Knall in Peter Spuhlers «Florhof»: Chefkoch verlässt das Nobelhotel vor dem Start


Knall im neuen Edelhotel «Florhof» des Stadler-Rail-Chefs Peter Spuhler: Noch vor der Eröffnung verlässt der Chefkoch das Traditionshaus

An einem früheren Arbeitsort hatten Mitarbeitende dem prämierten Gastronomen Christian Jürgens unangemessenes Verhalten vorgeworfen.

20.07.2026, 18.38 Uhr

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Aktualisiert


Die «Villa Florhof» sollte 2024 eröffnet werden. Doch das Hotel ist noch immer geschlossen.

Die «Villa Florhof» sollte 2024 eröffnet werden. Doch das Hotel ist noch immer geschlossen.

Annick Ramp / NZZ

Es sind grosse Worte, die der Chef von Stadler Rail wählt. Eine «Traumliegenschaft» sei das Hotel «Florhof», sagt Peter Spuhler. Darin wolle man ein «einzigartiges Ambiente» schaffen, das «Tradition und Zukunft kombiniert und sämtliche Ansprüche an gehobene Gastfreundschaft erfüllt».

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Spuhler hat das historische Stadthaus in der Zürcher Altstadt, zwei Gehminuten vom Kunsthaus entfernt, zusammen mit seinem Geschäftspartner Silvio Denz erworben. Eine «Herzensangelegenheit» sei dies, liess sich Spuhler zitieren, sei er doch in der Nähe aufgewachsen. Am Betrieb des Hotels ist er selbst nicht beteiligt.

Silvio Denz sagte im Juli 2022 zur NZZ, er habe seit längerer Zeit nach einem kleinen Hotel in Zürich gesucht. Der «Florhof» habe ihm schon lange gefallen. «Die Liegenschaft war rund hundert Jahre im Besitz derselben Familie. Niemals hätte ich gedacht, dass das Hotel zum Verkauf stehen würde – und dann wurde es mir unerwartet angeboten.» Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart.

Denz ist der Eigentümer des Luxuskonzerns Lalique, der für den Betrieb des Hotels verantwortlich ist. Zum Portfolio der Lalique Group gehören Kristallwaren, Designmöbel, Weingüter, Parfums – und eben Hotels. Die Chefin des «Florhofs» ist die bekannte Hotelière Tanja Wegmann, Denz’ Partnerin. Sie führte etwa das Grand-Hotel «Les Trois Rois» in Basel.

Nach einer umfassenden Renovation soll der «Florhof» zum edlen Boutiquehotel mit dreizehn Zimmern und Suiten sowie einer «erstklassigen Gastronomie» werden.

Vier Jahre ist die Hotelübernahme nun her. Ursprünglich sollte das Hotel 2024 aufgehen. Doch die Arbeiten verzögerten sich. Mehrmals wurde die Wiedereröffnung verschoben mit der Begründung, die Arbeiten im 600-jährigen Haus gestalteten sich aufwendiger als erwartet. Es reihte sich Ankündigung an Ankündigung an Ankündigung.

Vor wenigen Tagen war die Überraschung dann perfekt. Die Verantwortlichen luden die Medien zu einem Lunch mit Hotelrundgang ein – um diesen kurzfristig wieder abzusagen.

Nun dürfte klar sein, warum: Der mit drei Michelin-Sternen ausgezeichnete Chefkoch Christian Jürgens verlässt das Hotel, bevor es seinen Betrieb überhaupt aufgenommen hat. Man habe sich nach «reiflicher Überlegung» gemeinsam entschieden, getrennte Wege zu gehen, teilte das Hotel am Montagabend mit. Ein Grund wird nicht genannt.

Ziemlich frostig heisst es in der Mitteilung lediglich: «Die Parteien danken einander für die Zusammenarbeit in der Aufbauphase und wünschen sich für die Zukunft alles Gute.»

Jürgens räumte Fehler ein

Dass der mit drei Michelin-Sternen ausgezeichnete Christian Jürgens Chefkoch im «Florhof» werden soll, hatte für Aufsehen gesorgt. «Coup des Jahres!», jubilierte die Online-Plattform von Gault-Millau, als Jürgens’ Wechsel in den «Florhof» bekanntwurde. Einer der besten Köche Deutschlands ziehe in die Schweiz.

Jürgens sollte im Traditionshaus für die gesamte Gastronomie verantwortlich sein, sowohl für die Brasserie im Erdgeschoss als auch für das Signature-Restaurant im ersten Stock. Die Küche sollte sich an klassischen Gerichten aus der Schweiz orientieren. Der Florhof-Mitbesitzer Silvio Denz sagte zu Gault-Millau: «Seine unverkennbare Handschrift in der Küche harmoniert perfekt mit unserer Philosophie.»

Doch Jürgens sorgte auch aus anderen Gründen für Schlagzeilen. In einer Recherche des Magazins «Spiegel» aus dem Jahr 2023 warfen ehemalige Mitarbeitende dem Spitzenkoch unangemessenes Verhalten und Belästigung vor. Daraufhin stellte ihn sein damaliger Arbeitgeber – ein Nobelrestaurant am Tegernsee in Deutschland – nach fünfzehn Jahren Zusammenarbeit frei.

Dem Gault-Millau sagte Jürgens später in einem Interview: «Dass ich mit meinem Verhalten einigen Mitarbeitenden einen Grund zur Beschwerde gab, beschäftigt mich, und es tut mir leid.» Es seien aber auch falsche Vorwürfe erhoben worden, gegen die er sich wehre. Er habe sich Hilfe geholt, um zu reflektieren und an sich zu arbeiten, sagte Jürgens weiter. Ein Verfahren gegen ihn wurde eingestellt.

Zwei Köche kündigten – Aufarbeitung mit externem Berater

Offenbar hatte es im «Florhof» schon länger rumort. Vor wenigen Tagen hatte Gault-Millau berichtet, zwei Köche hätten kurz vor der Eröffnung gekündigt. Damals sagte die General Managerin Tanja Wegmann der Gastro-Plattform, dass der Chefkoch Christian Jürgens nicht der Grund dafür sei: «Christian Jürgens ist ein grossartiger Chef, und seine Teller sind sensationell.» Man wolle die Kündigungen nun mit einem externen Berater aufarbeiten.

Auf der Website des Hotels steht weiter ganz unverbindlich: «Opening soon». Eine Suite zu buchen oder einen Tisch in der Brasserie zu reservieren, ist nicht möglich. Infos oder Fotos zur Ausstattung der Zimmer oder deren Preis pro Nacht sucht man vergebens. Auch Menukarten sind nirgends zu finden. Dafür wird prominent auf offene Stellen verwiesen. In fast allen Bereichen sind noch Arbeitsplätze zu besetzen.

Inzwischen ist allerdings ein neues Eröffnungsdatum bekannt: der 1. August. Die Vorbereitungen befänden sich in der «finalen Phase», heisst es in der Mitteilung weiter. Anders als unter der ursprünglich vorgesehenen Leitung von Christian Jürgens wird die Führung der Gastronomie nun aufgeteilt: Für die Brasserie mit «gutbürgerlicher Küche» werden die Köche John Schiffmann und Christian Hoffmann gemeinsam verantwortlich sein.

Schiffmann arbeitete im Luxushotel «Dolder Grand» und war Chefkoch in der «Buech» in Herrliberg. Hoffmann war Souschef im «Lorenz Adlon Esszimmer» sowie im Restaurant «Golvet» in Berlin.

Das ebenfalls zum Florhof gehörende Signature-Restaurant soll im Spätherbst eröffnen. Zu seinem kulinarischen Angebot wollen die Betreiber später informieren.

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