Plötzlich optimistisch: Warum Deutschlands Wirtschaft jetzt viel besser dasteht als gedacht


Ifo hebt Prognose an: Deutsche Wirtschaft erholt sich – trotz Energiepreisschock

Stand: 03.09.2026, 13:22 Uhr

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Das ifo Institut hebt seine Wachstumsprognose deutlich an – trotz Energiepreisschock und steigender Staatsschulden erholt sich die deutsche Wirtschaft.

München – Lange war die Stimmung gedrückt, die Nachrichten düster – doch jetzt kommt Bewegung in die deutsche Wirtschaft. Das ifo‑Institut hat seine Herbstprognose veröffentlicht und die Wachstumserwartungen für 2026 überraschend stark nach oben korrigiert.

Konjunktur im Aufwind

Ifo-Chefkonjunkturforscher Timo Wollmershäuser und seine Kollegen haben ihre Wachstumsprognose für die deutsche Wirtschaft überraschend stark erhöht. (Archiv) © Sebastian Christoph Gollnow/dpa

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) soll in diesem Jahr um 1,4 Prozent zulegen – 0,6 Prozentpunkte mehr als noch im Sommer prognostiziert. Für 2027 erwarten die Münchner Forscher ein Plus von 1,2 Prozent, für 2028 von 0,8 Prozent.

Deutsche Wirtschaft erholt sich: ifo hebt Wachstumsprognose deutlich an

„Lichtblicke zeigen sich insbesondere in der krisengeplagten Industrie“, schreibt das ifo‑Institut in seiner Prognose. Tatsächlich hat sich die Auftragslage im verarbeitenden Gewerbe seit Jahresbeginn kontinuierlich verbessert, die Exporterwartungen legten zuletzt deutlich zu.

Rückenwind kommt dabei auch von einer robusten Weltkonjunktur, die deutschen Unternehmen neue Absatzmärkte eröffnet. Laut Süddeutscher Zeitung reiht sich das ifo‑Institut damit in eine Reihe optimistischer Einschätzungen anderer Wirtschaftsinstitute ein – auch das RWI (1,3 %), das DIW (1,2 %) und das IfW Kiel (1,3 %) haben ihre Prognosen zuletzt angehoben.

Ein wesentlicher Treiber der Erholung ist die expansive Finanzpolitik. Der Staat pumpt im laufenden Jahr knapp 40 Milliarden Euro zusätzlich in Infrastruktur, Klimaschutz und Verteidigung. ifo-Konjunkturchef Prof. Dr. Timo Wollmershäuser erklärt: „Deutliche Impulse aus dem Ausland und die Mehrausgaben für Infrastruktur, Klima und Verteidigung in Deutschland verhindern stärkere Bremsspuren beim Wachstum durch den Energiepreisschock und das Niedrigwasser auf den Flüssen.“ In den Jahren 2027 und 2028 sollen die finanzpolitischen Impulse bei 27 beziehungsweise 18 Milliarden Euro liegen.

Inflation bleibt hartnäckig – Schulden steigen

Die guten Nachrichten haben jedoch einen Preis. Die Inflationsrate bleibt mit 2,8 Prozent in diesem und 3,0 Prozent im nächsten Jahr deutlich über dem EZB-Ziel von zwei Prozent. Erst 2028 soll sie sich mit 2,3 Prozent annähern. Gleichzeitig wächst das Staatsdefizit: von 3,0 Prozent des BIP im Jahr 2025 auf 4,6 Prozent bis 2028. Die Schuldenquote steigt im selben Zeitraum von 62,7 auf 67,9 Prozent.

Auf dem Arbeitsmarkt ist Geduld gefragt. Im Jahresdurchschnitt 2026 sinkt die Zahl der Erwerbstätigen noch einmal. Erst ab 2027 rechnet das ifo‑Institut mit einer Erholung. Die Arbeitslosenquote liegt 2026 bei 6,3 Prozent und soll bis 2028 auf 5,4 Prozent zurückgehen.

Trotz Erholung in der Deutschen Wirtschaft – Risiken bleiben real

Ein zentrales Risiko bleibt der Nahost-Konflikt. Sollte sich der Iran-Krieg verschärfen, könnten Energiepreise erneut steigen und die Konjunktur bremsen. Umgekehrt könnte ein Friedensabkommen zwischen Iran und den USA die Preise schneller sinken lassen – und das Wachstum weiter ankurbeln. (Quellen: eigene Recherche, ifo Institut, Süddeutsche Zeitung) (nmr)