Isabella Rossellini: Spross eines Traumpaares des Kinos und selbst Weltstar
Kopf des Tages
Isabella Rossellini: Spross eines Traumpaares des Kinos und selbst Weltstar
Die 1952 in Rom geborene Schauspielerin wurde zum Beginn der Filmfestspiele in Locarno mit dem Ehren-Leoparden geehrt
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Bert Rebhandl
Im Frühling des Jahres 1953 entstand in Italien ein Episodenfilm mit dem Titel Siamo donne (Wir Frauen). Man kann darin die Schauspielerin Ingrid Bergman sehen, wie sie ein Huhn durch ein großbürgerliches Haus scheucht. Regie führte Roberto Rossellini, der in diesem Fall sehr nahe an das Private rührte: An seinen Ehealltag mit der Bergman, die seinetwegen ihre Karriere in Amerika aufgegeben hatte, wo sie mit Casablanca und Wem die Stunde schlägt weltberühmt geworden war.
Zur Familie gehörten in dieser Zeit auch schon drei kleine Kinder: Roberto und die Zwillinge Isabella und Isotta. Eine von ihnen wurde Schauspielerin wie die Mutter, und sie veröffentlichte viele Jahre später ein Buch über ihr Leben mit Hühnern, in dem sie sich auch als Fotografin zeigte. Isabella Rossellini, geboren 1952 in Rom, trägt bis heute den Namen ihres Vaters, sie ist aber unverkennbar auch die Tochter von Ingrid Bergman, und damit Spross eines Traumpaares des Kinos. Sie ist das Kind einer Verbindung von Hollywood mit dem italienischen Neorealismus.
Athene vor drei Jahrzehnten
Für das Filmfestival in Locarno, das Isabella Rossellini zur Eröffnung am Mittwoch mit einem Ehren-Leoparden begrüßte, lag nahe, welcher Film zum feierlichen Anlass laufen sollte. Man entschied sich für Wild at Heart von David Lynch, und damit für ein Zeugnis von einem weiteren Traumpaar des Kinos. Der Kultregisseur, bekannt geworden mit Eraserhead, hatte sie davor für Blue Velvet gecastet, und sie dabei auf ihre Ähnlichkeit mit Ingrid Bergman angesprochen. Isabella war zu diesem Zeitpunkt schon gefeiertes Model, und Lynch hätte sie eigentlich kennen können. Er hätte auch wissen können, dass sie eine Beziehung mit Martin Scorsese hinter sich hatte, davor eine mit dem Autor Lucianco de Crescenzo. Doch er wollte sie offensichtlich für sich ganz neu entdecken. Fünf Jahre, bis 1991, waren David Lynch und Isabella Rossellini dann ein Paar.
Vor fünf Jahren veröffentlichte Alessandro Rossellini, ein Halbbruder, die Dokumentation Die Rossellinis, aus der man die überreiche und komplizierte Familiengeschichte sehr schön ersehen kann, aus der heraus Isabella sich zu einer Ikone zu formen vermochte. Man sieht sie heute oft in androgyner Mode. Mutter einer Tochter wurde sie 1993 von dem Fotografen John Wiedemann, ihr Sohn Roberto (geboren 1992) ist adoptiert. Auch zum großen Sommerthema des Kinos gibt es übrigens einen Isabella-Aspekt: 1997 spielte sie in einer zweiteiligen TV-Adaption der Odyssee die Göttin Athene. (Bert Rebhandl, 6.8.2026)
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