(+) Kommentar: Bei Irvine braucht St. Pauli eine klare Entscheidung
FC St. Pauli
Niemand polarisiert beim FC St. Pauli so wie Jackson Irvine. Trainer Rapp muss sich entscheiden zwischen einem einfacheren und einem unbequemen Weg. Ein Kommentar.
Es ist viel berichtet worden über eine neue Hierarchie beim FC St. Pauli. Mit Hauke Wahl, Karol Mets und Nikola Vasilj haben Führungsspieler den Verein verlassen, mit Eric Smith und Joel Chima Fujita könnten die vermeintlich besten Fußballer im Kader folgen. Auf der anderen Seite kamen mit Marcus Mathisen und Branimir Hrgota zweitligaerfahrene Kicker, die den 30. Geburtstag schon hinter sich haben. Eine ganz entscheidende Hierarchie-Frage aber ist noch immer offen: Bleibt Jackson Irvine Kapitän?
Anfang kommender Woche werde er sich entscheiden, sagte St. Pauli-Trainer Marcel Rapp am Donnerstag – und machte mit dem folgenden Halbsatz klar, dass er weiß, dass es um mehr geht als um ein regenbogenfarbenes Stück Stoff am Arm. „Dann“, sagte er, „ist das große Thema auch vom Tisch.“
Es braucht Klarheit in der Kapitänsfrage bei St. Pauli
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Größer als bei vielen anderen Klubs ist das Thema aufgrund der Bedeutung von Jackson Irvine. Der Australier ist auf dem Kiez mehr als nur ein Fußballer, er ist zur Stil-Ikone geworden, die am Millerntor so sehr polarisiert wie kaum ein anderer Spieler zuvor. Die einen (die Mehrheit) lieben ihn als Fußballer und Menschen, die anderen sehen ihn als überschätzt an oder haben grundlegende Probleme mit seiner Haltung im Israel-Gaza-Krieg.
In den vergangenen drei Spielzeiten war Irvine Kapitän, wobei er sich in der ersten Saison das Amt mit Leart Paqarada teilte – eine damals unentschlossene und ungute Entscheidung von Ex-Trainer Timo Schultz. Eine vergleichbare Lösung wird Rapp nicht anstreben. Es braucht Klarheit. Sollte die Entscheidung gegen Irvine fallen, würde Rapp großen Mut beweisen, zugleich aber ein riesiges Fass aufmachen, Unruhe wäre programmiert.
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Sollte er sich für Irvine entscheiden, wäre es die leisere und leichtere Wahl. Es würde alle Abwanderungsspekulationen beenden, zugleich aber auch Hierarchie-Veränderungen einbremsen und den Spieler stärken, der nach der Saison überraschend deutlich von Sportchef Andreas Bornemann gerüffelt worden war.
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Ebenjener hatte sich zuletzt wiederum versöhnlich gezeigt, als er sich indirekt für Irvine aussprach. Einfach so mal den Kapitän zu wechseln, „das kannst du nicht machen, das musst du irgendwie begründen“, sagte Bornemann und machte Rapp die Entscheidung damit je nach Lesart leichter – oder aber deutlich schwerer.