Klopps erste große Kimmich-Entscheidung: Das sind die Folgen


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Joshua Kimmich nahm den Ehrenkodex im Sommer wörtlich. Als letzter Profi der deutschen Nationalmannschaft verließ der DFB-Kapitän das Schiff, das in den USA gekentert war und im Hinterland von North Carolina als Wrack angespült wurde. Kimmich gab sich noch in der Nacht des WM-Ausscheidens eine Mitschuld an der nächsten Turnier-Blamage. Im Camp von Winston-Salem begab sich Kimmich noch einige Tage nach dem Paraguay-Spiel auf Erklärungssuche.

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Fast drei Monate später ist Kimmich zurück, und natürlich vor allen anderen. Der besondere Eifer, der so tief im Münchener sitzt, dass er ihm im Nationaldress wohl häufiger im Weg stand, als dass er beflügelte, ist dafür aber nicht der Grund gewesen. Viel mehr bestimmte der Bundesliga-Terminplan die Anreiseoptionen der Nationalspieler nach Herzogenaurach, wo der neue Bundestrainer Jürgen Klopp am Montag offiziell sein Aufgebot für die ersten beiden Nations-League-Spiele in Amsterdam gegen die Niederlande am Donnerstag und drei Tage später in Augsburg gegen Griechenland begrüßte.

Kimmich hat etwas gut zu machen

Kimmich und die Bayern waren bereits am Freitagabend (7:0 gegen Union Berlin) im Einsatz, weshalb Kimmich unter anderem mit seinen Vereinskollegen schon am Sonntagabend nach dem traditionellen Wiesn-Besuch auf dem Adidas-Campus in Franken aufschlug. Man tritt dem 31-Jährigen aber sicherlich nicht zu nah, wenn man ihm einen besonderen Tatendrang unterstellt. Es gilt, etwas gut zu machen. Mal wieder.

191. Münchner Oktoberfest - FC Bayern München

Traditioneller Oktoberfest-Besuch: Joshua Kimmich.© dpa | Hoppe

Fünf Turniere in Serie setzte die DFB-Elf, deren Gesicht Kimmich im Laufe der Jahre geworden ist, in den Sand. Eine Generation, von der so viel erwartet wurde, lief den eigenen Ansprüchen meilenweit hinterher. Im ersten Klopp-Kader sind neben Kimmich nur Spätstarter Jonathan Tah und der in seiner Form lange wechselhafte Serge Gnabry aus dem hochgelobten Jahrgang 1995/96 vertreten. Ob Leon Goretzka oder Leroy Sané noch einmal berücksichtigt werden, ist mehr als fraglich.

Kimmich als neue Stütze im Mittelfeld

Beim nächsten Umbruch, den Klopp nun beginnt, sollen Kimmich, Tah und Gnabry noch die Stützen sein. In Sachen Kimmich hat Klopp bereits seine erste große Entscheidung getroffen. „Wir sehen ihn als Mittelfeldspieler“, betonte der Bundestrainer bei der Kaderbekanntgabe in der vergangenen Woche. „Wir hatten nicht ein Gespräch, in dem wir von ihm als Rechtsverteidiger gesprochen haben.“ Einschränkend ergänzte Klopp aber: „Natürlich muss ein Spieler mit seiner Erfahrung, in seinem Alter, vorneweg gehen. Aber wir müssen uns auf eine neue Art Fußball einstellen. Wir haben taktische Themen, die wir zügig angehen müssen. Ich habe keinen Zweifel, dass er sein Potenzial abruft.“

VfB Stuttgart - Borussia Dortmund

Kandidat Nummer eins als Kimmich-Ersatz: Josha Vagnoman vom VfB Stuttgart.© dpa | Strobel

Kimmich wechselt damit zurück auf seine Lieblingsposition im Mittelfeld. Hier hat der Kapitän den größten Einfluss auf die Mannschaft, hier können sich die Mitspieler, die bei der WM vor allem mit sich selbst beschäftigt waren, an ihm orientieren. Zumindest sollte es so sein. Zur Wahrheit gehört allerdings auch, dass Kimmich bei der DFB-Elf selbst im Zentrum nicht der Stabilisator war wie bei den Bayern. In der Nationalmannschaft wird sich Kimmich auch verstärkt auf defensive Aufgaben fokussieren müssen, sollte der eher offensiv orientierte Dortmunder Felix Nmecha sein von Klopp favorisierter Partner werden.

Drei DFB-Kandidaten als Rechtsverteidiger

Die Neubesetzung ist ein Thema der ersten Klopp-Woche. Ein anderes ist der Domino-Effekt, den die Kimmich-Versetzung mit sich bringt. Der Münchener musste ja bekanntlich als Rechtsverteidiger spielen, weil es in Deutschland bislang keinen erstklassigen gab, der es mit den Mbappé oder Yamals dieser Fußballwelt aufnehmen kann. Selbst Kimmich stieß hier an seine Grenzen. Machen es Josha Vagnoman oder Philipp Treu (beide 25) nun besser? In kommenden Woche ist Leipzigs Ridle Baku (28) der dritte Kandidat.

FC Motherwell - SC Freiburg

Kandidat Nummer zwei als Kimmich-Ersatz: Freiburgs Philipp Treu.© dpa | Perry

Der Stuttgarter Vagnoman debütierte bereits 2023 unter Hansi Flick und stand auch im März im Kader von Julian Nagelsmann. „Wenn wir ein Buch darüber schreiben würden, was er alles nicht kann, dann würde es wie bei uns allen einiges zu lesen geben“, sagte Klopp in Frankfurt, „aber wenn wir eines darüber schreiben würden, was er alles kann, dann gäbe es auch viel Material – und für mich wäre es die bessere Lektüre.“ Vagnoman kommt in dieser Bundesliga-Saison bereits auf zwei Tore und eine Vorlage.

Ein frisches, unverbrauchtes Gesicht ist der Freiburger Treu, der seinen Teil zur bemerkenswerten Erfolgsgeschichte des Sport-Clubs beigetragen hat. „Ich will zeigen, wer Philipp Treu ist, der aus Freiburg kommt, und den Fans Freude bereiten mit meiner Intensität, mit meiner Spielweise“, sagte er. „Da will ich zeigen, dass ich jemand bin, der nie aufhört und immer Gas gibt.“ Tugenden, die auch Rechtsverteidiger-Vorgänger Kimmich mag.