Kita-Erzieherin nennt vier Fehler, die Eltern bei der Eingewöhnung machen
Stand: 19.09.2026, 17:44 Uhr
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Die Eingewöhnung fällt einigen Familien nicht leicht. Kita-Expertinnen berichten von typischen Fehlern, die sie immer wieder beobachten.
Hamburg – Die Eingewöhnung in der Kita ist sowohl für Kinder als auch für ihre Eltern eine besondere Zeit. Die Kinder bekommen viele neue Eindrücke auf einmal – eine neue Umgebung, eine Gruppe anderer Kinder sowie Erzieherinnen und Erzieher. Doch auch für Mütter und Väter ist die Eingewöhnung eine Herausforderung, da es womöglich das erste Mal ist, dass sie so lang von ihrem Kind getrennt sind. Eine Erzieherin berichtet auf Social Media, wie sie die Eingewöhnung wahrnimmt – und welche Missverständnisse ihr immer wieder auffallen.

„Ich muss nächste Woche wieder arbeiten, dann muss das funktionieren“, sei einer von vier typischen Sätzen, die Erzieherin Larissa Braun (@kaici) von Eltern immer wieder zu hören bekomme. Es sei verständlich, dass Eltern Verpflichtungen hätten, doch das Nervensystem des Kindes sei deswegen trotzdem noch nicht bereit für die Trennung, erklärt sie in einem Video auf Tiktok. Eine weitere Aussage sei: „Bei Oma bleibt sie doch auch ohne Probleme.“ Wobei die Erzieherin deutlich macht, dass es sich bei der Großmutter selbstverständlich um eine bekannte Person handelt.
Kindergartenleiterin: Eingewöhnung wird langsam ausgebaut
Auch die Frage „Warum weint er denn, wenn ich gehe?“ könne die Pädagogin „nicht mehr hören“. Das Kind sei offenbar noch nicht an die neuen Personen und die neue Einrichtung gewöhnt. Auch, wenn Eltern annehmen, sie könnten nach einer längeren Pause mit der Eingewöhnung dort weitermachen, wo sie aufgehört haben, handle es sich um eine verbreitete Fehlannahme. „Wir sind ab nächste Woche erstmal zwei Wochen im Urlaub“ – danach müsse die Eingewöhnung meist von vorn beginnen, da zu viel Zeit vergangen sei. Das Kind sei kein „Roboter mit Speicherfunktion“.
Solche Missverständnisse zeigen: Einigen Eltern ist nicht bewusst, wie viel Zeit und Feingefühl eine gelungene Eingewöhnung tatsächlich braucht. Barbara Nolte kennt diese Situationen aus ihrem Alltag – und erklärt, worauf es in der Eingewöhnungsphase wirklich ankommt. „Die Eingewöhnung in Kitas läuft sehr unterschiedlich ab – jede Einrichtung schaut für sich, welches Modell am besten zu ihr passt“, sagt Nolte, Erzieherin sowie Leiterin eines Kindergartens und Familienszentrums, der Frankfurter Rundschau von Ippen.Media. Nolte ist im Verband Bildung und Erziehung (VBE) NRW Referentin für den frühkindlichen Bereich und Ansprechperson für Erzieherinnen und Erzieher. Am verbreitetsten sei das sogenannte Berliner Modell: Eltern und Kind kommen mindestens drei Tage lang für eine Stunde gemeinsam in die Gruppe. „Dann baut man Schritt für Schritt die Trennung auf, bis die Betreuungszeit langsam ausgebaut wird.“
Diese Phase könne je nach Alter und Bedürfnissen des Kindes und der Eltern zwischen zehn bis 14 Tagen und mehreren Wochen dauern. Nolte betont: „Die Eingewöhnungszeit ist keine verlorene Zeit, sondern eine Investition in die Sicherheit und Stabilität des Kindes.“ Wichtig sei, dass Eltern sich vor der Kita mit ihren eigenen Gefühlen auseinandersetzen – etwa mit der Frage: „Kann ich mein Kind loslassen?“ Oder sind sie aus wirtschaftlichen Gründen darauf angewiesen, wieder arbeiten zu gehen, wollen es aber vielleicht noch gar nicht? „Diese Emotionen beeinflussen die Eltern-Kind-Beziehung und auch die Eingewöhnung in die Gruppe.“ Beim Aufnahmegespräch sollte dies besprochen werden.
Pädagogin: Vertrauen in die Gruppe ist Zeichen von erfolgreicher Eingewöhnung
Die Erfahrungen von Braun mit dem Urlaub direkt nach Eingewöhnungsbeginn kann Nolte bestätigen. Nach zwei, drei Wochen Pause beginne die Eingewöhnung oft von vorn, erklärt die Kitaleiterin. Der Grund: Das Kind habe sich in der kurzen Zeit noch nicht ausreichend an die neue Umgebung und die Bezugspersonen gewöhnt – eine längere Unterbrechung werfe diesen Prozess dann wieder zurück.
Was können Familien tun, wenn die Eingewöhnung Schwierigkeiten bereitet? Manchmal helfe unter anderem ein Wechsel der Bezugsperson, erklärt die Kindergartenleiterin. „Wenn ein Elternteil sich nicht gut trennen kann, lohnt es sich, vorher zu überlegen, wer von beiden die Eingewöhnung übernimmt.“ Aber auch andere Bezugspersonen wie Großeltern könnten die Eingewöhnung begleiten. Auch Gewohntes könne helfen – ein Kuscheltier, der Schnuller oder ein Kuscheltuch. „Manche Einrichtungen bitten die Eltern, ein Trostbuch mit Fotos aus dem Familienalltag zu gestalten – das hilft Kindern und Erzieherinnen, gemeinsam Vertrautes im Kitaalltag mit einzubinden“, berichtet Nolte.
Woran merken Eltern und Pädagogen, wann eine Eingewöhnung erfolgreich abgeschlossen ist? „Das Kind fühlt sich wohl, weint nicht und lässt sich trösten. Der Übergang morgens klappt gut. Im besten Fall kommt das Kind gerne in die Kita.“ Wichtig sei auch, wie es in der Gruppe interagiere. Zeigt es, wenn es müde oder hungrig ist? Dieses Vertrauen der Gruppe gegenüber ist ein zentraler Indikator. (Quellen: Tiktok, eigene Recherche)