„So schlimm war‘s noch nie“: Der Hackensee verdurstet – Biber unter Verdacht


Stand: 28.08.2026, 09:33 Uhr

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Steg über Schlamm: Josef Bacher (l.) und Erdal Karli vor dem Ostteil des Hackensees, der im Sommer vertrocknet ist.

Steg über Schlamm: Josef Bacher (l.) und Erdal Karli vor dem Ostteil des Hackensees, der im Sommer vertrocknet ist. © Thomas Plettenberg

Wochenlange Hitze, der einzige Zulauf versiegt: Der Hackensee bei Kleinhartpenning trocknet aus. Im östlichen Teil an der Fischerhütte blieb vom idyllischen Waldweiher nur eine Schlammwüste.

Kleinhartpenning – Josef Bacher (67) schaut hinab aufs Elend. Der Hackensee ist im Auslaufbereich trockengefallen. Die abdichtende Schlammschicht ist aufgeplatzt, der Regen der vergangenen Tage hat den einstigen Weiherboden in Morast verwandelt. Am Auslaufwehr sind zwei fischlose Tümpel geblieben, Muschelkolonien liegen frei. Die zwei „schwimmenden“ Schilfinseln vor der Fischerhütte, eine geologische Besonderheit, haben sich längst festgefahren. „So schlimm war‘s noch nie“, sagt Bacher.

Hackensee verdurstet: Mittlerweile fehlt ungefähr ein Meter

Der Kleinhartpenninger ist Vorsitzender der Kirchseebach-Anrainer – jener Bach, der vom Kirchsee (Gemeinde Sachsenkam) sechs Kilometer durch Moore und Wälder mäandert und den Hackensee speist. Oder besser: speisen sollte. Bis vor wenigen Tagen, als die ersten Regenfälle eine wochenlange Hitzeperiode beendeten, „war das Bachbett bis Pelletsmühle trocken“, sagt Erdal Karli.

Auch Karli wohnt in Kleinhartpenning; ihm gehört ein kleiner Fischteich an der „Hacken“, einem Weihersystem kurz vor dem Hackensee, das auch am Tropf des Kirchseebachs hängt und unter Wassermangel leidet. Im Hackensee, schätzt Karli, fehlt mittlerweile ein Meter. Bei einem Gewässer, das an der tiefsten Stelle nur vier Meter misst, eine traurige Diagnose. Der Hackensee, ein neun Hektar großes Relikt der Eiszeit, er verdurstet.

Alarmiert ist nicht nur der Angelclub Hartpenning, der das Gewässer seit 2025 von dem Besitzer, einer Familie aus dem Starnberger Raum, gepachtet hat. „Der Hackensee ist Teil unserer Heimat“, betonen Bacher und Karli. Als Waldbesitzer pflegen sie die Wege, die auch Naherholer gerne nutzen. Im See wird geschwommen, im Winter Eishockey gespielt und Eisstock geschossen.

„Hier droht etwas sehr Wertvolles kaputtzugehen“, warnt Karli. Seit acht Jahren etwa, so seine Beobachtung, komme immer weniger Wasser an und setze das Ökosystem rund um den Hackensee unter Trockenstress. Der Auslauf gebe kaum noch Nässe ab; in der Folge sei der Teufelsgraben so vertrocknet, dass es dort keine Frösche und Molche mehr gibt.

Sperre am Kirchsee hält Wasser zurück

Dass der Kirchseebach nichts mehr bringt, ist für Karli „kein zufälliges Naturphänomen“. Eine Ursache wittert er am Auslauf des Kirchsees, der 2008 nach seinen Angaben freigeräumt worden war. Als dadurch mehr Wasser aus dem See floss und das umliegende Moor bedroht schien, sei der Ablauf durch „massive Baumstämme“ wieder erhöht worden; diese Schwelle habe dem Kirchseebach Wasser gekostet, „und zwar weit über das ursprüngliche Maß hinaus“. Eine Verlagerung der Holzschwellen im Bachlauf vor den Zufluss des wasserreichen Mühlbachs aus Sachsenkam „könnte eine Kompromisslösung sein“, glaubt Karli. Denkbar sei auch ein regulierbares Wehr.

Verschärft habe die Wassernot am Hackensee ein tierischer Akteur, betont Karli: Biber haben den Kirchseebach entdeckt; ihre Dämme stauen das ohnehin wenige Wasser, das dann in die Wiesen drücke. Zudem graben die emsigen Nager Breschen in die Bachufer. „Lange hat das Wasser trotz fehlender Niederschläge und der Kirchsee-Sperre gerade noch gereicht“, sagt Karli, „der Biber würgt jetzt aber auch den Rest ab.“ Den Letzten beißen immer die Hunde, seufzt Bacher, „und das ist leider der Hackensee“.

Biberdämme blockieren Bach

Allerdings: Biber sind streng geschützt, ebenso ihre Bauten, obwohl die Tiere wieder flächendeckend in Bayern zu finden sind. Für Karli ist der Schutzstatus nicht mehr zeitgemäß, was sich am Hackensee zeige, wo eine Kulturlandschaft und ein Ökosystem bedroht seien: „Für drei Biber nimmt man die Zerstörung von sechs Kilometern Bach in Kauf.“

Michael Vermeulen, Biberberater am Landratsamt, sieht den Biber nicht als Schuldigen für die Wassernot im Hackensee. „Die Hitze und die Dürre trocknen den Bach aus, nicht der Biber.“ Er kenne das Gebiet, es gab bereits Ortstermine. Derzeit seien alle Biber abgewandert – auf der Suche nach Wasser. „Wenn ein Damm da ist, kann man den nach Rücksprache auch öffnen.“

Das sei ihm einmal gestattet worden, sagt Karli. „Am nächsten Tag war der Damm repariert.“ Er fordert, den Biber bejagen zu dürfen. „Rehe schießen wir auch, weil wir unseren Wald schützen wollen.“ Karli will noch im Herbst einen landkreisübergreifenden Ortstermin mit Politikern und zuständigen Fachbehörden organisieren. „Nur wenn die Fachbehörden das gesamte Gewässersystem als Einheit betrachten und mutig handeln, kann das Sterben des Kirchseebachs gestoppt werden.“

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