JVA Bremen: 767 Häftlinge auf zu wenig Plätzen – Senatorin sieht keine Besserung


Stand: 20.08.2026, 06:40 Uhr

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Völlig überbelegt: die Justizvollzugsanstalt Bremen.

Völlig überbelegt: die Justizvollzugsanstalt Bremen. © JUSTIZRESSORT

Die Bremer Justizvollzugsanstalt war am 1. Juli mit 767 Inhaftierten deutlich überbelegt. Allein bei der Untersuchungshaft stehen 185 Häftlinge nur 100 regulären Plätzen gegenüber.

Bremen – Die Justizvollzugsanstalt Bremen ist weiter überbelegt, und mit einer Entspannung der Lage ist nach Einschätzung von Justizsenatorin Claudia Schilling (SPD) auf absehbare Zeit nicht zu rechnen. Die Senatorin hatte für den am Mittwoch tagenden Rechtsausschuss die aktuellen Zahlen zusammengefasst. Dem Papier zufolge war die Bremer JVA zum Stichtag 1. Juli 2026 zu stark ausgelastet: Insgesamt 767 Menschen waren dort inhaftiert – 472 Männer und 23 Frauen im geschlossenen Strafvollzug, 91 Männer und sieben Frauen im offenen Vollzug sowie 168 Männer und sechs Frauen in Untersuchungshaft. Im Mai sprach die Senatorin noch von 740 Inhaftierten.

185 Häftlinge in regulären 100 Zellen

Für Bremen zeichnet der Bericht eine seit Jahren angespannte Entwicklung nach. Bereits 2023/2024 war der geschlossene Vollzug, insbesondere der geschlossene Männervollzug, mit knapp 96 Prozent stark ausgelastet. Im Jahr 2023 befanden sich durchschnittlich 652 Gefangene in Straf- und Untersuchungshaft, wobei die Zahlen im Jahresverlauf leicht anstiegen. Seit 2024 ist laut Senatorin Schilling vorwiegend ein deutlicher Anstieg der Untersuchungshaft zu verzeichnen: Durchschnittlich 185 Häftlinge stehen lediglich 100 regulären U-Haft-Plätzen gegenüber, die inzwischen nach Angaben der Justizbehörde auf Nachfrage der Mediengruppe Kreiszeitung allerdings in andere Bereiche im Gebäudebestand erweitert worden sind.

Die Belegung in Bremen wird nach Angaben des Justizressorts maßgeblich vom Anstieg der Untersuchungshaftzahlen geprägt. Während 2013 im Durchschnitt noch 80 Personen in U-Haft saßen, waren es elf Jahre später 177. Als ein Grund werden die Vielzahl an Inhaftierungen und langen Verfahrensdauern in komplexen Verfahren genannt. Der Anteil von Frauen in Straf- und Untersuchungshaft bleibt dem Bericht zufolge hingegen konstant niedrig. Rückläufig sei lediglich die Zahl der vollstreckten Ersatzfreiheitsstrafen, die in Bremen bis zum 3. Mai sogar ausgesetzt worden waren.

Keine Trendumkehr zu erwarten

Die jüngsten Entwicklungen und die Erkenntnisse seit der letzten Berichterstattung aus dem Jahr 2025 lassen erwarten, dass der Justizvollzug in Bremen weiterhin mit einer hohen bis sehr hohen Auslastung rechnen muss, hieß es. Aktuell werde für die kurz- bis mittelfristige Belegung keine Trendumkehr erwartet. „Der Justizvollzug ist aktuell mit seiner Aufgabenwahrnehmung extrem ausgelastet, ohne dass damit ein Kontrollverlust oder auch nur eine Verringerung an Kontrolle einhergeht“, heißt es in der Vorlage. Die tagesaktuelle und zugleich vorausschauende Kapazitätsplanung der JVA Bremen sei deshalb „gegenwärtig essenziell“.

Um den Belegungsdruck zu begrenzen, zieht Schilling weiter in Erwägung, erneut die Ersatzfreiheitsstrafen auszusetzen. Denkbar seien zudem die kostenintensive Verlegung Bremer Gefangener in andere Bundesländer sowie – nicht zuletzt – eine deliktsspezifische Entkriminalisierung der Ersatzfreiheitsstrafen, heißt es.