Kein Abrissantrag, kein Baubeginn: Hotel-Projekt in Kassel stockt – Wirt atmet auf
Stand: 22.09.2026, 14:00 Uhr
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Der Baustart für einen großen Hotelkomplex in Kassel fällt frühestens 2028. Die documenta 2027 als Ziel ist längst unrealistisch geworden.
Kassel – Eigentlich hätten zur documenta im nächsten Sommer am Brüder-Grimm-Platz in Kassel die Gäste im erweiterten und grundsanierten Hotel Hessenland empfangen werden sollen. Doch die Umbaupläne für das in die Jahre gekommene und denkmalgeschützte Hotel verzögern sich weiter. Davon profitieren die Betreiber des Restaurants Eckstein an der Rathaus-Kreuzung, das für den Umbau des Häuser-Karrees abgerissen werden soll. Voraussichtlich bis Ende 2027 wird dies aber nicht passieren, sodass das Gasthaus weiterhin am Standort bleiben kann.
„Wir sind froh, dass wir trotz der Abrissankündigung einfach weitergemacht haben“, sagt Eckstein-Pächter Miroslav Nikolic. Er ist von dem Standort, an dem das Restaurant seit 1994 beheimatet ist, überzeugt. „Wir verbuchen gegen den Trend in der Branche einen Umsatzanstieg“, so Nikolic, der beim Betrieb von seinem Sohn Stojan unterstützt wird. Erst zuletzt hat der Pächter in das Inventar investiert, weil eine kurzfristige Standortverlagerung aktuell nicht zur Debatte steht. Mit dem Eigentümer gebe es ein vertrauensvolles Verhältnis, sodass dieser ihn mehrere Monate im Voraus über einen Abriss informieren werde, sobald das Bauprojekt konkret werde.
Umbau des Hotel Hessenland verzögert sich erneut – Restaurant Eckstein kann wohl auch 2027 bleiben
Dies wird auch von der Eigentümerin, der Coco Real GmbH mit Sitz im bayerischen Sonthofen, bestätigt. Abrissanträge seien bislang nicht gestellt worden. Dabei hatten der Investor und das beauftragte Architekturbüro Sprengwerk bereits vor vier Jahren ihre Pläne für das Innenstadtareal vorgestellt. Danach sollte das Hotel von bislang 48 auf bis zu 160 Zimmer wachsen und kommendes Jahr eröffnen. Doch der Umbau kam seitdem nicht in Gang. Die Planungen erwiesen sich als komplexer als zunächst gedacht.
Viel Diskussionsbedarf habe es zur Art der geplanten Bebauung an der Fünffensterstraße und der Einbindung des denkmalgeschützten Hotelgebäudes in das Neubauumfeld gegeben, sagt Matthias Tunnemann vom Kasseler Büro Sprengwerk. So sollte ursprünglich ein Hochhaus am Standort des Ecksteins entstehen – mittlerweile soll es nur noch eine „mehrgeschossige Bebauung“ werden. In der Dezember- oder Januarsitzung werden die Stadtverordneten voraussichtlich den Bebauungsplan beschließen. „Dann herrscht Bau- und Planungsrecht für den Häuserblock“, so Tunnemann. Erst anschließend starteten die detaillierten Planungen für das Vorhaben und die Suche nach Hotelbetreibern.

In Absprache mit dem Bauamt und einem Brandschutzsachverständigen bemühen sich Investor und Architekten derzeit darum, dass das 1951 erbaute Hotel – dessen Betrieb durch den Anbieter Stay Awesome wegen Brandschutzauflagen aktuell nur geduldet ist – auch über die documenta Gäste empfangen kann. „Der Eigentümer hat zuletzt 750.000 Euro in den Brandschutz investiert und wir schauen, was noch getan werden muss, um den Betrieb einmalig verlängert zu bekommen“, sagt Tunnemann. Das Hugenottenhaus an der Friedrichsstraße ist ebenfalls Teil des Häuserkarrees, gehört aber dem Kasseler Udo Wendland. Auch dieser historische Bau soll im Zuge des Umbaus denkmalgerecht saniert werden.
Während Coco Real versichert, dass man an einer „langfristigen Entwicklung“ festhalte, wartet Gastronom Nikolic das Geschehen entspannt ab: „Wir werden vorbereitet sein, sollten wir eines Tages ausziehen müssen.“ Er habe aber nur an 1A-Lagen in der Innenstadt Interesse, die auch Platz für eine bislang nicht mögliche Außenbewirtschaftung bieten sollten. Bis dahin freut er sich erst mal auf das documenta-Geschäft und den Umbau des Brüder-Grimm-Platzes, von dem er sich weitere Laufkundschaft verspricht.