Peter Jehle spielte gegen Beckham, CR7 und Iniesta


Jehle kostete GC Millionen

«Dieser Fehler hat mich viel zu lange beschäftigt»

Im Ländle ist Peter Jehle eine lebende Legende. Wie der Goalie die Rückkehr des FC Vaduz in die Super League sieht. Wie es war, mit 19 Goalie bei GC zu werden. Und weshalb er Ibrahimovic hässig machte.

Publiziert: 12:02 Uhr

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Aktualisiert: 12:25 Uhr

Darum gehts

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Stefan KreisReporter Fussball

Versetzen wir uns in die Lage von Peter Jehle (44). Wie der KV-Lehrling einen Tag nach seiner LAP vom Dorfverein FC Schaan zum Schweizer Rekordmeister wechselt. Und plötzlich mit Grössen wie Richard Nuñez, Mladen Petric, Mihai Tararache, Christoph Spycher und Boris Smiljanic auf dem Rasen steht. 

Es ist das legendäre GC. Serienmeister und Mass aller Fussballdinge in der Schweiz. «Der Druck war enorm. Ein zweiter Platz in der Meisterschaft war eine schlechte Saison», erinnert sich Jehle. Weil sich Stammgoalie Stefan Huber verletzt, wird der Teenager gleich in seiner ersten Saison Meister. 

25 Jahre sind seither vergangen. Und aus den einst ruhmreichen Hoppers ist ein Abstiegskandidat geworden. Am Sonntag kommts im Rheinpark gegen Vaduz zum ersten Direktduell. Dass Jehle das Spiel live im Stadion verfolgen wird, versteht sich von selbst. Noch heute schlagen zwei Herzen in seiner Brust. 

252 Spiele hat der ehemalige GC-Goalie für den FC Vaduz absolviert und die Ländle-Kicker in der Saison 2014/15 in die Super League geführt. Schon damals gabs Stimmen, die eine Teilnahme der Liechtensteiner an der Super League kritisch sahen. Das ist auch heute noch so. «Nicht jeder findet das toll. Weil der Klub vielleicht aus wirtschaftlicher Sicht mit eher wenigen Auswärtsfans nicht attraktiv genug ist», sagt Jehle. Gleichwohl habe der Verein in den letzten Jahren bewiesen, dass er einen echten Mehrwert für die Schweizer Profiligen bieten kann. «Der FC Vaduz ist seit Jahren ein stabiler Klub, wo sich viele junge Spieler aus der Schweiz positionieren konnten und können.»

Aus GC hingegen ist ein Chaos-Verein geworden, der in den letzten beiden Jahrzehnten mehr Besitzerwechsel hinter sich hat als Titel. Kein Vergleich zu jener Zeit, als die Hoppers das Mass aller Dinge waren und an die Tür zur Champions League klopften. 

Erinnerungen an Porto-Flop

Weil Jehle im August 2001 im Quali-Rückspiel gegen Porto einen haltbaren Ball abprallen lässt, gehen den Hoppers Millionen flöten. «Oje, Jehle», titelt Blick. Für den damals 19-Jährigen ists eine happige Zeit. «Ich war damals schon ein selbstkritischer Spieler, der sehr akribisch gearbeitet hat. Drum hat mich dieser Fehler rückblickend viel zu lange beschäftigt. Es war eine extrem grosse Bühne, und der Gegentreffer hatte fatale Folgen.» Ob GC ohne diesen Fehler weitergekommen wäre, steht in den Sternen. Weil Porto ein übermächtiger Gegner war, der nur kurz darauf unter José Mourinho die Champions League gewann. 

Fünf Jahre nach seinem Fehler zahlt Jehle einen Teil der Millionen zurück, sein Wechsel zu Boavista Porto spült dem Verein einen siebenstelligen Betrag in die Kassen. Weil Jehle kurz zuvor mit dem liechtensteinischen Nationalteam gegen Portugal brilliert, wird der Traditionsklub auf den Goalie aufmerksam. «Damals war unser Nationalteam auf dem Peak. Wir haben gegen Portugal, das unter anderem mit Cristiano Ronaldo und Luis Figo spielte, ein 2:2 geholt.»

Insgesamt absolviert Jehle 132 Länderspiele für Liechtenstein. Zu den Highlights gehört unter anderem ein gehaltener Penalty gegen Zlatan Ibrahimovic. «Er war ziemlich hässig und hat mir kurz vor Schluss dann doch noch einen Treffer eingeschenkt», erinnert sich Jehle mit einem herzhaften Lachen. 

Am schmerzhaftesten aber sei Spaniens Rekordtorschütze David Villa gewesen, der gegen Liechtenstein sieben seiner 59 Länderspieltore erzielt habe. «Villa war gegen mich offenbar immer besonders motiviert. Hinter ihm haben Andres Iniesta und Xavi die Fäden gezogen, wie die beiden Herren das Mittelfeld dominiert haben, das war ganz grosse Klasse», erinnert sich Jehle. 

Erinnerungen an Robert Enke

Bei ihm zu Hause hängen Trikots von Casillas, von Buffon und von Petr Cech. Den speziellsten Platz aber hat das Leibchen von Robert Enke, dem ehemaligen deutschen Nationalspieler, der sich im November 2009 das Leben nahm. «In den kurzen Momenten vor und nach dem Spiel habe ich gespürt, was für ein besonderer Mensch er war. Drum war das damals ein riesiger Schock.»

Angesichts solch tragischer Geschichten werden Fehler wie jener im GC-Dress gegen Porto wieder relativiert. Und auch das heutige Duell zwischen Vaduz und den Hoppers im Rheinpark verkommt zur schönsten Nebensache der Welt. 

Mannschaft

SP

TD

PT

1

FC Lugano

FC Lugano

4

10

12

2

BSC Young Boys

BSC Young Boys

5

10

11

3

FC Basel

FC Basel

5

3

10

4

FC St. Gallen

FC St. Gallen

0

:

0

4

2

8

5

FC Sion

FC Sion

4

1

6

6

FC Zürich

FC Zürich

5

-5

6

7

FC Lausanne-Sport

FC Lausanne-Sport

5

-1

5

8

FC Luzern

FC Luzern

5

-4

5

9

Servette FC

Servette FC

4

-1

4

10

FC Thun

FC Thun

0

:

0

4

-6

4

11

Grasshopper Club Zürich

Grasshopper Club Zürich

0

:

0

4

-4

2

12

FC Vaduz

FC Vaduz

0

:

0

5

-5

1

Meisterschaftsrunde

Abstiegsrunde