„Ich bin ein Pirat“: Wordpress-Gründer verwickelt den Vorstand seines Unternehmens in einen kuriosen Machtkampf
Matt Mullenweg hat einige turbulente Tage hinter sich. Anfang der Woche beschloss der Vorstand von Automattic, ihn als CEO zwangszubeurlauben. Dieser Plan verlief allerdings anders als erwartet, denn Mullenweg weigerte sich offenbar, seinen Posten zu räumen. Nach nur wenigen Tagen scheint seine Beurlaubung jetzt schon wieder vorbei zu sein. Dabei bleiben viele Fragen offen.
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CEO weigerte sich gegen Zwangsurlaub
Finanzvorstand Mark Davies sollte in der Zwischenzeit die Rolle des Interims-CEO bei Automattic übernehmen. Mullenweg hat das Unterehmen im Jahr 2003 gegründet, nachdem er WordPress mitentwickelt hatte. Dieser zeigte sich von der Entscheidung des Vorstands überrascht und betonte, dass diese gegen seinen Willen getroffen worden sei. In einem internen Slack-Kanal, den Techcrunch einsehen konnte, soll er sogar von einer „Verschwörung” gesprochen haben. Projektleiterin Mary Hubbard bestätigte Mullenwegs Statusänderung, betonte aber, dass WordPress selbst davon nicht betroffen sei.
Die Zwangsbeurlaubung folgte auf einen turbulenten Rechtsstreit mit dem Konkurrenten WP Engine. Mullenweg warf dem Unternehmen vor, von WordPress zu profitieren, ohne der Community etwas zurückzugeben, und forderte acht Prozent des monatlichen Bruttoumsatzes als Lizenzgebühr. Im Anschluss gab es weitere Klagen, in denen sich Automattic und WP Engine gegenseitig beschuldigten. Unter Mullenwegs Führung sollen sich die Spannungen so zugespitzt haben, dass er den Mitarbeiter:innen 2024 riet, mit Abfindung zu kündigen, falls sie nicht seiner Meinung waren. 159 Teammitglieder kamen dem nach. Im April 2025 entließ Automattic weitere 16 Prozent seines Teams.
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Zwangsbeurlaubung ging nach hinten los
Mullenweg weigerte sich offenbar, das Unternehmen zu verlassen, und sperrte andere Administrator:innen aus dem Slack-Kanal aus. Als Techcrunch ihn fragte, ob seine Kommentare über eine Rückkehr als CEO ernst gemeint seien, versprach er einen Blogbeitrag – als dieser erschien, ging es allerdings um den Kauf eines Hausboots. Auf die Rückfrage der Redaktion, ob auch das ein Trollversuch war, soll er geantwortet haben: „Ich bin kein Troll, ich bin ein Pirat, ganz offensichtlich.“ In einem Post auf X richtete Mullenweg sich zudem an andere Gründer:innen. Darin schrieb er: „Wenn es nicht alle paar Jahre einen Putschversuch gibt, stellen Sie keine ausreichend starken Führungskräfte ein.“
Jetzt ist Mullenweg offenbar als CEO zurück. „Hallo zusammen! Ich freue mich, bekannt geben zu können, dass sich der Vorstand wieder einig ist und ich wieder die Leitung von Automattic innehabe“, soll er laut Techcrunch auf Slack geschrieben haben. „In den letzten 48 Stunden ist viel passiert, das wir klären müssen. Ich hoffe, dass vieles davon auf einem Missverständnis beruht, denn ich habe großen Respekt und hohe Wertschätzung für alle Beteiligten.“ Ein Automattic-Sprecher bestätigte das Ende des kurzen Zwangsurlaubs gegenüber Techcrunch. Auch WordPress-Geschäftsführerin Mary Hubbard bestätigte seine Rückkehr und schrieb in einem Post auf X, sie sei „erleichtert und erfreut, dass Matt Mullenweg als CEO von Automattic zurückkehrt”.
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Mullenberg macht seltsame Andeutungen
Der öffentlich ausgetragene Machtkampf lässt viele Fragen offen. In einem Beitrag schrieb Mullenweg, er unterstütze „Mark Davies in seiner Rolle als Interims-CEO voll und ganz“, startete aber gleichzeitig einen Suchaufruf nach Systemadministrator:innen und Sicherheitsforscher:innen, die ihm dabei helfen könnten, bei Automattic gehostete Inhalte an einen anderen Ort zu verlegen. In einem anderen X-Post schrieb er: „Die Dinge sind anders, als sie scheinen.“ Was das Chaos für die Zukunft des Unternehmens bedeutet, bleibt abzuwarten. Das Hin und Her erinnert in Teilen an die Kündigung und Wiedereinstellung Sam Altmans bei OpenAI im November 2023.
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