Katastrophenschutz auf Sachsen-Anhalts Autobahnen: Hier sorgt eine Großübung für Einschränkungen


Der Katastrophenschutz in Sachsen-Anhalt hat am Samstagmorgen eine Großübung gestartet. In Blankenburg im Landkreis Harz setzte sich ein Konvoi in Bewegung, der quer durchs Land fahren soll. Nach Informationen des MDR Sachsen-Anhalts sind an der Übung rund 140 Einsatzkräfte beteiligt. Getestet wird, wie schnell sich eine größere Zahl an Helfern im Katastrophenfall an einen anderen Ort verlegen lässt. Wer am Samstag auf der A14 oder A36 unterwegs ist, sollte bis 17 Uhr zusätzliche Fahrzeit einkalkulieren. Der Fahrzeugverband ist über weite Strecken auf beiden Autobahnen unterwegs.

Welches Szenario wird geübt?

Laut dem Organisator Sebastian Petrusch geht das Übungsszenario davon aus, dass es in Berlin und Südbrandenburg mehrere Explosionen gegeben habe und die Einsatzkräfte vor Ort an ihre Grenzen kämen. Geprüft werde nun, wie schnell Unterstützung aus Sachsen-Anhalt am Einsatzort sein könnte, so Petrusch nach Angaben des MDR Sachsen-Anhalt. Es handelt sich also nicht um einen realen Notfall, sondern um eine geplante Verlegeübung. Der Landkreis Harz spricht von der ersten Übung dieser Art für die beteiligte Einheit.

Zehn Einsatzfahrzeuge aus dem Landkreis Harz nahmen nach Angaben der Kreisverwaltung zunächst die A36 in Richtung Könnern. In Könnern bündelt sich der gesamte Verband und rollt anschließend auf der A14 bis Schönebeck. Von dort führt die Strecke über Gommern und Zerbst bis nach Wittenberg. Der Sender radio SAW nennt zusätzlich Roßlau als Zwischenstation. Unterwegs ist der Konvoi mit einer Marschgeschwindigkeit von 60 Stundenkilometern, wie der Landkreis Harz mitteilte. Zwischen 7 und 17 Uhr kann es deshalb auf beiden Autobahnen zu Behinderungen kommen. Der MDR berichtet von etwa 140 Einsatzkräften. Der Landkreis Harz nennt in seiner Vorab-Mitteilung die genaue Zahl von 138 Kräften und 27 Fahrzeugen.

Der Unterschied erklärt sich durch die bundesweit einheitliche Struktur der Einheit: Eine Medizinische Task Force besteht regulär aus exakt 138 Helfern und 27 Fahrzeugen. Beteiligt sind Kräfte aus vier Landkreisen: dem Harz, Mansfeld-Südharz, dem Saalekreis und dem Salzlandkreis. Getestet werden soll laut radio SAW auch, ob Führung und Kommunikation über große Entfernungen stabil bleiben.

Was ist die Medizinische Task Force 21?

Bei der übenden Einheit handelt es sich nach Angaben des Landkreises Harz um die Medizinische Task Force 21 (MTF 21) aus dem Harz. Die Medizinische Task Force ist laut Deutschem Rotem Kreuz eine spezialisierte, arztbesetzte Einheit für den Zivil- und Katastrophenschutz. Sie kommt bei Großschadenslagen mit vielen Verletzten zum Einsatz.

Eine solche Einheit gliedert sich in fünf Teileinheiten: Führungsgruppe, Dekontaminationszug für Verletzte, Behandlungsbereitschaft, Patiententransportgruppe und Logistikzug. Für den überregionalen Einsatz wird die MTF 21 auch materiell aufgerüstet: Ende Mai 2026 erhielt der DRK-Kreisverband Quedlinburg/Halberstadt nach eigenen Angaben einen vom Bund bereitgestellten Notfall-Krankentransportwagen für den Zivilschutz, der in Osterwieck stationiert ist.

Warum Sachsen-Anhalt die Verlegefähigkeit übt

Sachsen-Anhalt sind insgesamt drei Medizinische Task Forces zugewiesen: die MTF 20 in der Altmark, die MTF 21 im Harz und die MTF 22 im Raum Anhalt/Wittenberg. Bundesweit gibt es davon 61. Die Schwestereinheit MTF 20 hatte laut der Stadt Magdeburg bereits am 18. Juli 2026 eine Vollübung auf dem Truppenübungsplatz Altmark bei Schnöggersburg absolviert – nach Darstellung der Stadt die erste gemeinsame Übung dieser Kräfte in bis dahin nicht gekannter Größenordnung.

Warum überörtliche Hilfe wichtig sein kann, zeigte zuletzt ein realer Einsatz: Beim Hochwasser an der Helme und der Talsperre Kelbra Anfang 2024 koordinierte das Landesverwaltungsamt nach eigenen Angaben mehr als 2.000 Einsatzkräfte aus anderen Landesteilen. Einen ausdrücklichen Zusammenhang zwischen diesem Einsatz und dieser Übung stellen die Behörden allerdings nicht her.

Für Autofahrer bleibt die laufende Katastrophenschutz-Übung in Sachsen-Anhalt vor allem eine Geduldsfrage bis 17 Uhr. Für den Bevölkerungsschutz ist die Verlegeübung ein Test, ob Kräfte aus vier Landkreisen im Ernstfall schnell und koordiniert an einen entfernten Einsatzort gelangen.

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