Italien: Hitze schadet der Muschelzucht – nun soll dieses Tier zur Delikatesse werden
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Die aktuelle Rekordhitze setzt Italiens Muschelzucht massiv zu. Während immer mehr Miesmuscheln und Venusmuscheln in Lagunen und Küstengewässern verenden, breitet sich die invasive Blaukrabbe rund um die italienischen Küsten ungebremst aus. Ein besonderes Krisenzentrum ist dabei das Delta des längsten italienischen Flusses Po an der Adria.

Inzwischen hat sich die Blaukrabbe jedoch auch entlang weiter Teile der italienischen Küste ausgebreitet. Besonders dramatisch ist die Entwicklung in der norditalienischen Adria-Region Friaul-Julisch Venetien. Dort wurden nach Angaben von Fischerverbänden in den ersten vier Monaten des Jahres 2026 bereits so viele Blaukrabben gefangen wie im gesamten Jahr 2025. Und: Die Tiere kommen inzwischen nicht mehr nur in Lagunen vor, sondern befinden sich bis zu vier Seemeilen vor der Küste im offenen Meer.
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Po-Delta als „idealer Lebensraum“ für die Blaukrabbe
„Das Delta des Flusses Po ist der ideale Lebensraum für die Vermehrung der Blaukrabbe“, erklärt Giuseppe Castaldelli, Professor für Ökologie an der Universität Ferrara. Denn das Gebiet biete optimale Bedingungen für den Fortpflanzungszyklus der Tiere. Während die Männchen zur Häutung flussaufwärts in Süßwasser wandern, bleiben die Weibchen in der Nähe der Flussmündung und können sich dort mehrfach fortpflanzen. Nach Angaben des Wissenschaftlers markierte das Jahr 2017 den Wendepunkt der Invasion. Wurden zuvor durchschnittlich weniger als 1,5 Kilogramm Blaukrabben pro Boot und Jahr gefangen, stieg die Fangmenge bis 2023 auf 9124 Kilogramm.
Die Entwicklung sei allerdings nicht allein auf den Klimawandel zurückzuführen. Entscheidend sei vielmehr die besondere Ökologie des Po-Deltas. Meeresströmungen würden große Mengen an Nährstoffen in das Gebiet transportieren. Dadurch wachsen Phytoplankton und Muscheln besonders gut – die wichtigste Nahrungsquelle der Blaukrabbe.

Die Ausbreitung der Blaukrabbe wird in Italien zum Problem.© AFP/Getty Images | Getty Images
Nach Untersuchungen der Forscherin Anna Gavioli von der Universität Ferrara reicht das Abfischen der Tiere allein allerdings nicht aus, um die Population einzudämmen. Während erwachsene Blaukrabben vor allem vom Menschen gefangen werden, müssten natürliche Fressfeinde der Jungtiere gestärkt werden. Dazu gehörten Wolfsbarsch, Dorade, Aal, Blaufisch und Grundeln. Eine gezielte Förderung der Berufs- und Freizeitfischerei könne zudem helfen, das ökologische Gleichgewicht langfristig wiederherzustellen und die Ausbreitung der invasiven Art einzudämmen.
Jetzt soll die Blaukrabbe zur Delikatesse werden
Für die Muschelzüchter bleibt die Lage dennoch dramatisch. „Dank des Einsatzes der Fischer sowie Schutzgehegen und Netzen können wir die Produktion von Venusmuscheln in kleinem Umfang aufrechterhalten, aber wir verlieren rund 70 Prozent unserer Erträge“, sagt Vadis Paesanti, Vizepräsident der Fischergenossenschaft der Region Emilia-Romagna. Gleichzeitig wächst die Zahl der gefangenen Blaukrabben auch an der venezianischen Küste weiter. Deshalb setzt das Konsortium der Fischerkooperativen nun auf eine neue Vermarktungsstrategie: Statt die Tiere kostenintensiv zu entsorgen, sollen sie in Italien verarbeitet und unter eigener Marke verkauft werden.
Orcas, Haie und Tiere im Meer
Der Präsident des Fischerkonsortiums in der Polesine-Gegend, Paolo Mancin, kündigte die Einführung verzehrfertiger Produkte in drei Varianten an: Krabbenscheren, Filetfleisch sowie gemischtes Krabbenfleisch im Glas. Ziel ist es, aus der Massenvermehrung der Blaukrabbe eine neue Einnahmequelle zu entwickeln. Möglich scheint das: Die Blaue Krabbe gilt in Asien und in den USA längst als Delikatesse.