Iranische Zeitung veröffentlicht "Abschussliste" mit hochrangigen westlichen Politikern
Nahost
Iranische Zeitung veröffentlicht "Abschussliste" mit hochrangigen westlichen Politikern
Am Wochenende beschossen einander die USA und der Iran so schwer wie seit der Einigung auf eine Waffenruhe nicht mehr. Zuvor hatte der Oman einen Vorschlag für die Öffnung der Straße von Hormus vorgelegt
Frage & Antwort
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Bianca Blei
Insgesamt 140 iranische Ziele will das US-Militär laut eigenen Angaben am Sonntag bombardiert haben. Die iranischen Staatsmedien berichten von Explosionen im Süden des Landes – vorwiegend entlang der Küste nahe der Straße von Hormus – in der Provinz Bushehr, der strategisch wichtigen Qeschm-Insel, sowie der Küstenstadt Bandar Abbas. Der Iran reagierte mit Raketen- und Drohnenangriffen in der Region. So soll ein jordanischer Luftwaffenstützpunkt und Ziele in den Vereinigten Arabischen Emiraten, Bahrain und Katar ins Visier genommen worden sein. Außerdem bezeichnete Teheran die wirtschaftlich so wichtige Straße von Hormus wieder als geschlossen.
Frage: Was werfen die Staaten einander vor, um ihre erneuten Angriffe zu rechtfertigen?
Antwort: Laut den US-Streitkräften soll der Iran einen Frachter unter zyprischer Flagge beschossen haben. Bei dem Angriff wurde der Maschinenraum getroffen, wodurch das Schiff manövrierunfähig sei. Außerdem werde ein indisches Besatzungsmitglied vermisst. Der Iran spricht von Warnschüssen, die abgegeben wurden, da der Frachter auf einer angeblich nicht autorisierten Route durch die Straße von Hormus war und mehrfache Aufforderungen, diese zu verlassen, ignoriert habe. Ein US-Beamter berichtete dem Medium Axios, dass sich das getroffene Schiff auf der südlichen Route durch die Meeresenge befunden habe. Jene, die der Oman erst am Samstag für den freien Schiffsverkehr vorgeschlagen hatte.
Frage: Wie sah der omanische Vorschlag für die Öffnung der Straße von Hormus genau aus?
Antwort: Der Schiffsverkehr in der Straße von Hormus sollte über zwei getrennt kontrollierte Korridore geregelt werden. Das erzählte eine mit der Sache vertraute Person dem US-Sender CNN. Dabei würden beide Korridore offen bleiben. Der südliche Korridor, der durch die Hoheitsgewässer des Oman verläuft, würde eine freie Schifffahrt unter den Bedingungen wie vor dem Krieg ermöglichen. Schiffe, die den nördlichen Korridor durch iranische Hoheitsgewässer befahren, würden eine vorherige Genehmigung des Iran benötigen, wobei jedoch keine Gebühren erhoben würden. Der iranische Außenminister Abbas Araghchi hatte sich am Samstag in Muskat mit seinem omanischen Amtskollegen Sayyid Badr Albusaidi getroffen und den Vorschlag prinzipiell mit nach Teheran genommen.
Frage: Aber ist die Straße jetzt tatsächlich wieder geschlossen, wie vom Iran verkündet?
Antwort: Dem widersprechen die USA. Laut dem von der US-Marine beaufsichtigten Joint Maritime Information Center (JMIC) bleibt die omanische südliche Route weiterhin geöffnet. "Die US-Streitkräfte sind bereit, die Freiheit der Schifffahrt aufrechtzuerhalten und den rechtmäßigen Handel im Einklang mit dem Völkerrecht zu schützen. Die Südroute der Meerenge bleibt offen", erklärte das JMIC am Sonntag. Trotz dieser Ankündigung bleibt die Sicherheitsbedrohungsstufe in der Meerenge weiterhin "hoch", fügte das JMIC hinzu.
Frage: Eine große iranische Zeitung veröffentlichte am Wochenende zudem eine "Abschussliste" von hochrangigen Politikern. Was hat es damit auf sich?
Antwort: Bereits unter der Woche hatte US-Präsident Donald Trump selbst gesagt, dass er die "Nummer eins auf der Todesliste" des Iran sei. Das selbst sind keine akuten Neuigkeiten, werden Trumps Bilder mit eingezeichnetem Fadenkreuz oder eindeutige Todeswünsche doch regelmäßig bei regimetreuen Demonstrationen hochgehalten. Doch nun zeigte die auflagenstarke Zeitung Hamshahri noch weitere hochrangige Politiker, die auf der Abschussliste der Führung in Teheran stehen. So finden sich unter ihnen auch der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz oder die italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni.
Frage: Wie sehr kann Diplomatie nach der jüngsten Eskalation noch greifen?
Antwort: Eine Rückkehr an den Verhandlungstisch wirkt in weiter Ferne. Eskalationen waren zwischen den Kriegsparteien zwar bereits durch die Schlupflöcher im geschlossenen Memorandum of Understanding programmiert, doch ist es fraglich, wie man das Patt in der Straße von Hormus beenden soll. Und die Öffnung der Meeresenge ist für die USA die wichtigste Voraussetzung, um überhaupt weiterzuverhandeln. Am Sonntag nannte der Militärberater des obersten iranischen Führers Mojtaba Khamenei Hormus aber "eines der Abschreckungsmittel des Landes", das das Regime nicht einfach aus der Hand geben wird. (Bianca Blei, 12.7.2026)
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