Schwesig gegen Merz: Nicht die einzige Front gegen den Kanzler


Kanzler unter Druck: Wer gerade gegen Friedrich Merz spielt

Stand: 09.10.2026, 22:35 Uhr

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Ein Streit im Kanzleramt, ein Vizekanzler in einer Heidelberger Gaststätte und ein Post aus dem Weißen Haus machen dem Bundeskanzler das Leben schwer.

Berlin – Es sind keine guten Wochen für Friedrich Merz. Der Bundeskanzler kämpft an mehreren Fronten gleichzeitig – gegen schlechte Umfragewerte, stockende Reformen und eine wachsende Zahl von Menschen, die ihm das Leben schwer machen. Manche davon sitzen in der eigenen Partei, manche beim Koalitionspartner, einer im Weißen Haus.

Der jüngste Eklat trug sich Ende September 2026 im Kanzleramt zu. Merz nahm Manuela Schwesig zur Seite – die SPD-Ministerpräsidentin hatte gerade die Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern mit 35,5 Prozent knapp hinter der AfD (38,2 Prozent) abgeschlossen. Merz warf ihr vor, ihren Wahlkampf nicht gegen die Rechtsextremen, sondern gegen ihn persönlich geführt zu haben.

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) nimmt am „Regionalen Wachstumsforum“ beim bilateralen Treffen im Kanzleramt. (zu dpa: „Merz «zutiefst empört“ über Schröder bei Putin»)

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU). © Michael Kappeler/dpa

„Sie haben die demokratische Mitte zerstört“, soll er ihr gesagt haben – so berichtet der Spiegel unter Berufung auf Teilnehmer des Treffens, bestätigt durch die Welt. Schwesig drehte sich um und ließ ihn stehen. „Das ist kein sachlicher Umgang miteinander. Das lasse ich mir nicht bieten, weder als Ministerpräsidentin noch als Frau“, sagte sie danach.

Merz soll noch tagelang darüber aufgebracht gewesen sein. Als das Kabinett zehn Tage nach der Wahl den Entwurf zur Pflegereform verabschiedete, legte Schwesig nach: „Das heutige Ergebnis zur Pflege ist leider keine Reform. Herr Merz hat nichts aus den Wahlen gelernt“. Dabei ist Schwesig längst nicht die einzige Baustelle des Kanzlers.

Merz unter Druck: Koalitionspartner und eigene Partei spielen gegen ihn

Auch Koalitionspartner Lars Klingbeil sorgte für Verdruss. Bei den entscheidenden Pflegeverhandlungen in Berlin fehlte der SPD-Chef und Vizekanzler zunächst – er war am Montagabend, dem 28. September 2026, im Heidelberger Restaurant „Pop“ bei einem Bürgergespräch. Erst als Merz seinen Unmut signalisierte, schaltete Klingbeil sich per Video zu den laufenden Verhandlungen im Kanzleramt zu, berichten der Stern und die Rhein-Neckar-Zeitung.

Besonders schmerzhaft dürfte für Merz der Blick Richtung Düsseldorf sein. Hendrik Wüst positioniert sich seit Wochen als modernerer, liberalerer Gegenentwurf zum Kanzler – und wird in der CDU offen als möglicher Nachfolger gehandelt. Im ZDF stellte Wüst klar: „Ich möchte Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen bleiben.“ Ein klares Dementi klingt anders.

Und dann ist da noch Donald Trump. Nach dem Sieg der AfD bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt schrieb der US-Präsident auf seiner Plattform Truth Social: „Wow, die populistische Partei in Deutschland hatte eine wirklich große Nacht.“ Er nannte die AfD nicht ausdrücklich beim Namen, ergänzte aber das Kürzel „MGGA“ – angelehnt an seinen Slogan „Make America Great Again“, gemeint als „Make Germany Great Again“ (zu Deutsch: Macht Deutschland wieder großartig).

Merz verschob daraufhin ein geplantes Telefonat mit dem Weißen Haus. Regierungssprecher Stefan Kornelius ließ ausrichten, der Kanzler habe schon früher klargemacht, dass Kommentierungen der deutschen Innenpolitik „besonders zu Wahlen“ für ihn „nicht in Frage kommen“, berichtet die Tagesschau. (Quellen: Stern, Welt, Merkur, ZDF, tz, Tagesschau, Rhein-Neckar-Zeitung) (cgsc)