Noch ein „Walk of Fame“: Stefan Mross mit Stern in Europa-Park Rust geehrt
„Wir werden als total hilflose Wesen geboren, und deshalb brauchen wir Erwachsene, die mit der Welt zurechtkommen und an denen wir uns orientieren können“, sagte die Psychoanalytikerin Margarete Mitscherlich 2007 in einem Interview mit der Zeit. Und Albert Einstein schrieb in seinem Essayband „Mein Weltbild“: „Es gibt keine andere vernünftige Erziehung, als Vorbild sein. Wenn’s nicht anders geht, ein abschreckendes.“
Womit wir, freilich über Umwege, bei Stefan Mross wären. Denn zum Ende der von ihm 21 Jahre lang moderierten Fernsehsendung „Immer wieder sonntags“ soll Mross am Donnerstag im Europa-Park Rust mit einem „Walk-of-Fame-Stern“ geehrt werden.

Mross hatte sich in seiner Sendung immer vorbildlich für sein Publikum ins Zeug gelegt. Zum Beispiel, als er im Jahr 2014 eine besonders scharfe Currywurst vor den Kameras probierte, deretwegen er anschließend nicht mehr weitermoderieren konnte. Vor Mross, der auch beliebte Schlager wie „Servus, pfüa Gott und auf Wiedersehen“ neu interpretierte, wurden in Rust auch schon James-Bond-Darsteller Roger Moore und Komiker Otto Waalkes mit „Walk-of-Fame-Sternen“ geehrt.
Im Interesse aller nach Vorbildern Suchenden sollte hier aber auch einmal festgestellt werden, dass der „Walk of Fame“ als solcher nicht mehr das ist, was er einmal war. Vor 70 Jahren hatte der Stadtrat von Hollywood erstmals über Sterne am örtlichen Bürgersteig diskutiert, man war auf der Suche nach etwas Fröhlichem, der Filmindustrie ging es nicht gut. Heute finden sich entsprechende Nachfolger in Toronto und Magdeburg, in Hongkong und Mainz, in Dubai und Schweigen-Rechtenbach, was die Konzentration auf das, dem es nachzueifern gilt, immer schwerer macht. Mal werden mit Sternen, Schriftzügen oder Abdrücken Sportler und Schauspieler geehrt, dann wieder Politiker, Winzer und Satiriker. Mal scheint entscheidend zu sein, wann jemand wo vor Ort war (und dort Füße oder Hände in nassen Zement haute), mal werden jene Persönlichkeiten herausgestellt, die ein Expertengremium oder ein privater Stifter für besonders fußbodentauglich hielt. Charlie Chaplin etwa, der bedeutendste aller Hollywoodstars, erhielt seinen Stern am „Walk of Fame“ erst 1972. Ursprünglich war er – weil er unter Kommunismusverdacht stand – durch den Gully-Rost gefallen.
Vorbilder, so viel steht fest, finden sich ständig neue. Und jede Zeit hat ihre eigenen. Manche beeindruckt vor allem der Bugs-Bunny-Stern am Hollywood Boulevard, andere die steinernen Wächter in der Krypta des Leipziger Völkerschlachtdenkmals, die Philosophen im Pariser Panthéon oder Michelangelos Gottesmutter im Petersdom. Und was ist mit der Wallenstein-Büste der Walhalla, dem Michael-Jackson-Kuscheltier-Meer am Münchner Promenadeplatz oder dem Claudio-Pizarro-Handabdruck in der Bremer Lloyd-Passage? „Der Ruhm wie alle Schwindelware“, heißt es bei Wilhelm Busch, „hält selten über tausend Jahre.“
Vom Theologen Friedrich A. Krummacher jedenfalls stammt der kluge Satz, man solle sich grundsätzlich eher „die fruchtbare Aehre“ zum Vorbild nehmen, nicht die „einsame Distel“, welche „eine Warnung“ sei. Und bei „fruchtbare Aehre“ denkt man sofort an Stefan Mross.