Kendall Jenner machte es vor: Das steckt hinter dem gefährlichen Beauty-Trend „Accutane Glow“


Stand: 06.10.2026, 14:10 Uhr

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Kendall Jenner machte es vor: Das steckt hinter dem gefährlichen Beauty-Trend "Accutane Glow" - Auch Modell Kendall Jenner hat Accutane als Glow-up ausprobiert.

Kendall Jenner machte es vor: Das steckt hinter dem gefährlichen Beauty-Trend "Accutane Glow" - Auch Modell Kendall Jenner hat Accutane als Glow-up ausprobiert. © 2026 Getty Images/Dimitrios Kambouris

Kendall Jenner sorgte Anfang 2026 für Aufsehen, als sie in einem Podcast von den positiven Effekten ihrer Accutane-Einnahme berichtete. Das befeuerte den „Accutane-Glow-up-Trend“ in den sozialen Medien zusätzlich. Doch die Nebenwirkungen des Wirkstoffs werden oft unterschätzt.

Reine Haut, weniger sichtbare Poren, ein ebenmäßiger Teint und angeblich sogar eine schmalere Nase: Auf TikTok und in anderen sozialen Netzwerken wird Isotretinoin derzeit als Beauty-Geheimtipp gefeiert. Das Problem: Hinter dem vermeintlichen Glow-up steckt kein harmloses Beauty-Produkt, sondern ein stark wirksames verschreibungspflichtiges Medikament gegen schwere Akne.

Unter Hashtags wie #AccutaneGlowUp, #AccutaneJourney oder #isotretinoin teilen Nutzerinnen und Nutzer ihre Vorher-Nachher-Bilder und dokumentieren ihre Behandlung. Die Entwicklung ist nicht ganz neu: Schon vor einigen Jahren zeigte sich auf TikTok eine große Community rund um Isotretinoin. Eine Analyse der 50 meistbeachteten Videos eines damaligen Trends kam bereits auf mehr als 18 Millionen Likes und 137.000 Kommentare.

Vom Akne-Medikament zum Beauty-Hype

2026 erlebt der Hype nun eine neue Welle. Dabei wird Isotretinoin zunehmend nicht nur als Maßnahme gegen Akne, sondern als Mittel für einen vermeintlich besonders glatten, reinen „Glow“-Teint dargestellt. Die Deutsche Dermatologische Gesellschaft warnt ausdrücklich davor, das Medikament zur bloßen Verschönerung einzusetzen.

Auch Prominente haben dazu beigetragen, Isotretinoin ins Beauty-Gespräch zu bringen. In einem Podcast berichtete Model Kendall Jenner Anfang Januar von ihren Erfahrungen mit Accutane. Sie schilderte ihre eigene Aknebehandlung und erklärte unter anderem, dass ihre Nase danach schmaler ausgesehen habe. Damit wollte Jenner auch Spekualtionen über eine Nasen-OP zurückweisen. Auf Social Media entwickelte sich daraus die Vorstellung, Isotretinoin könne die Nase gewissermaßen „schrumpfen“ lassen - ein Trend, der inzwischen sogar unter Begriffen wie „Accutane nose job“ kursiert. In Deutschland gibt es das Mittel unter anderen Namen (z. B. Roaccutan, Aknenormin) und als Generika.

Wissenschaftlich lässt sich daraus allerdings kein kosmetischer Effekt ableiten. Eine aktuelle systematische Untersuchung des Social-Media-Trends kommt zu dem Schluss, dass die vermeintliche „Accutane-Rhinoplastik“ wissenschaftlich nicht als nichtoperative Methode zur Nasenverkleinerung etabliert ist.

Was bewirkt Isotretinoin tatsächlich?

Isotretinoin gehört zu den Retinoiden und ist ein Abkömmling von Vitamin A. Es wird vor allem bei schwerer Akne beziehungsweise Akne eingesetzt, die auf andere Therapien nicht ausreichend anspricht. Der Wirkstoff greift gleich an mehreren entscheidenden Stellen der Akneentstehung an.

Er verkleinert und beruhigt die Talgdrüsen und reduziert dadurch die Talgproduktion. Gleichzeitig wirkt er Entzündungen entgegen und kann die Neigung zu verstopften Poren verringern. Genau deshalb kann sich das Hautbild während einer erfolgreichen Therapie dramatisch verändern: Die Haut wird weniger fettig, Entzündungen gehen zurück und Akne kann langfristig deutlich reduziert werden.

Der viel beschworene „Glow“ ist deshalb nicht völlig aus der Luft gegriffen - er ist aber in erster Linie die Folge der Behandlung einer Hauterkrankung und kein eigentlicher Beauty-Effekt des Medikaments.

Was Isotretinoin nicht kann

So verlockend die Vorher-Nachher-Bilder auf TikTok wirken: Aus ihnen lässt sich nicht ableiten, dass Isotretinoin ein universelles Mittel für einen perfekten Teint wäre.

Denn Isotretinoin ist kein klassisches Anti-Aging-Mittel, kein Poren-Verkleinerer für gesunde Haut und keine Methode zur Gesichtsmodellierung. Vor allem für die häufig in sozialen Netzwerken behauptete Veränderung der Nasenform gibt es keine ausreichende wissenschaftliche Grundlage. Auch wer lediglich gelegentlich Pickel, etwas öligere Haut oder einen unebenmäßigen Teint hat, sollte daraus nicht den Schluss ziehen, eine Isotretinoin-Therapie sei die nächste sinnvolle Beauty-Behandlung. Das Medikament ist für bestimmte medizinische Indikationen gedacht - nicht für den Wunsch nach einem möglichst makellosen Instagram-Teint.

Warum der Beauty-Trend problematisch ist

Genau hier liegt der entscheidende Unterschied zwischen einem viralen Beauty-Hack und einer medizinischen Behandlung: Isotretinoin ist kein Wirkstoff, den man auf eigene Faust ausprobieren sollte.

Das Medikament kann erhebliche Nebenwirkungen haben. Es kann etwa zu trockenen Lippen und trockener Haut kommen. Darüber hinaus können erhöhte Leber- und Blutfettwerte oder Gelenk- und Muskelbeschwerden auftreten, weshalb eine Behandlung in der Regel ärztlich begleitet werden muss. Auch Schwangere sollten die Finger von dem Wirkstoff lassen: Isotretinoin kann schwere Fehlbildungen beim ungeborenen Kind verursachen und darf während einer Schwangerschaft nicht eingenommen werden. Für Patientinnen im gebärfähigen Alter gelten deshalb besondere Maßnahmen zur Schwangerschaftsverhütung und -kontrolle.

Auch psychische Nebenwirkungen sind offenbar möglich. Für Depressionen, Angstzustände und andere neuropsychiatrische Beschwerden gibt es Warnhinweise. Ein eindeutiger ursächlicher Zusammenhang zwischen Isotretinoin und diesen Erkrankungen konnte allerdings nicht zweifelsfrei nachgewiesen werden.

Hinzu kommt ein weiteres Problem des Social-Media-Hypes: Persönliche Erfahrungsberichte ersetzen keine medizinische Beratung. Eine Untersuchung von TikTok-Videos zu Isotretinoin zeigte, dass ein großer Teil der Beiträge von Nicht-Medizinerinnen und Nicht-Medizinern stammt und dass dabei auch Fehlinformationen Verbreitung finden.

Glow-up ja, Beauty-Hack nein

Isotretinoin kann bei schwerer Akne eine Veränderung des Hautbildes bewirken - und damit durchaus für einen sichtbar reineren und ebenmäßigeren Teint sorgen. Doch genau das macht das Medikament nicht zum Beauty-Produkt.

Wer Isotretinoin wegen eines viralen „Glow-ups“, einer vermeintlich kleineren Nase oder einfach für „bessere Haut“ einnehmen möchte, sollte den Trend kritisch hinterfragen. Denn hinter dem TikTok-Hype steckt ein Medikament mit klaren medizinischen Indikationen, relevanten Risiken und strengen Sicherheitsvorgaben. (Dieser Artikel entstand in Kooperation mit teleschau.)