Kopftuchverbot schadet Mädchen mehr, als es nützt, sagt feministische Influencerin bei "Das Gespräch" im ORF


TV-Tagebuch

Kopftuchverbot schadet Mädchen mehr, als es nützt, sagt feministische Influencerin bei "Das Gespräch" im ORF

Nur El-Huda Chehade ortet bei Susanne Schnabl populistische Politik: "Frauen oder Mädchen wurden immer vorgehalten, wenn man eigentlich Islamismus bekämpfen wollte“

Doris Priesching

Eine Diskussionsrunde im TV-Studio mit vier Personen, moderiert von einer Frau in rotem Blazer. Drei Gäste, zwei Männer und eine Frau, sitzen an einem runden Tisch. Im Hintergrund ist eine abstrakte, beleuchtete Wand zu sehen.
Bei Susanne Schnabls "Das Gespräch", ORF: Ümit Vural, Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft IGGÖ (re.), Yannick Shetty, Neos-Klubobmann und Nur El-Huda Chehade, muslimische Influencerin.

Was in der Diskussion um das Kopftuchverbot besonders auffällt: Die, die es betrifft – Mädchen und junge Frauen – kommen kaum zu Wort. Eine Beobachtung, die auch Susanne Schnabl am Sonntag im ORF an den Beginn von Das Gespräch machte. Die hitzige Debatte, wie sie aktuell geführt wird, bildete sich an dem Abend in Teilen ab und macht es nicht einfacher: Alle haben ihre Gründe.

Nur El-Huda Chehade trug 17 Jahre lang Hijab. Als die muslimische Influencerin die Kopfbedeckung abnahm und das öffentlich machte, erhielt sie Morddrohungen. Das jetzige Verbot verfehle aber das Ziel, weil der Druck nach Hause verlagert werde.

Kopftuch als Gefahr

Auf die Kinder in den Schulen wirke es als Gefahr und könne von ihnen als antimuslimischer Rassismus wahrgenommen werden. Insofern schade es Mädchen mehr, als es nütze. Chehade ortet populistische Politik: "Frauen oder Mädchen wurden immer vorgehalten, wenn man eigentlich Islamismus bekämpfen wollte."

Für Neos-Klubobmann Yannick Shetty, hat die gestiegene Zahl an der Kopftuch tragenden Mädchen den Ausschlag gegeben, seine Meinung zu ändern. Mittlerweile spricht man schätzungsweise von 12.000 jungen Frauen. Die Zahl ist allerdings umstritten. Das neue Verbot sieht er mit Maßnahmen begleitet und deshalb nicht populistisch.

Das sieht Ümit Vural anders. "Muss man wirklich diese Politik unter den schwächsten, den verletzlichsten im Gesetz, unseren Kindern austragen?", fragt der Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft IGGÖ. Er muss sich Vorwürfe sowohl von Chehade als auch von Shetty gefallen lassen, die Organisation tue zu wenig gegen radikalen, aus der Türkei gesteuerten Islamismus. Vural spricht von "Jugendlichen, die wir nicht erreichen". (Doris Priesching, 14.9.2026)

Forum: 231 Postings

Ihre Meinung zählt.

Die Kommentare im Forum geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Benutzer:innen können diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die STANDARD Verlagsgesellschaft m.b.H. vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.