Ibn Khaldun - 500 Jahre vor Karl Marx und Max Weber: UNESCO-Bewerbung rückt arabischen Soziologie-Vordenker in den Fokus
Rund 500 Jahre vor Karl Marx und Max Weber untersuchte der arabische Gelehrte Ibn Khaldun bereits die Gesetzmäßigkeiten von Gesellschaften.
30.09.2026

Seine Theorie über Aufstieg und Niedergang von Staaten entwickelte er nach Einschätzung eines Historikers auch anhand der ägyptischen Mamluken. Deren Herrschaft sei für ihn ein „lebendiges Beispiel“ für seine Vorstellungen von Gruppenzusammenhalt und den Zyklen von Staaten gewesen, sagte der Historiker Ahmed al-Adawi "Independent Arabia". Einen ersten Entwurf seines berühmten Hauptwerks "Muqaddima" habe Ibn Khaldun im heutigen Algerien verfasst, führte der Soziologe Tewfik Abidi aus.
Ibn Khaldun gilt als einer der bedeutendsten Geschichts- und Gesellschaftstheoretiker des Mittelalters und als früher Wegbereiter der Soziologie und Geschichtswissenschaft. Jahrhunderte vor europäischen Denkern wie Marx und Weber, aber auch Auguste Comte, versuchte er, historische Entwicklungen anhand gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Gesetzmäßigkeiten zu erklären – statt Geschichte lediglich als Abfolge von Herrschern, Kriegen und einzelnen Ereignissen zu beschreiben.
Der in Tunis geborene Gelehrte lebte von 1382 bis zu seinem Tod 1406 in Ägypten. Tunesien, Algerien, Ägypten und die Türkei haben seine Muqaddima für das UNESCO-Register "Memory of the World" nominiert. In türkischen Bibliotheken befinden sich bedeutende Handschriften des Werks. Nach Angaben des tunesischen Historikers Abdelhamid Larguèche können sich weitere Staaten an der Bewerbung beteiligen, wenn sie Originalhandschriften besitzen oder zur Überlieferung der „Muqaddima“ beigetragen haben. Erst vergangenes Jahr erschien im Beck-Verlag eine Neuauflage der deutschen Übersetzung.
Diese Nachricht wurde am 30.09.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.