Im Rausch der Sterne: Warum "Star Wars: Galactic Racer" das Rennspiel des Jahres ist
Test
Im Rausch der Sterne: Warum "Star Wars: Galactic Racer" das Rennspiel des Jahres ist
Ein frisch gegründetes Studio kombiniert Highspeed-Nostalgie mit Rogue-lite-Mechaniken – und landet damit einen Volltreffer
Test
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Alexander Amon
Es braucht nicht viel, um ein gutes Videospiel zu machen: Ein paar talentierte Entwickler, die richtige Führung und eine gut umgesetzte Idee. Im Falle des vor drei Jahren frisch gegründeten Studios Fuse Games kamen diese Faktoren glücklicherweise zusammen, was uns dieser Tage das Rennspiel Star Wars: Galactic Racer beschert.
"Wir sind Fans von Rennspielen und Star Wars und haben uns gefragt, warum es seit Jahrzehnten kein Rennspiel in diesem Universum gegeben hat", erklärte CEO Matt Webster kürzlich in einem Interview. Gesagt, getan. Das Ergebnis weiß in fast allen Belangen zu überzeugen und gehört mit seinem frischen Elan mit Sicherheit zu den Toptiteln des Jahres.
Runs statt Rogue
Ähnlich wie bei Clair Obscur: Expedition 33 im Vorjahr haben sich auch für diesen Titel Branchenveteranen zusammengeschlossen, die einst bei namhaften Studios arbeiteten. Zur Vorgeschichte vieler Mitarbeiter gehören etwa Hits wie Burnout Paradise oder Need for Speed: Hot Pursuit. Aber anstatt noch ein Rennspiel in einem klassischen Setting zu versuchen, wich man auf Star Wars aus. Die aus Episode I bekannten Podrennen waren Inspiration für den etwas anderen Racer, der vor allem eines ist: verdammt schnell.
Und noch etwas ist anders als bei vielen Mainstream-Rennspielen: Man fährt zwar auch klassisch Rennen nach Rennen, allerdings nicht in beliebiger Abfolge – sondern man versucht sich an sogenannten "Runs". Das bedeutet: Galactic Racer nutzt Rogue-lite-Elemente. Man wählt nicht einfach einzelne Strecken aus, sondern startet eine ganze Serie bis hin zum finalen Rennen eines Abschnitts. Auf dem Weg dorthin sammelt man Verbesserungen ein. Scheitert man frühzeitig, startet man die Serie von vorn.
Im Vorfeld hat mich diese Idee abgeschreckt, weil man solche Elemente eigentlich aus völlig anderen Genres kennt. Aber wie schon beim Beat ’em up Absolum muss ich zugeben: Durch diesen Kniff gewinnt das Genre enorm. Tatsächlich macht man in anderen Rennspielen oft nicht viel anderes, als ewig dieselben Kursvarianten zu fahren – nur eben gegen stärkere Gegner. Ganz genauso funktioniert das in Galactic Racer auch, aber mit deutlich mehr Nervenkitzel.
In einer weit, weit entfernten Galaxis...
Bevor ich den Ablauf einer solchen Serie genauer beschreibe, kurz zum storytechnischen Beiwerk: Fuse Games hat sich nämlich eine kleine Geschichte überlegt, die als roter Faden das Renngeschehen begleitet. Als gesichtsloser Rennfahrer Shade will man einem alten Freund helfen, die Hoheit über die reichweitenstarke Galactic League zu behalten. Dazu gilt es, den Kontrahenten Kestar Bool in die Schranken zu weisen.
Erzählt wird die Handlung zwischen den Rennen, wenn man auf den verschiedenen Planeten auf einem kleinen Areal frei herumlaufen und mit den dortigen Personen sprechen kann. Diese erzählen von ihrer Motivation oder warum sie Shade nicht mögen. Bei Händlern oder Mechanikern können zudem beschädigte Teile repariert oder neue gekauft werden. Im Laufe des Spiels kommen noch andere Faktoren hinzu – etwa Gespräche, die einen historische Podrennen nachfahren lassen, oder die Möglichkeit, durch bestimmte Fahrleistungen zusätzliche Credits zu verdienen.
Möge der Boost mit dir sein
Es gibt drei Vehikel-Typen, aus denen man früh im Spiel entscheiden kann: Die relativ ausgewogenen Landspeeder, die fragilen, aber extrem schnellen Speeder Bikes und die Skim Speeder – schon fast Kampfflieger als Rennfahrzeuge. Wesentlich später warten noch die namensgebenden Podracer auf die Spieler, die mit ihrer Geschwindigkeit nur von den besten Fahrern zu bändigen sind. Jede Klasse verlangt ein anderes Handling, und man sollte aus einem bestimmten Grund früh herausfinden, womit man am besten zurechtkommt.
Mit durch Rennen verdienten Tuning-Points lassen sich die einzelnen Klassen in ihrer Basisausstattung verbessern – etwa für eine bessere Beschleunigung oder eine stabilere Kurvenlage. Das ist auch nötig, denn je höher die Liga, desto härter kämpfen die Kontrahenten um die Spitzenplätze. Da es von diesen Punkten nicht unendlich viele gibt, sollte man sie in sein favorisiertes Vehikel stecken.
Neben den Upgrades gibt es auch noch "Abilities". Diese erhält man durch den vor Rennbeginn ausgewählten "Racer Style" (es gibt 14 unterschiedliche) oder sammelt sie während der Rennserie auf. Das kann ein kurzzeitiger Autopilot sein, ein Verteidigungsschild, Minen oder Ähnliches. Und dann sind da noch die "Parts": passive Fähigkeiten, die den eigenen Spielstil unterstützen. So kann etwa die Driftzeit verlängert oder die Abklingzeit von Abilities verkürzt werden. Die Kombination dieser Einzelteile ergibt – typisch für das Rogue-lite-Genre – im Idealfall ein Synergie-Set, das einen bis zum Siegerpodest trägt.
Streckenkenntnis ist alles
Aber all das ist graue Theorie. Wie fühlt es sich an? "Ausgesprochen gut", wäre die kurze Antwort. Es ist nicht nur die gelungene Steuerung, sondern vor allem das Geschwindigkeitsgefühl, das man in dieser Intensität vielleicht noch aus WipEout kennt. Eigentlich geht es darum, die unterschiedlichen Boosts möglichst effektiv einzusetzen, um ständig am Limit des Gefährts zu fahren. Wer es mit dem Boost jedoch übertreibt, überhitzt den Motor und bringt das eigene Fahrzeug zum Explodieren.
Es sind aber auch die vielen Details, die die Liebe der Entwickler zur Materie zeigen: Zu Beginn jedes Rennens muss man möglichst schnell ein paar Knöpfe drücken, um die Abilities gleich von Start weg zur Verfügung zu haben – das erinnert charmant an Episode I, als Anakin an den Schaltern seines Pods herumtippte. Auch wenn man Gegner von der Strecke rammt und diese – ähnlich wie früher in der Burnout-Serie – in Zeitlupe in alle Einzelteile zerbersten, fühlt sich das unglaublich befriedigend an.
Hinzu kommen grafische Details, die direkten Einfluss auf das Gameplay haben: Auf dem Wüstenplaneten Jakku lässt sich das Überhitzen hinauszögern, indem man verstärkt im Schatten fährt; auf dem Eisplaneten Ando Prime beeinflusst die Kälte die Steuerung, außer man sucht sein Heil in Hitzetunneln. So hat jeder der sieben Planeten seine Eigenheiten, die es zu meistern gilt.
Noch nicht alles
Neben der Kampagne, die neben klassischen Rennen noch weitere Modi für mehr Abwechslung bietet, kann man sich zusätzlich an Szenarien versuchen: Hier schlüpft man für Belohnungen in die Haut einiger Nebenfiguren der Hauptstory. Im Arcade-Modus geht es um Bestzeiten, während man gleichzeitig ohne großen Druck die Strecken kennenlernen kann.
Zu guter Letzt darf natürlich der Multiplayer-Modus nicht fehlen, um sich mit anderen Spielern zu messen. Dieser war vor dem Release zwar erst eingeschränkt verfügbar, bietet aber grundsätzlich eine ähnliche Herausforderung wie der Solo-Modus. Die Multiplayer-Tour, in der 12 Spieler in einer längeren Rennserie gegeneinander antreten, spielt sich ähnlich wie ein Run als Solist, man spielt aber eben gegen Menschen. Aus Fairnessgründen wählt man hier aus einer vorgefertigten Auswahl an Rennfahrern – alle mit eigenen Stärken und Schwächen – sowie dem passenden Fahrzeug. Dieses kann, ebenfalls wie im Story-Modus, nach jedem Rennen aufgerüstet werden.
Zur Auflockerung kann man vor den Events Geld auf sich selbst bzw. auf die angestrebte Platzierung setzen. Wie im Solo-Modus sammelt man auf diese Weise die unterschiedlichen Währungen, die zum Verbessern der Racer nötig sind. Ob die Server zum Launch stabil sind, kann man jetzt natürlich nicht sagen, aber in den Test-Sessions kochte das Adrenalin in jedem Fall. Ein paar Sekunden schneller sein macht gegen Menschen halt noch ein Stück mehr Spaß, als gegen KI-Fahrer. In vielen Rennen findet man übrigens beides. Praktisch, wenn nicht genug Leute online sind, kann man trotzdem mit einem vollen Feld ins Rennen starten.
Fazit
Ich könnte hier noch Seiten mit Nebeninformationen oder Lobhudeleien füllen. Mein Tipp deshalb: einfach selbst ausprobieren! Ja, der Herbst ist vollgepackt mit hochkarätigen Spielen, die ihr Geld wert sind. Aber Star Wars: Galactic Racer ist dieses eine Überraschungsei, das etwas wirklich Großartiges hervorzaubert – eine gewisse Liebe zu Rennspielen natürlich vorausgesetzt.
Ich habe in diesem Jahr selten erlebt, dass ich unbedingt noch "diese eine Runde" spielen wollte, um zu sehen, was ich als Nächstes freischalte oder ob dieser Run mich endlich zum Ziel bringt. Es ist schlicht schön zu sehen, wie man nach einigen Stunden die Eigenheiten der Fahrzeuge immer besser beherrscht und zuvor aussichtslose Rennen auf einmal gewinnt.
Dieses Spiel ist der Geschwindigkeitsrausch des Jahres – entwickelt von einem Team, das mit Galactic Racer ein fabelhaftes Debüt abliefert. Spielentwicklung kann manchmal so einfach sein. (Alexander Amon, 2.10.2026)
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