Volksbühne veranstaltet kleines Spektakel nach Schließung von "Volksbad"
Hetze gegen Schwarze Community
Volksbühne veranstaltet kleines Spektakel nach Schließung von “Volksbad”
Von
Vanessa Klüber
Außer einer gelben Quietsche-Ente mit einer "Antifaschistische Aktion"-Fahne unter den Flügel geklemmt schwimmt niemand im "Volksbad", einem Schwimmbecken vor der Volksbühne in Berlin-Mitte. Ursprünglich hätten hier an diesem Freitag Kinder und Jugendliche aus der Schwarzen Community schwimmen sollen, aber es kommt anders.
Veranstaltung für Schwarze Community abgesagt
Jeder und jede kann das Schwimmbad vor der Volksbühne seit dem 7. August mit vorheriger Buchung eines Zeitfensters nutzen – abgesehen von einzelnen geschlossenen Veranstaltungen, wie an diesem Freitag: "Each one teach one e.V.", kurz "Eoto", war von der Volksbühne exklusiv eingeladen worden – Kinder und Jugendliche aus der Schwarzen Community hätten in dem kleinen Schwimmbecken vor dem Theater kostenlos plantschen können.
Dann aber gab es Hetze und missbilligende Bemerkungen im Netz wegen vermeintlicher Diskriminierung gegenüber Nicht-Schwarzen. "Eoto" und die Volksbühne sagten daraufhin die Veranstaltung ab, weil "die physische und psychische Sicherheit der Kinder nicht […] gewährleistet werden kann", so Eoto, und weiter, dass "ein paar schöne Stunden" im Volksbad unter diesen Umständen nicht mehr möglich seien. Die Volksbühne hatte sich ähnlich geäußert.
Lilienthal: Vielleicht sei die Idee ein bisschen naiv gewesen
"Gestern waren vor dem Haus 20 rechte Blogger. Wir hatten schlicht und einfach Angst, dass 14-jährige Schwarze Kinder durch einen Spalier von Leuten gehen müssen, die ihnen nicht freundlich gesonnen sind - und das würde Traumatisierungen schaffen , die niemand will", so Matthias Lilienthal, Intendant der Volksbühne, "durch Blicke, Schreiereien."
Als er das dem rbb erklärt, steht er vor einem Strauß rosa Poolnudeln, die heute trocken bleiben. Die Einladung von Eoto hätte eine "Maßnahme zur Förderung strukturell benachteiligter Gruppen" werden sollen, heißt es in einem Statement der Volksbühne, das wie von amtlicher Seite klingt. Aber die Volksbühne ist kein Amt sondern ein Theater und das Schwimmbecken der Volksbühne kann auch während einer geschlossenen Veranstaltung als Bühne verstanden werden: Man kann von außen auf die Schwimmenden schauen.
Vielleicht sei die Idee ein bisschen naiv gewesen, räumt Lilienthal ein. "Ehrlich gesagt haben wir mit letzter Kraft dieses Bad organisiert, und sind nicht davon ausgegangen, dass wenn 6- bis 14-jährige Kinder hier plantschen, dass das zum politischen linksradikalen Event wird." An der Idee an sich übe er keine Selbstkritik. "Ob wir es besser hätten kommunizieren können, darüber denken wir sehr nach", sagt er.
Beratungsstelle für Diskriminierung
Die LADG-Ombudsstelle bewertet das Vorhaben der Volksbühne, einzelnen Gruppen zeitlich begrenzte Schwimmslots zur Verfügung zu stellen, wie folgt: "Nach § 5 Abs. 2 LADG und nach § 5 AGG ist eine unterschiedliche Behandlung zulässig, wenn durch geeignete und angemessene Maßnahmen bestehende Nachteile strukturell benachteiligter Personen verhindert oder ausgeglichen werden sollen (positive Maßnahmen). Diese Regelungen setzen internationales und europäisches Recht um. Besondere – wie hier zudem zeitlich begrenzte – Angebote für strukturell benachteiligte Gruppen, wie Frauen, queere Personen, ältere Menschen, Migrant*innen, sozial schwache Jugendliche oder Schwarze Menschen sind vor diesem Hintergrund keine Diskriminierung."
"Fickt euch"
Was auch immer an der Einladung von Eoto künstlerische Darbietung war oder auch nicht - die Absage der Veranstaltung kommentierte Lilienthal so: "Das ist scheiße."
Dann aber lässt es sich das Team der Volksbühne an diesem Tag nicht nehmen, ein kleines Spektakel aus der Situation zu machen. "Interessierte", aber keine potenziellen Badegäste, weil das Bad ja geschlossen ist, dürfen als Erstes hinter die Absperrung, mit dem Intendanten sprechen. Aber nur eine Handvoll Interessierte, die nicht zu den Medienvertretern gehört, steht überhaupt draußen und geht rein.
Auch bestimmte Medien wie der rbb dürfen dann hinein - einzeln - andere müssen draußen bleiben. Dann hängen die Volksbühne-Leute an die Spanplatten, die das Bad von der Öffentlichkeit abtrennen, ein Banner: "Fickt euch" steht nonchalant darauf.
Am Samstag soll das Bad wieder öffnen, am Donnerstag hat der Verein "Gangway" für Straßensozialarbeit einen Slot im "Volksbad" für sich.
Sendung: radio 3 vom rbb, 14.08.2026, 16:10Uhr
Audio: radio 3 vom rbb, 14.08.2026, Neela Richter
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