Boxoffice-Rekorde: Kinobranche sieht Licht am Ende des Tunnels


Boxoffice-Rekorde

Sechs Jahre nach den beispiellosen Gewinneinbrüchen in der Covid-Pandemie scheint die Kinobranche ihre Krise überwunden zu haben. Sommerblockbuster wie „Spider-Man: Brand New Day“ und „Die Odyssee“ spielen Rekordergebnisse ein und Low-Budget-Überraschungshits wie „Obsession“ nähren die Hoffnung der Branche, dass man endlich die durch Lockdown und Streaming geprägte Gen-Z vom Kinoerlebnis überzeugen konnte.

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(Update: 9.06 Uhr)

Der Superheldenfilm „Spider-Man: Brand New Day“ legte – was den Umsatz angeht – den erfolgreichsten US-Kinostart der Filmgeschichte hin und stieß damit den bisherigen Rekordhalter vom Thron. Am Eröffnungswochenende spielte der Film in Nordamerika 360 Millionen US-Dollar (313,45 Mio. Euro) ein und überholte damit den früheren Rekord von „Avengers: Endgame“ aus dem Jahr 2019 (357 Mio. Dollar, 310 Mio. Euro).

Laut Sony Pictures Österreich lockte das neue „Spider-Man“-Abenteuer bis dato mehr als 171.000 Besucherinnen und Besucher in die heimischen Kinos. Das Einspielergebnis belaufe sich hierzulande auf 2,46 Mio. Euro, hieß es am Montag in einer Aussendung. Das entspreche dem bisher besten Kinostart des Jahres und dem besten Fünftagesstart im laufenden Jahrzehnt.

Zwei Wochen zuvor hatte Christopher Nolans Historienepos „Die Odyssee“ mit 124 Millionen US-Dollar (rund 107 Mio. Euro) das bis dahin beste Ergebnis für einen Realfilm 2026 eingespielt, davor nur übertroffen von dem Kinostart der Animationsfilme „Toy Story 5“ (159 Mio. US-Dollar bzw. rund 138 Mio. Euro) und „Der Super Mario Galaxy Film“ (131 Mio. US-Dollar bzw. rund 114 Mio. Euro).

Totgesagte leben länger

2020 brachen mit dem ersten Lockdown die US-Kinokassen auf einen Schlag um 80 Prozent ein, mit der anhaltenden CoV-Krise orientierten sich die Filmstudios neu. Sie setzen verstärkt auf den Direktvertrieb via Streamingplattformen, die wiederum in der Folge einen Rekord nach dem anderen einfahren konnten.

Expertinnen und Experten prognostizierten, dass sich die Kinoindustrie von den Einbrüchen nicht erholen werde, und – wie das Magazin „Forbes“ analysierte – das Narrativ des „veralteten Konzepts, vor allem für junge Menschen“, hielt sich hartnäckig.

Die Verkaufszahlen an den internationalen Kinokassen 2026 sprechen nun eine ganz andere Sprache: Aktuellen Prognosen zufolge wird heuer mit einem globalen Umsatz von 35 Milliarden Dollar (rund 30 Mrd. Euro) gerechnet. Damit kratzt die Branche erstmals wieder am Vor-Pandemie-Rekord: 2019 wurden laut Branchenberichten mit internationalen Filmproduktionen rund 38 Milliarden US-Dollar (rund 33 Mrd. Euro) an den Kinokassen eingespielt.

Alte Erfolgsrezepte und neuer Horror

Dafür verantwortlich sind einerseits Blockbuster, die gemeinhin als jene Filme gelten, die für die große Leinwand konzipiert im Kinosaal ein deutlich intensiveres Erlebnis versprechen. Dazu kommen Werbegroßoffensiven mit Hollywood-Stars der neuen Generation und Merchandisingaktionen. Damit lassen sich offenbar auch wieder von der Kritik verrissene Filme wie „Super Mario Galaxy“ verkaufen.

Neben dem Anknüpfen an alte Erfolgsrezepte ist laut „New York Times“ aber auch ein Generationenwechsel in der Branche für die Kinorenaissance verantwortlich. Letzterer wurde im Frühsommer deutlich, als sich mit „Backrooms“ und „Obsession“ zwei Horrorfilme von Gen-Z-Regisseuren zu Überraschungshits entwickelten.

Sowohl der 20-jährige Ken Parsons („Backrooms“) als auch der 26-jährige Curry Barker („Obsession“) starteten ihre Karriere als YouTuber und arbeiteten mit einem verhältnismäßig niedrigen Budget, das sie innerhalb kürzester Zeit locker wieder eingespielt hatten. „Seit Jahren versucht Hollywood herauszufinden, wie man junge Leute wieder ins Kino locken kann“, hieß es bei der „New York Times“ kürzlich dazu in einer Folge des Podcasts The Daily – Parsons und Barker sei das „in einem unvorstellbaren Ausmaß gelungen“.

Sadie Sink, Jon Bernthal, Tom Holland, Zendaya, Jacob Batalon und Jacob Batalon
Kinostars der nächsten Generation: Sadie Sink, Jon Bernthal, Tom Holland, Zendaya und Jacob Batalon

Rückkehr zum kollektiven Filmerlebnis

Doch der Trend zeichnete sich schon zuvor ab: Laut einer Untersuchung des US-Marktforschungsinstituts NRG ist die Gen Z im nordamerikanischen Markt vergangenes Jahr 25 Prozent häufiger ins Kino gegangen als noch ein Jahr zuvor – der größte Zuwachs aller Altersgruppen.

„Forbes“ ortet im kollektiven Kinoerlebnis eine neu entdeckte soziale Aktivität für eine Generation, „die der physischen Interaktion“ während der Pandemie beraubt worden sei. Lockdowns in prägenden Jugendjahren und Aufwachsen als Social-Media-Natives hätten die Gen Z von Gemeinschaftserlebnissen distanziert.

Filmkritik per App

Ganz befreit von sozialen Netzwerken ist die Neuentdeckung des Kinos aber auch nicht: Längst setzen die Filmstudios auf durch Algorithmen getriebenes Influencer-Marketing via TikTok und YouTube.

Noch spezifischer ist die höchst erfolgreiche App Letterboxd, bei der Userinnen und User mit Kurzkritiken und gegenseitigen Likes Filme bewerten. Sie steigerte sich von drei Millionen Nutzerinnen und Nutzern 2021 auf mittlerweile über 30 Millionen. Mehr als die Hälfte ist laut „Time Magazine“ unter 35 Jahre alt.

Cinerama Dome in Hollywood, 2021
Der legendäre Cinerama Dome

Cinerama Dome als Sinnbild des Kinocomebacks

Dass das Kino seine große Krise überstanden haben dürfte, wurde Ende Juli sinnbildlich deutlich, als Sony Pictures Entertainment ankündigte, den Cinerama Dome in Hollywood wiederzueröffnen. Das legendäre Kino am Sunset Boulevard wurde während der Pandemie temporär und 2021 eigentlich dauerhaft geschlossen.

Dank jüngster Boxoffice-Erfolge und wachsendem Interesse an Premiumkinoerlebnissen werde der „Dome“ von einem Symbol des Niedergangs zu einem des neuen Aufschwungs Hollywoods werden. Die 14 Säle in der Kuppel würden nun renoviert und mit neuester Kinotechnik ausgestattet und sollen spätestens 2028 wieder in Betrieb gehen.