HSV-Mitarbeiter wird zum Pechvogel: HEBC feiert trotz 0:5-Niederlage gegen den BVB


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Das größte Spiel seines Lebens begann für Janek Wrede mit einem Rechtschreibfehler. Als Interims-Stadionsprecherin Christina Rann, die von 2020 bis 2023 die Stadionshow des HSV moderierte, die Mannschaftsaufstellung vorlas, erschien Wredes Name mitsamt seinem Bild auf der 63 Quadratmeter großen Videoleinwand. Dummerweise stand dort nicht „Janek“, sondern „Jannik“.

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Wrede wird den Schönheitsfehler nicht mitbekommen haben. Der 33-Jährige stand zu diesem Zeitpunkt, unmittelbar vor dem Anpfiff des „Jahrhunderspiels“ zwischen seinem Hamburg Eimsbütteler Ballspiel Club (HEBC) und Borussia Dortmund in der ersten Runde des DFB-Pokals, im Spielertunnel des Volksparkstadions.

DFB-Pokal in Hamburg: BVB schlägt HEBC mit 5:0

Und der Innenverteidiger, der als Scout beim HSV arbeitet und am Vormittag noch in seinem Büro in ebenjenem Stadion saß, konnte sich ein Lächeln nicht verkneifen, als er sein Team um 20.41 Uhr in das mit 45.917 besetzte Stadion führte. So viele Menschen waren noch nie bei einem Pokalspiel mit Beteiligung eines Fünftligisten. Und diejenigen, die es mit dem HEBC hielten, feierten ihren Club trotz der zu erwartenden deutlichen Niederlage. Der BVB gewann mit 5:0.

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Janek Wrede (r.) traf gegen den BVB ins eigene Tor.© Witters | Tim Groothuis

Kapitän Wrede hatte sich vor dem Spiel vorgenommen, so lange wie möglich ein Ergebnis zu halten, „das noch Spaß macht“. Das gelang seinem Team besser, als so mancher Beobachter vorher erwartet hätte. Der übermächtige BVB, dessen Trainer Niko Kovac seine Startelf im Vergleich zum 2:0-Sieg gegen den HSV am vergangenen Sonnabend auf sieben Positionen veränderte, tat sich gegen den Oberligisten erstaunlich schwer. Erst in der 33. Minute traf der Vizemeister zum 1:0 – und wie.

HSV-Mitarbeiter trifft im Volksparkstadion ins eigene Tor

„Ausgerechnet“-Floskeln sollten im Sportjournalismus mit Bedacht eingesetzt werden. Doch in diesem Fall kommt man nicht daran vorbei. Über eine halbe Stunde hielt die lila Mauer den schwarz-gelben Angriffen stand, bis BVB-Verteidiger Julian Ryerson eine Flanke von der rechten Seite flach in die Mitte brachte und – ausgerechnet – Wrede sein Bein unglücklich ausstreckte und den Ball ins eigene Tor lenkte. Der bis dahin fehlerfreie Abwehrmann wurde zum Pechvogel. Bis zur Halbzeit schraubte der BVB das Ergebnis noch auf 4:0.

Jedes Spiel braucht einen Dosenöffner.

HEBC-Kapitän Janek Wrede, über sein Eigentor gegen den BVB

Nach dem Spiel und zahlreichen Fotos und Glückwünschen konnte Wrede aber schon wieder lachen: „Jedes Spiel braucht einen Dosenöffner und in so einem Pokalspiel ist das entweder ein Eigentor oder irgendwas nach Standards. Ich habe mich dann erbarmt, das Ding rüberzubringen“, sagte er in der Mixed Zone. „Ich habe einen Kollegen noch gefragt, ob einer dahinter war – da war aber keiner. Schade.“

HEBC mit einigen Höhepunkten in der ersten Halbzeit

Bis zum Eigentor hatte der HEBC für einige Höhepunkte gesorgt, die von den Fans wie ein eigenes Tor gefeiert wurden. Eine überragende Parade von Keeper Jannik Schoon (25.), ein (harmloser) Torschuss von Robert Schick (6.), der ebenfalls beim HSV arbeitet, oder die erste Eimsbütteler Ecke nach neun Minuten waren Momente, von denen sie in Eimsbüttel noch in ein paar Jahren erzählen werden.

Auch in der zweiten Halbzeit zeigten die Hamburger weiterhin eine couragierte Leistung und mussten nur noch einen Gegentreffer durch Dortmunds Fabio Silva hinnehmen (59.). HEBC‑Trainer Philipp Obloch nutzte die zweiten 45 Minuten dazu, um noch einigen Spielern den Traum vom Pokalspiel zu erfüllen.

HEBC - Borussia Dortmund

Nach dem Spiel gab es ein gemeinsames Erinnerungsfoto mit den BVB‑Spielern. © dpa | Christian Charisius

HEBC will mit den Einnahmen neuen Kunstrasen finanzieren

Vor dem Spiel hatten die Fans ein Spruchband mit der Aufschrift „Was wäre die Welt ohne Träume?“ ausgerollt. Der ganz große Traum erfüllte sich zwar nicht, doch vom Spiel gegen den Champions-League-Teilnehmer wird der Verein mit 850 Mitgliedern noch lange zehren.

„Dieses Spiel, die Reichweite, das hilft dem Verein einfach enorm. Jedes Mal, wenn wir über die Mittellinie gekommen sind, war es unfassbar laut“, sagte Wrede. „Wir hatten Wechselgesänge von unseren eigenen Fans. Aus Dortmund sind auch unfassbar viele angereist. Das war insgesamt ein Top-Abend.“

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Ein Top-Abend, an dem sich die meisten Eimsbütteler noch ein persönliches Andenken in Form eines Trikots sicherten. Nur Wrede stand zunächst noch ohne neues Shirt da. „Vielleicht fällt noch eins vom Laster. Ich hatte vorher nicht die absolute Priorität und verkrafte es, wenn am Ende keins dabei ist“, sagte er und war auch zufrieden mit seinem eigenen lila Trikot: „Optisch konnten wir auf jeden Fall mithalten.“

Mit den Einnahmen möchte der HEBC unter anderem einen zweiten Kunstrasenplatz finanzieren. Die 1. Herren des Oberligisten trainieren nur zweimal pro Woche – und teilen sich dabei den Platz jeweils mit anderen Teams. Vom DFB gibt es für das Erreichen der ersten Runde 228.189 Euro, dazu kommen Ticket- und Werbeeinnahmen im sechsstelligen Bereich. Die Erinnerungen an das größte Spiel der bisherigen Vereinsgeschichte werden also so schnell nicht verblassen.