Jordan Bardella als Chef des Rassemblement National wiedergewählt
Sollte Marine Le Pen, die mächtige Führungsfigur des Rassemblement National, im Frühjahr wegen ihrer Veruntreuungsaffäre wider Erwarten doch nicht zur Präsidentschaftswahl in Frankreich antreten, wäre Jordan Bardella ihr natürlicher Nachfolger: Zurzeit liegt Le Pen in den Umfragen vor allen anderen Kandidaten, ihr Schützling und politischer Ziehsohn Bardella wurde am Samstag beim Parteitag der rechtsnationalen Partei in Orléans als Vorsitzender wiedergewählt.
Laut französischen Medien bekam Bardella rund 99 Prozent der Stimmen, bei einer Wahlbeteiligung von nahezu 68 Prozent. Das Ergebnis ist allerdings keine Überraschung: Der 31-Jährige war der einzige Kandidat für den Posten, den er bereits seit 2022 innehat.
Nach der Wahl des RN-Vorsitzes soll am Sonntag eine große Wahlkampfveranstaltung von Marine Le Pen stattfinden. Die RN-Fraktionsvorsitzende und frühere Parteichefin tritt als Präsidentschaftskandidatin an, allerdings könnte sie dabei noch von ihrer im Juli bestätigten Verurteilung wegen Veruntreuung von EU-Geldern eingeholt werden, gegen die sie Revision eingelegt hat. Der 58-Jährigen könnte dann mitten im Wahlkampf das Tragen einer Fußfessel drohen, sollte das Gericht gegen ihren Antrag entscheiden. Das könnte ein Nachteil für sie sein – oder sogar hilfreich .
Bardella rief die Partei in seiner Parteitagsrede zur »Einheit« auf, sie werde den Rassemblement National zum »Sieg« führen. Er warb für die Unterstützung der Parteimitglieder, »um Marine Le Pen in den Élysée-Palast zu bringen«.
Le Pen hat versprochen, Bardella zum Premierminister zu machen, sollte sie die Präsidentschaftswahl gewinnen. Bardella hatte 2021 zunächst übergangsweise die Führung des Rassemblement National übernommen, weil Marine Le Pen sich auf die Präsidentschaftswahl 2022 konzentrieren wollte. 2022 wurde er dann offiziell zum Parteivorsitzenden gewählt. Zuletzt geriet er durch Medienberichte über antisemitische Textnachrichten, die er vor mehr als zehn Jahren geschrieben haben soll, unter Druck.