„Immer Probleme gehabt“: Hammer baut seine Beinprothese selbst
Stand: 02.08.2026, 05:30 Uhr
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Anton Ackfeld trägt seit über 30 Jahren eine Beinprothese. Doch der Schaft sorgte ständig für Schmerzen, weshalb er sich ihn in vielen Arbeitsstunden selbst nachgebaut hat.
Heessen – Einen Härtetest hat das Teil jüngst erst wieder mit Bravour bestanden. Beim Sattelfest fuhr Anton Ackfeld unlängst die 80 Kilometer von Hamm bis Soest und zurück. Mit einer Beinprothese, deren Schaft er in seiner Werkstatt selbst gebaut hat. „Die passt jetzt richtig bombig“, sagt der 71-Jährige, der trotz des künstlichen Körperteils sehr aktiv ist.
Seit 36 Jahren trägt der Heessener schon eine Prothese. Nach einem unverschuldeten Verkehrsunfall musste ihm das Bein am linken Oberschenkel amputiert werden. Und im Grunde ist er seitdem unzufrieden mit dem Hilfsmittel, genauer gesagt, mit dem Schaft, der seinen Stumpf und die eigentliche Prothese verbindet. „Ich habe immer Probleme gehabt“, sagt Ackfeld.

Kunststoff reizt die Adduktoren
Der Schaft muss perfekt sitzen, doch die Voraussetzungen können sich ändern. Je nachdem, wie aktiv jemand sei und wie sehr sich der Stumpf verändere, erläutert Ackfeld, müsse die Form, die mehrere Tausend Euro kosten kann, ausgetauscht werden. Bei ihm lag die Krux dabei (besonders nach einer Nachoperation am Bein im Jahr 2018) bei den Anlagepunkten und den Anstützungen. Die sollen das Körpergewicht über den Hüftknochen sicher auf die Prothese übertragen, gleichzeitig Reibung und Druckpunkte vermeiden.

Obwohl in der Prothese das ganze Hightech eingebaut ist und mit Mikroprozessoren die Bewegung gesteuert wird, sagt Ackfeld: „Das Entscheidende bei einer Beinprothese ist der Schaft.“ Bei ihm tauchten nur ständig dieselben Probleme auf. Die Kunststoffform drückte auf die Adduktorensehne, die daraufhin schmerzte. Zudem kam es zu Wundreibungen.
Kontakt gesucht
Viel hat Anton Ackfeld unternommen, um mit anderen Beinamputierten ins Gespräch zu kommen. Erfolg sei ihm bisher nicht vergönnt gewesen. „Ich würde mich gerne mit anderen austauschen, was sie mit ihrer Prothese erleben“, sagt er. Das muss seiner Ansicht nach auch gar nichts Regelmäßiges sein. Bei einem Treffen oder einem Telefonat könne man sich auch gegenseitig Tipps geben, Erfahrungen austauschen oder offene Fragen besprechen. Erreichbar ist Ackfeld unter der Telefonnummer 0151/671 66 468.
Schon viele Firmen ausprobiert – erfolglos
Im Verlauf der Zeit hat der Heessener deshalb eine Odyssee hinter sich, probierte verschiedene Firmen in Hamm und weiter weg aus. „Ich bin jedes Jahr zum Prothesenbauer gegangen. Alle haben mir gesagt, was der Vorgänger falsch gemacht hat“, erzählt Ackfeld: „Und alle haben gesagt: ‚Wir schaffen das‘.“
Doch das Grundproblem sei bei keinem gelöst worden. „Mir wurde gesagt: ‚Du musst damit leben‘“, berichtet er. Weil so viele Anpassungsprozesse erfolglos verliefen, hergestellte Formen wieder entsorgt werden mussten, aber teilabgerechnet wurden, hätte ihn die Versicherung wegen der Kosten bereits als nicht mehr versorgbar eingestuft, sagt Ackfeld. Das war für ihn der Zeitpunkt zum Handeln.

5000 Kilometer im Jahr mit dem Rad
Er sagte sich: „Du musst dir jetzt was bauen. Du willst ja aktiv bleiben.“ Das ist er trotz Prothese tatsächlich – und nicht zu knapp. Ackfeld fährt auch mit über 70 Jahren nach eigenen Angaben noch über 5000 Kilometer Fahrrad im Jahr („Da bin ich flexibler als mit dem Auto, wo ich immer erst einen Parkplatz finden muss.“). Er schwimmt regelmäßig und ist passionierter Jäger – auch im anspruchsvollen Gelände. Das wollte er nicht aufgeben.
Im Frühjahr 2024 schnappte er sich eine der Schaftformen in der Werkstatt, mit der er zufrieden war, und goss sie mit Gips aus. Die gewonnene Form überzog er mit Glasfaserverstärktem Kunststoff (GfK) und schälte behutsam den Gips heraus. Er verspachtelte den Rohling und sorgte mit Karbonfasern für Festigkeit. Dazu kam die Feinarbeit. So gibt es zum Beispiel spezielle Lotlinien, die für einen sicheren Halt notwendig sind. Firmen arbeiten dabei längst mit Lasern, in der Werkstatt in Heessen half die Maurerschnur. „Und immer wieder habe ich zwischendurch ausführlich getestet“, sagt der gelernte Karosserie- und Fahrzeugbauer, der auch leidenschaftlicher Modellbauer war.

Im dritten Versuch gelingt das Projekt
Es klappte natürlich nicht gleich alles. Zwei Fehlversuche musste er verwerfen. Auch beim dritten Modell muss er Abstriche machen: „Das ist schon etwas klobiger“, sagt Ackfeld, wenn er seine Eigenfertigung mit den Fachprodukten vergleicht. Besonders deutlich wird das knapp oberhalb des Knies, wo der Übergang vom Schaft zur eigentlichen Prothese ist. Hier wird auf einer Holzunterlage eine Metallplatte verschraubt. Ackfeld feilte lange, bis es richtig passte.
Als Prothese nutzt der Heessener die sogenannten Passteile (Gelenke, Module, den Fuß) eines seiner älteren Modelle, deren Nutzungszeit abgelaufen ist. Zudem hat er sich über die Jahre ein Ersatzteillager zurückgelegt.
Ein Dreivierteljahr habe die Arbeit gedauert, so der 71-Jährige. Über 300 Euro für Material kamen zusammen. Mit dem Ergebnis ist er sehr zufrieden. Rund ein Jahr nutzt er seinen Eigenbau schon, Probleme habe es nicht gegeben – weder beim Radfahren, noch auf der Jagd. Es könnte aber noch besser sitzen, sieht er dennoch Verbesserungspotenzial und will nochmal Hand anlegen.
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