Karner: Mehr „gefängnisähnliche“ Quartiere für Jugendliche


Online seit heute, 13.17 Uhr

Innenminister Gerhard Karner (ÖVP) befürwortet den österreichweiten Ausbau von „gefängnisähnlichen Unterbringungen“ für noch nicht strafmündige Intensivtäter. Das bekräftigte er heute auf einer Pressekonferenz in Wien.

Er sei dankbar für die „Auszeit-WG“, in welcher in der Zweimillionenstadt Wien derzeit ein Kind untergebracht ist und der Einzug eines zweiten Kindes vorbereitet wird. Die Erfahrungen damit sollen in die Entwicklung ähnlicher Modelle in anderen Städten für unter 14-jährige Täter und Täterinnen einfließen. „Es ist notwendig, dass auch Kinder eine gewisse Zeit weggesperrt werden können“, sagte Karner.

Kriminalität „wird immer jünger“

Grundsätzlich „gehört die Jugendkriminalität zu unseren Sorgenkindern“, verwies Karner auf Zahlen aus der jüngsten Kriminalstatistik. Die Kriminalität werde „immer jünger und digitaler“. Polizeiliche Schwerpunktaktionen allein würden aber nicht ausreichen, es bedürfe eines „umfangreichen Maßnahmenpakets“.

Unter anderem sollen sicherheitspolitische Fallkonferenzen „für Elfjährige, Zwölfjährige, 13-Jährige“ gemeinsam mit Sozialarbeiterinnen und -arbeitern eingeführt werden, so Karner.

50 bis 60 unmündige Intensivtäter in Wien

Die Zahl der unter 18-jährigen Tatverdächtigen stieg laut Innenministerium in den letzten fünf Jahren um 32 Prozent. Als besondere Problemgruppe gelten syrische Buben im Alter zwischen zehn und 14 Jahren. 2021 waren es 318, im Vorjahr 1.528 Tatverdächtige.

Eine Auswertung der Landespolizeidirektion Wien zeigt laut Innenministerium, dass nicht nur die Anzahl der Anzeigen steigt, sondern auch die Zahl der zur Anzeige gebrachten Jugendlichen. Die Zahl der unmündigen Intensivtäter belaufe sich in Wien auf derzeit 50 bis 60.

„Gefährderüberwachung“ in Einzelfällen

Auch im islamistisch-extremistischen Bereich würden die Täter immer jünger werden. Laut der Leiterin der Direktion Staatsschutz und Nachrichtendienst (DSN), Sylvia Mayer, waren im Vorjahr in Europa mehr als 40 Prozent der Tatverdächtigen im extremistischen Bereich unter 18 Jahre alt.

Karner und Staatsschutz-Staatssekretär Jörg Leichtfried (SPÖ) bekräftigten einmal mehr, dass hier eine „Gefährderüberwachung bei sehr, sehr gefährlichen Einzelfällen“ geplant sei.