Neue KI-Brillen: Dashcam, Dolmetscher und Walkie-Talkie-Ersatz
Dass es auf und rund um die IFA einige neue KI-Brillen zu sehen gibt, dürfte niemanden überraschen: Bereits im vergangenen Jahr hatten mehrere kleinere Firmen versucht, ihre Smart Glasses als würdige Konkurrenz zu den bekannten Meta-Brillen zu präsentieren. In diesem Jahr war die TCL-Tochter RayNeo vorgeprescht, die bereits im Vorfeld der Messe ihr neues Modell RayNeo iO präsentierte.
Ebenfalls wieder am Start ist L’Atitude 52°N aus Berlin, das auf der IFA die zweite Generation seiner KI-Brillen präsentiert. Doch während es bei dem Startup vor allem um Design und Detailverbesserungen geht, versuchen andere Hersteller, die Grenzen des aktuell technisch Machbaren auszuloten und mit innovativen Features aufzutrumpfen.
Mit Wechselakku und Dolmetscher-Funktion
Die INMO GO3 bietet Projektion und hat dennoch Kamera (plus Signal-LED), Mikrofone und Lautsprecher eingebaut.
(Bild: heise medien / Nico Jurran)
Dazu gehört etwa das Unternehmen INMO, das auf der Global Connect Show am Rande der Messe seine KI-Brille GO3 zeigte, die – wie etwa die RayNeo iO – eine Projektion in grüner Farbe in beiden Gläsern bietet, in deren Rahmen aber auch – wie bei den Meta-Brillen – eine Kamera und eine LED sitzen. Üblicherweise muss man sich bislang aus Platzgründen für eines von beiden entscheiden oder zu einem Modell greifen, bei dem Kamera und LED mittig über dem Nasensteg sitzen, der dadurch aber oft ungewöhnlich breit ausfällt. Auch Lautsprecher und vier Mikrofone haben noch Platz gefunden.
Wie bei KI-Brillen üblich, kann auch die GO3 in Verbindung mit der KI in der Begleit-App auf dem verbundenen Smartphone Sätze übersetzen lassen, die ein Gegenüber in einer Fremdsprache äußert. Laut Hersteller sind dies hier gleich 98 Sprachen. Doch dabei blieb bislang immer ein Problem: Wie soll man antworten? INMO hat bei der GO3 dafür tatsächlich eine Lösung: Als Träger der KI-Brille kann man seinerseits Sätze in seiner eigenen Sprache einsprechen, die dann in der übersetzten Fassung über ein (separat erhältliches) drahtlos verbundenes Lautsprecher-Modul ausgegeben werden. Wie gut das am Ende in der Praxis funktioniert, wird sich natürlich zeigen müssen.
Der Akku der INMO-Brille lässt sich schnell wechseln.
(Bild: heise medien / Nico Jurran)
Bei der Stromversorgung geht INMO ebenfalls neue Wege: Der Akku sitzt am Ende eines Bügels und lässt sich wie ein USB-Stick abziehen. Ist er leer, tauscht man ihn einfach gegen ein volles Exemplar aus. Der ganze Vorgang soll laut Hersteller nur fünf Sekunden dauern, wobei man nicht einmal die Brille absetzen muss. Den leeren Akku lädt man dann wieder auf und kann so rund um die Uhr durchtauschen.
Zwei Wermutstropfen gibt es aber: Eine Akkuladung reicht nur für rund drei Stunden, sodass man recht häufig wechseln muss. Und zudem stattet INMO die Brille bei Bedarf nicht direkt mit Korrekturgläsern aus, sondern liefert einen Rahmen, in den man solche (von ausgewählten Optikern) einsetzen kann. Dadurch wird die gesamte Konstruktion aber schnell recht klobig.
Wer sich daran nicht stört, soll die INMO GO3 in Kürze für 649 Euro offiziell in Deutschland kaufen können. 60 Euro kommen noch einmal für ein Bundle aus Ersatzakku und passendem Ladegerät hinzu; ein Etui mit Akku gibt es hingegen bei dieser KI-Brille logischerweise nicht.
Die Dolmetscher-Funktion läuft über diesen kleinen Lautsprecher, der drahtlos mit der KI-Brille verbunden wird.
(Bild: heise Medien / Nico Jurran)
KI-Sportbrille
BleeqUp zeigt in Berlin wiederum seine smarte Sportbrille, die Modellen wie der Oakley Meta Vanguard ernsthaft Konkurrenz machen soll. Damit das klappt, hat der Hersteller zunächst einmal die Möglichkeit geschaffen, den Neigungswinkel der integrierten Kamera anzupassen. So sollen Fotos und Videos immer gut aussehen, unabhängig davon, ob man die KI-Brille zum Laufen oder zum Radfahren einsetzt. Passend zur Sportausrichtung ist die Brille staub- und gegen Spritzwasser aus allen Richtungen geschützt (IP54).
Bei der KI-Sportbrille von BleeqUp lässt sich der Aufnahmewinkel über einen kleinen Schalter verändern.
(Bild: heise medien / Nico Jurran)
Apropos Video: Laut Hersteller sind hier bis zu 3K mit 60 Bildern pro Sekunde drin – und zwar standardmäßig für bis zu eine Stunde am Stück, während wir bei Meta-Brillen (je nach Auflösung beziehungsweise Bildwiederholrate) von 3 bis 5 Minuten sprechen. Wem das nicht reicht, der bekommt als Zubehör ein Akkupack, das sich auf die Rückseite eines Fahrradhelms montieren lässt und über eine Kabelverbindung Strom für bis zu fünf Stunden Videoaufnahmen liefert.
Laut Hersteller gibt es neuerdings zudem eine KI-gestützte Atemüberwachung, die merken soll, wenn ein Läufer zu schnell rennt. Die KI (Gemini) weist den Nutzer dann darauf hin, einen Gang runterzuschalten. Trainieren mehrere Sportler mit BleeqUp-Sportbrille zusammen, können sie über die App zudem eine Walkie-Talkie-Funktion nutzen, um sich fortwährend zu unterhalten. Die Verbindung läuft über die mobile Datenverbindung. Die Idee hat L’Atitude 52°N allerdings bereits über Bluetooth Mesh für bis zu acht Personen umgesetzt, sodass Gruppen auch in abgelegenen Gegenden ohne Mobilfunkempfang und Internet miteinander verbunden bleiben sollen.
Ein fetter Akku am Helm sorgt dafür, dass man stundelang Videos aufnehmen kann.
(Bild: heise medien / Nico Jurran)
BleeqUp hat zudem eine Pre-Recording-Funktion integriert, bei der die Kamera im internen Speicher permanent in einer Schleife zehn Sekunden zwischenpuffert. Löst man die Aufnahme aus – etwa über Sprache oder eine kleine Fernbedienung, die sich am Lenker montieren lässt –, werden diese zehn Sekunden zusammen mit den folgenden Aufnahmen gespeichert. So soll die KI-Brille etwa im Falle eines Unfalls als eine Art Dashcam dienen können.
Die KI-Brillen dieser sogenannten Ranger-Reihe sind international zwar schon eine Weile auf dem Markt, sollen nun aber auch in Deutschland offiziell vertrieben werden. Die Modelle starten laut Liste bei 400 Euro.
(nij)