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) wirft der Hochschule Darmstadt vor, sie wolle ihren Doktoranden vom nächsten Jahr an nur noch 30-Prozent-Stellen anbieten. Damit verstoße die Hochschule gegen von ihr selbst akzeptierte Mindeststandards und treibe Nachwuchsforscher in die Armut.

Die Hochschule Darmstadt habe 2021 den Kodex für gute Arbeit unterzeichnet, sagte Simone Claar, stellvertretende Vorsitzende der GEW Hessen. Darin sei festgelegt, dass Qualifikationsstellen einen Umfang von mindestens 50 Prozent haben müssten. In Darmstadt werde den von der Kürzung Betroffenen nun ein Stipendium vorgeschlagen. Damit wären Promovierende allerdings nicht mehr sozialversicherungspflichtig beschäftigt, so Claar.

„Ich weiß nicht, wie ich von so wenig Geld leben soll“, zitiert die GEW in ihrer Mitteilung einen Doktoranden. Unter den Finanzsorgen leide auch seine Forschung. Ein anderer Doktorand, der aus dem Ausland stammt, fürchtet, dass die Verringerung seiner Einkünfte und die damit einhergehende Verlangsamung seiner Arbeit seinen Aufenthaltsstatus gefährden könnten.

Für 26 Doktoranden nur „reduzierte Stellenanteile“

„Wir verstehen die Verunsicherung und Sorgen der betroffenen Promovierenden und bedauern diese Situation außerordentlich. Sie ist eine Auswirkung des drastischen Sparkurses der hessischen Landesregierung“, teilte ein Sprecher der Hochschule auf F.A.Z.-Anfrage mit.  Nach seinen Angaben werden derzeit 40 von 159 Promovierenden nicht aus Drittmitteln, sondern über das hessische Mittelbauprogramm, also aus Landeszuschüssen, bezahlt. Aktuell hätten diese Nachwuchsforscher befristete 65-Prozent-Stellen. 26 von ihnen könne man wegen der angespannten Haushaltslage von nächstem Jahr an lediglich Anschlussbeschäftigungen mit reduzierten Stellenanteilen anbieten, wahlweise auch ein Stipendium. Über den Umfang der Stellen werde intern noch beraten.

„Wir bekennen uns weiterhin klar zum Kodex für gute Arbeit“, äußerte der Sprecher weiter. In der jetzigen finanziell angespannten Situation würde dies allerdings bedeuten, dass die Hochschule neue Doktorandenstellen nur noch äußerst eingeschränkt aus ihrem eigenen Budget finanzieren könnte. Wie groß die Solidarität innerhalb der Hochschule sei, zeige sich daran, dass einzelne Lehrende angeboten hätten, auf Prämien oder sogar zeitweise auf Gehalt zu verzichten, um die Nachwuchswissenschaftler zu unterstützen.

Wegen des neuen Hochschulpakts, der die Finanzierung der staatlichen hessischen Hochschulen bis 2031 regelt, muss die Hochschule Darmstadt nach eigenen Angaben im nächsten Jahr 4,4 Millionen Euro einsparen. Dies geschehe durch den Wegfall von Stellen und personalnahen Aufwendungen. Trotzdem bleibe ein Jahresdefizit von rund 3,5 Millionen Euro, das nur mithilfe von Rücklagen ausgeglichen werden könne.