Konstablerwache: Janet Echelmans Skulptur in Frankfurt


Skulpturen im öffentlichen Raum sind schon lange nicht mehr aus Stein oder Bronze und werden edel auf Podesten drapiert. In Frankfurt wird diese Form fast nur noch ironisch verwendet, bei Hans Traxlers „Ich-Denkmal“ etwa, auf dessen Sockel man sich in der Mainuferanlage zwischen Gerbermühle und Rudererdorf selbst stellen kann.

Janet Echelmans Skulptur „A Sky Full of Hope“ hingegen besteht aus farbigen Polymerfasern. Seit einigen Tagen schwebt das mehrfach gefaltete Netz über der Mitte der Konstablerwache, nach seiner Präsentation am 11. August wird es seine endgültige Wirkung nach Einbruch der Dunkelheit unter Beleuchtung entfalten. Aber schon am Montagmorgen machen Passanten um kurz nach neun erste Fotos, ein Radfahrer, der den Platz überquert, bremst und schaut nach oben.

Die Werke der amerikanischen Künstlerin, die 1960 in Florida zur Welt kam, waren bisher vor allem in den Großstädten ihres Heimatlandes zu sehen, viele nur für eine bestimmte Zeit. „A Sky Full of Hope“ ist erst die zweite Arbeit in Europa, die länger bestehen bleibt. Drei Jahre lang soll die Skulptur wirken. Von Ende November bis Anfang März wird sie abgehängt, um Schneelast und Eisbildung zu vermeiden. Die Kosten dafür seien im Vergleich mit denen für den nun abgeschlossenen Aufbau verschwindend gering, heißt es aus dem Kulturdezernat.

Zwei Millionen Euro Kosten

Es hat bislang etwa zwei Millionen Euro aufgewendet. Darin sind die Leihgebühr der Skulptur und die Installationskosten enthalten. Zum Bau zählen außer dem Netzgebilde die vier Pylone in den Ecken des baumgesäumten Plateaus, an denen die Halteseile befestigt sind. Die Pfeiler tragen jeweils vier Scheinwerfer zur farbigen Beleuchtung des Kunstwerks und je acht LED-Scheinwerfer, die als Ersatz für die abgebaute Straßenbeleuchtung dienen. Sie bleiben auch nach der endgültigen Abnahme der Skulptur in Betrieb. Die vier Eckpfeiler werden nach 2029 nicht abgebaut.

Mensch und Kunstwerk: Passant und „A Sky Full of Hope“
Mensch und Kunstwerk: Passant und „A Sky Full of Hope“Emil Eichinger

Entnommen worden sind die zwei Millionen Euro nicht dem Kulturetat. Sie stammen aus dem Förderprogramm „Initiative Innenstadt“, das die Stadtverordnetenversammlung im Juni 2022 beschloss. Es war mit 30 Millionen Euro ausgestattet und sollte der Aufwertung der Innenstadt nach dem Ende der Corona-Pandemie dienen. 1,2 Millionen Euro sollten zu diesem Zweck dem Lichtkunstfestival „Luminale“ zugutekommen, das von der Messe Frankfurt nach der Pandemie nicht weitergeführt wurde. Sie wären zum Jahresende 2024 verfallen, das Stadtmarketing sicherte sich die Summe für 2026, das Jahr, in dem Frankfurt den Titel „World Design Capital“ trägt. Der Nachtragshaushalt 2025 ermöglichte die Weiterverwendung, andere Dezernate stockten mit Resten aus ihren eigenen Etats auf.

Gefunden hat das Kulturdezernat mit Echelmans Installation aus Licht und Plastik eine Form, die in den öffentlichen Raum hineinwirkt. Große Skulpturen, die ihre Umgebung prägen sollen, gibt es in Frankfurt schon länger, von Jonathan Borofskys 21 Meter hohem „Hammering Man“ am Messeturm, der 1991 von Tishman Speyer und der Messe Frankfurt errichtet wurde, bis zur knapp zwölf Meter hohen Krawattenskulptur „Inverted Collar And Tie“ von Coosje van Bruggen und Claes Oldenburg, die 1994 von der DZ Bank vor ihrem Sitz an der Mainzer Landstraße aufgestellt wurde.

Vier Scheinwerfer und acht LED-Strahler: einer der vier Haltepfeiler des Kunstwerks
Vier Scheinwerfer und acht LED-Strahler: einer der vier Haltepfeiler des KunstwerksEmil Eichinger

Schon damals waren Werke wie diese nicht unumstritten. 1998 war in der F.A.Z. von Skulpturen im Frankfurter öffentlichen Raum die Rede, „denen ein Großteil der Bürger oft nichts abzugewinnen vermag und denen eine kleine radikale Minderheit mit unverhohlener Aggression begegnet“. Das gilt erst recht, wenn die Kunstwerke nicht aus privater Initiative entstehen, sondern von der öffentlichen Hand getragen werden, und hat sich im Fall von „A Sky Full of Hope“ abermals gezeigt. An den Kosten und dem in der Umbaupause nötigen Umzug des Erzeugermarkts wurde in den vergangenen Wochen viel herumgemäkelt. Echelman kennt das schon, sie findet es sogar gut. „Ich liebe es, Werke über Stadtstraßen und auf öffentlichen Plätzen zu installieren, denn das sind Orte, an denen sich jeder berechtigt fühlt, sich zu beteiligen“, sagte sie der F.A.Z im März.

Sie weiß, dass Kunst im öffentlichen Raum gelegentlich sozialen Zwecken dient, obwohl das aus Sicht vieler Künstler lange nicht wünschenswert war. So hilft die 150 mal 70 mal 26 Meter große Holzskulptur „Metropol Parasol“ auf der Plaza de la Encarnación in der Altstadt von Sevilla seit 2011 bei der Verbesserung des Stadtklimas im heißen andalusischen Sommer. Der Schatten, den das Werk des deutschen Architekten Jürgen Mayer spendet, kühlt die Umgebung, schützt Gewerbe und erleichtert die Zusammenkunft unter freiem Himmel bei mehr als 40 Grad. Das Kleinklima der Konstablerwache soll „A Sky Full of Hope“ nicht beeinflussen, das soziale aus Sicht der Stadt durchaus.

Da Vögel das im Licht farblich changierende Gebilde als bewegliches Element wahrnehmen, vor dem sie zurückscheuen, ist aus Sicht der Stadt zudem sichergestellt, dass sie sich nicht in den Netzen verfangen, was Tierschützer freuen wird. Wenn die Skulptur, die in ihrer exakten Ausdehnung auch für den Menschen schwer einzuschätzen ist, diese Abschreckung auch weiterhin entfaltet, dürfte zudem die von manchen Beobachtern schon lustvoll vorhergesagte Verschandelung des Kunstwerks und des Platzes unter ihm durch Taubendreck ausbleiben. Zumindest am Montag setzte sich während des Beobachtungszeitraums keine einzige der Tauben, die auf dem Pflaster zahlreich herumpickten, auf Seile und Netze.