„An jedem Tisch stand ein Hugo Spritz“: Wie der Aperol-Rivale aus den Alpen die USA erobert – inklusive Rezept
Hugo Spritz auf dem Vormarsch: Der Aperitivo aus den Alpen verdrängt den Aperol
Stand: 11.07.2026, 11:38 Uhr
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Hugo Spritz kommt aus Südtirol, ist floraler als Aperol – und erobert jetzt die USA. So gelingt der Trend-Cocktail zu Hause.
New York City – Leicht, floral und weniger bitter als Aperol: Entstanden in den italienischen Alpen zu Beginn der 2000er-Jahre ist der Hugo Spritz heute einer der meistbestellten Cocktails in europäischen Bars. Nun erobert er auch die USA, sodass die New York Times ihm eine ausführliche Story gewidmet hat und schildert, wie er auch in amerikanischen Lokalen zu den gefragtesten Drinks wurde.

„Am vergangenen Wochenende hatte ich den Eindruck, dass an jedem Tisch ein Hugo Spritz stand“, erzählt dem Blatt der New Yorker Bartender Daniel Pride. Und es ist nicht schwer zu verstehen, warum. Serviert in einem großen Weinglas, mit reichlich Eis, einer Limettenscheibe und einem großzügigen Büschel Minze, ist es ein Cocktail, der schon vor dem ersten Schluck beeindruckt.
Hinzu kommt ein Vorteil, den Branchenkenner gut kennen: die Ästhetik. „Wenn ein Kellner mit einem Hugo Spritz in der Hand durch den Gastraum geht, ist es schwer, dass er unbemerkt bleibt“, beobachtet Pride. Das Auge trinkt mit – und genau darauf setzt dieser in Szene gesetzte Aperitivo.
Ein Alpen-Cocktail aus Südtirol setzt zum Siegeszug an: Die Geschichte des Hugo Spritz
Der Hugo entstand Anfang der 2000er-Jahre dank des Südtiroler Bartenders Roland Gruber, der einen Aperitif kreieren wollte, der sich vom klassischen venezianischen Spritz unterschied. Die erste Version sah ein Melissen-Kordial, ein in den Alpenregionen weit verbreitetes Würzkraut, vor.
Einige Jahre später, mit der Markteinführung des Holunderblütenlikörs St-Germain, entwickelte sich das Rezept weiter zu der heute bekannten Variante. „In den italienischen Bergen gibt es seit jeher die Tradition, Weine mit Elixieren zu mischen, die aus wild wachsenden Kräutern und Blüten hergestellt werden“, erklärt Edoardo Mantelli, Besitzer des Saraghina Caffè in Brooklyn, der New York Times.
Von der Hausrezeptur zum internationalen Trenddrink: Erfrischende Abwechslung zum Aperol Spritz
„Viele Familien stellten zu Hause Liköre aus Bergblüten her: Sie sind die wahren Vorfahren des Hugo.“ Diese hausgemachten Rezepturen haben den Weg bereitet für einen Drink, der heute als moderne Interpretation dieser Bergtradition gilt und zugleich perfekt in die aktuelle Cocktailkultur passt.
Wer Aperol zu bitter findet, entdeckt im Hugo oft eine zartere, florale und zugänglichere Alternative. Laut Bartendern und Branchenprofis ist er außerdem Ausdruck eines Wandels in den Vorlieben der Gäste, die immer stärker zu frischen, leicht alkoholischen Cocktails mit gepflegter Optik tendieren.
Während der Aperol Spritz weiterhin als Symbol des italienischen Aperitivo gilt, erobert der Hugo jene, die ein floraleres, sanfteres Trinkerlebnis suchen – ohne die typischen Bitteraromen des venezianischen Drinks. So stehen heute vielerorts beide Spritz-Varianten auf den Karten und konkurrieren um die Gunst des Publikums.
So geht der Trend-Cocktail: Die perfekte Hugo-Spritz-Rezeptur für zu Hause
Für ein Glas benötigt man: 90 ml Prosecco, 60 ml Holunderblütenlikör, 30 ml Mineralwasser mit Kohlensäure (oder Sodawasser), Eis, 5–6 frische Minzblätter, eine Limettenscheibe. Zubereitung: Ein großes Weinglas mit reichlich Eis füllen.
Zuerst den Holunderblütenlikör eingießen, dann den Prosecco hinzufügen und zum Schluss mit Soda auffüllen. Die Minzblätter vorsichtig zwischen den Händen reiben, um die ätherischen Öle freizusetzen, und sie anschließend, ohne sie zu zerstoßen, ins Glas geben. Mit einer Limettenscheibe garnieren und sofort servieren.
Das Ergebnis ist ein eleganter, duftender Spritz: ein Cocktail, der zumindest in diesem Sommer beste Chancen zu haben scheint, dem Aperol den Thron des Aperitivo streitig zu machen und sich in Bars rund um den Globus zu etablieren. (Dieser Artikel von Chiara Amati entstand in Kooperation mit Corriere della Sera)