Jetzt geht’s los: Klopp drückt beim DFB aufs Tempo


Stand: 14.08.2026, 13:33 Uhr

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Bundestrainer ist schon vor seinem ersten offiziellen Arbeitstag am DFB-Campus präsent. Gerade ist eine neue Biografie über Klopp erschienen.

ARCHIV - 24.07.2026, Hessen, Frankfurt/Main: Fußball, DFB, Nationalmannschaft, Pk zur Vorstellung des neuen Bundestrainers, Jürgen Klopp spricht bei einer Pressekonferenz. Rechts sitzt Hans-Joachim Watzke, DFB-Vizepräsident. (zu dpa: „DFB führt bei Länderspielen Stehplatztickets wieder ein“) Foto: Florian Wiegand/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Lächeln geht auch: Jürgen Klopp neben Bundesligaboss Hans-Joachim Watzke. © Florian Wiegand/dpa

Jürgen Klopp hat schon vor seinem ersten offiziellen Arbeitstag am 15. August den großen Frankfurter Campus seines neuen Arbeitgebers besucht. Es standen allerhand Absprachen an. Ende August soll eine Mitarbeitendenversammlung stattfinden, auf der die mehr als 700 DFB-Angestellten upgedatet werden. Auch an diesem Samstag wird der neue Bundestrainer ein paar Stunden vor Ort sein. Es ist keine Zeit zu verlieren. Denn schon das erste Spiel in der Nations League hat es in sich: am 24. September auswärts in Amsterdam gegen die Niederlande mit deren neuem spanischen Startrainer Xavi Hernandez.

Ohnehin gilt Klopp als Workaholic. Er will mehr sein als nur ein Bundestrainer: „Ich will sehr tief in die Strukturen rein.“ Dafür ist Präsenz bedeutend. Mitsamt Fleiß. „Er ist ein Disziplinfanatiker“, sagt sein Entdecker, der Mainzer Sportvorstand Christian Heidel, in der gerade erschienenen Klopp-Biografie „Glaube, Liebe, Klopp“ von Ex-„FAZ“-Reporter Michael Horeni. „Verantwortungs- und Pflichtgefühl“, wird Heidel dort zitiert, seien bei Klopp besonders ausgeprägt. Er habe, ergänzt Heidel, dem noch leicht zweifelnden Kollegen Aki Watzke von Borussia Dortmund seinerzeit gesagt: „Wenn du ihn so nimmst, wie er ist, bekommst du den Besten, den du bekommen kannst.“

Klopp-Berater Kosicke kommt im DFB gut an

Das kann Watzke im Rückblick auf die gemeinsamen sieben Jahre von 2008 bis 2015 bestätigen. Der BVB-Präsident ist gleichermaßen zum dicken Freund und größten „Kloppo“-Fan geworden. Ligaboss Watzke hat den Wechsel von RB Leipzig zum DFB mit der Unterstützung von Präsident Bernd Neuendorf wie verrückt angeschoben. Klopp sagt über Watzke: „Wir waren uns direkt sympathisch.“ Ganz ähnlich verhält es sich dem Vernehmen nach auch bei Neuendorf und Klopp. Der Verbandschef sagt über den Neuen: „Großartiger Motivator und jemand, der Spieler besser macht.“ Derlei Zuneigung macht eine gedeihliche Zusammenarbeit wahrscheinlicher. Zumal auch Klopps Berater Marc Kosicke, so hört man aus dem Verband, mit seiner verbindlichen Art und seinen Ideen gut ankommt.

Watzke hat bei den diversen Gesprächen mit Klopp vor dem Vertragsabschluss am 24. Juli festgestellt, dass das „nicht mehr der Jürgen aus seiner Dortmunder Zeit ist“. Bei der Pressekonferenz zu seiner Vorstellung wurde das deutlich: Klopp ist misstrauischer gegenüber den Medien geworden, weniger verbindlich, härter in Wortwahl und Ausstrahlung. Bei ihm können Blicke schon mal töten.

Red Bull-Episode wirkt bei Klopp noch nach

Auch die Episode bei Red Bull dürfte dazu beigetragen haben. Klopp war es vorher nicht gewohnt, über anderthalb Jahre hinweg öffentlich derart unverblümt kritisch angegangen zu werden – von Medien und Fans gleichermaßen, und auch intern im RB-Kosmos hat er sich nicht nur Freunde gemacht. Das alles hat ein paar Abriebspuren hinterlassen. Watzke glaubt nicht, dass die lange negativ nachwirken werden: „Ich weiß, dass Jürgen für die Bundestrainer-Position wie geschaffen ist!“

In der neuen Biografie kann man nachlesen, dass nach Klopps Abschied aus Liverpool und vor dessen Red-Bull-Tätigkeit Angebote en masse hereingeschneit sind: Real Madrid, Chelsea, Manchester United, Nationaltrainer der USA und von England. Klopp habe ihm bedeutet, alles abzulehnen, erzählt sein Berater Marc Kosicke, „Jürgen sagte: ,Marc, ich kann keine andere Nation trainieren, bevor ich nicht Deutschland trainiert habe.´“

Schon Grindel schielte auf Vertrag mit Klopp

Auch der DFB hatte lange auf Klopp geschielt, bereits unter Präsident Reinhard Grindel (2016 bis 2019) war das so. Insoweit dürften da gerade zwei große Puzzlestücke sich zusammenfügen. Klopp, Ende Juni 59 geworden, hat bei seiner Eröffnungs-PK klargemacht, dass er sich nun „am beruflichen Höhepunkt meines Lebens“ wähnt, dass danach nichts mehr kommt im Job.

Für Michael Horenis dennoch gelungenes Buch stand Klopp als Gesprächspartner übrigens nicht zur Verfügung, „weil er“, so der Autor, „sich grundsätzlich nicht in Biografien über sich selbst äußern will.“ Es gibt ja auch noch ein Kapitel zu erzählen.

ARCHIV - 24.07.2026, Hessen, Frankfurt/Main: Fußball, DFB, Nationalmannschaft, Pk zur Vorstellung des neuen Bundestrainers, Jürgen Klopp sitzt bei einer Pressekonferenz auf dem Podium. (zu dpa: „Sport im TV: Neue Empfindlichkeit oder berechtigte Kritik?“) Foto: Florian Wiegand/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Der Blick kann auch mal stechend werden: Jürgen Klopp bei seiner Vorstellung als Bundestrainer. © Florian Wiegand/dpa