Exklusiv: Das ist der mutmassliche Täter von Schmitten GR


Auto mit Frauenleiche gefunden – Deutscher arbeitet als Gastronom in Lenzerheide

Killer von Schmitten GR auf Balkon verhaftet

Am Sonntag fand die Polizei in Schmitten GR ein Auto mit einer Leiche auf dem Fahrersitz. Am Dienstag wurde der mutmassliche Täter, ein 36-jähriger Deutscher, in Valbella GR festgenommen. Nachbarn erzählen vom Polizeieinsatz und wie sie Patrick M. erlebt haben.

Publiziert: 30.09.2026 um 19:48 Uhr

|

Aktualisiert: 30.09.2026 um 22:12 Uhr

«Es war ein Grosseinsatz! Mit Maschinengewehren kamen sie», sagt ein Nachbar des mutmasslichen Täters von Schmitten GR gegenüber Blick. Am Dienstagabend stürmten bewaffnete Polizisten der Kantonspolizei Graubünden ein Personalhaus in Valbella GR.

Darin befand sich Patrick M.* (36). Der Gastronom arbeitet in einem Hotel in Lenzerheide und steht unter dringendem Tatverdacht, für den Tod einer Pensionärin verantwortlich zu sein.

Grauenhafter Fund auf einem Feld

Rückblende: Am Sonntag macht die Polizei im knapp 40 Minuten entfernten Schmitten GR eine schlimme Entdeckung. Auf einem Feld, weitab von der Hauptstrasse und neben einer Reihe Siloballen, steht ein Fahrzeug.

Auf dem Fahrersitz: eine Leiche. «Die verstorbene Frau sass auf dem Fahrersitz ihres eigenen Autos», sagte der Bündner Kripo-Chef Aluis Candinas am Mittwochabend gegenüber «TV Südostschweiz».

Es handelt sich um eine ältere Frau aus Falera GR, eine «Seniorin», wie die Kantonspolizei in ihrer bislang einzigen, kurz gehaltenen Medienmitteilung vermeldete. Wie sie dorthin kam, wie sie getötet wurde und wie der mutmassliche Täter von Schmitten wieder flüchtete, sind nur ein paar der vielen offenen Fragen.

«Nett, ruhig, hilfsbereit»

Blick-Recherchen zum mutmasslichen Täter haben ergeben, dass der 36-jährige Patrick M.* in einem 4-Sterne-Hotel in Lenzerheide arbeitete. Dort war er für die «F&B», die Food-and-Beverage-Abteilung, zuständig. Zu Deutsch: Leiter Speisen und Getränke.

Er wohnte in einem Personalhaus, nur ein paar Autominuten entfernt im benachbarten Valbella. «Er war lange krankgeschrieben», erzählt ein Nachbar, der mit Patrick M. zusammenarbeitete. Er beschreibt den Deutschen mit südostasiatischen Wurzeln als «ganz netten Typen». Er sei «ruhig, immer hilfsbereit, gepflegt und gut angezogen» gewesen.

Im Job sei er immer «perfekt» aufgetreten. «Und jetzt so was. Ich weiss nicht, was in seinem Kopf abgegangen ist.» Der Nachbar möchte nicht namentlich genannt werden, sein Arbeitgeber hat dem ganzen Haus einen Maulkorb verpasst. Aber: «Das ist mir egal, ich will darüber reden.» Rund um das Personalhaus machen schon erste Gerüchte die Runde. «Er soll die Frau mit einem Messer getötet haben», sagt der Nachbar. Mit diesen und weiteren Fragen konfrontiert, schweigt die Kantonspolizei Graubünden beharrlich.

«Ihre Türe musste aufgebrochen werden»

Im Haus zeigt sich dann das ganze Ausmass des Polizeieinsatzes am Dienstagabend. Mehrere Türen über zwei Stöcke hinweg wurden aufgebrochen, die Haustür von Patrick M. ist jetzt polizeilich versiegelt. «Nicht betreten! Do not enter!», steht auf einem Zettel, den die Kantonspolizei angeklebt hat.

An vielen weiteren Wohnungen hängen handgeschriebene Nachrichten, auf denen die Polizei erklärt, warum mehrere Haustüren dran glauben mussten. «Ihre Türe musste anlässlich einer polizeilichen Intervention aufgebrochen werden. Wir entschuldigen uns für die entstandenen Unannehmlichkeiten.» Die Mieter sollen sich bei der Einsatzzentrale melden.

«Sie haben ihn auf meinem Balkon festgenommen»

Einen Stock unter der Wohnung des Verhafteten wird dann auch klar, warum. «Sie haben ihn auf meinem Balkon festgenommen», sagt eine junge Frau. Sie ist jetzt noch schockiert. «Zum Glück war ich in Zürich und nicht zu Hause. Ich bekam dann plötzlich ganz viele Anrufe von Freunden und Nachbarn, die sich sorgten.» Gemäss verschiedenen Zeugenaussagen versuchte Patrick M. am Dienstag, sich über die Balkone aus dem Staub zu machen, als die Polizei im Treppenhaus war.

«Wie Spider-Man kletterte er dann über die Balkone runter», sagt der Nachbar. Auf dem Balkon der jungen Gastromitarbeiterin war dann Endstation. «Er ist runtergeklettert oder gefallen.» Ein umgeworfener Blumentopf und dreckige Fussabdrücke auf ihrer Polstergruppe zeugen jetzt noch davon. «Ich muss jetzt alles aufräumen», sagt sie. Sie hätte nicht gedacht, dass so etwas im schönen Valbella passieren kann. «Hier ist doch alles immer so ruhig und schön!»

* Name geändert