AfD-Wahlsieg in Sachsen-Anhalt: Kretschmer empört mit Witz – Land hätte man „aufteilen sollen“
Kretschmer verwirrt mit Scherz zu Sachsen-Anhalt-Wahl – Land hätte man „aufteilen sollen“
Stand: 07.09.2026, 19:50 Uhr
Lacher im Saal, Empörung im Netz: Sachsens Ministerpräsident Kretschmer nennt den AfD-Sieg in Sachsen-Anhalt einen „geschichtlichen Unfall“.
Dresden – Auch Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer wurde am Sonntagabend (6. September) mit dem Wahlsieg der AfD in Sachsen-Anhalt konfrontiert. Bei einem Talk zur Jubiläumsgala eines Dresdener Privattheaters reagierte Kretschmer zunächst mit einem Witz: „Sachsen-Anhalt ist leider ein geschichtlicher Unfall“, so der Ministerpräsident. „Wir hätten dieses Land vielleicht aufteilen sollen.“

Wie Sachsen Fernsehen berichtet, hatte die Moderatorin Kim Fisher bei der Gala der Dresdner Comödie Kretschmer auf Hochrechnungen nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt angesprochen. Im Publikum ernteten Kretschmers Bemerkungen einige Lacher, doch in den sozialen Medien stoßen sie auf Unverständnis.
Kretschmer reagiert mit Witz auf Landtagswahl in Sachsen-Anhalt – und erntet Kritik
Ein Nutzer nannte den Witz eine „peinliche und absolut untragbare Aussage, selbst wenn sie unter dem Vorbehalt des Humors getroffen wurde“. Weitere nannten die Aussage eine „Frechheit“ und forderten eine öffentliche Entschuldigung. Wieder andere störten sich an dem Wort „Unfall“ – der Begriff impliziere Überraschung, aber der Wahlsieg der AfD habe sich schon seit langem angebahnt.
Kretschmers Bemerkung ist eine Anspielung auf die Geschichte von Sachsen-Anhalt. Das Bundesland entstand im Jahr 1947 aus der preußischen Provinz Sachsen, Anhalt und kleineren braunschweigischen Gebieten. 1952 wurde das Bundesland aufgelöst und im Zuge der Wiedervereinigung 1990 mit leicht veränderten Grenzen neu gegründet. Zuvor war jedoch auch eine Aufteilung oder Fusion mit Sachsen diskutiert worden.
Kretschmer stößt Nutzern in den sozialen Medien vor den Kopf: CDU ist der AfD in Sachsen nur knapp voraus
Die AfD kam in Sachsen-Anhalt laut dem vorläufigen amtlichen Endergebnis auf 43,8 Prozent. Die CDU verlor hingegen stark und fuhr mit 17,2 Prozent eine Rekordniederlage ein. Kretschmer erkenne eine „äußerst bittere Entwicklung“. Er habe nur eine Hoffnung, betonte er in dem Gespräch: „Dass wir nicht in einer oder zwei Wochen wieder zur Tagesordnung übergehen, sondern dass wir jetzt wirklich endlich anfangen zu schauen: Was bewegt die Menschen, warum wählen sie so? Was kann man, wenn man Bundesregierung ist, ändern?“
Auch diese Aussagen stießen in den Kommentaren unter dem Beitrag von Sachsen Fernsehen auf Unverständnis. „Wie oft ist bei Ihnen eigentlich ‚jetzt‘?“, fragte ein Nutzer. Weitere kommentierten, dass der CDU bei der nächsten Wahl in Sachsen womöglich ein ähnliches Schicksal wiederfahren könnte. Bei der Wahl in Sachsen im September 2024 hatte die CDU nur knapp vor der AfD gewonnen. CDU und SPD regieren in dem Bundesland als Minderheitsregierung, ein Modell, das auch für Sachsen-Anhalt diskutiert wurde.
Sachsens Regierung richtet Blick nach Berlin – Sächsische Linke fordert Ende des Sozialabbaus
Im Gespräch mit der Leipziger Volkszeitung und der Sächsischen Zeitung betonte Kretschmer später: „Die Menschen erwarten Lösungen bei Migration und Sicherheit, bei Energiepreisen, Wirtschaft und Arbeitsplätzen – und einen Staat, der funktioniert.“ Dafür brauche es einen Gesellschaftskonsens über Parteigrenzen hinweg. „Haltung ersetzt das Handeln nicht.“
Für die sächsische Sozialministerin Petra Köpping (SPD) geht der Blick „nun nach Berlin“. Sie forderte im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur: „Die Bundesregierung muss deutlich machen, dass sie die richtigen Lehren aus diesem Ergebnis zieht.“ Die sächsische Linke forderte einen Schluss des Sozialabbaus. (Quellen: Sachsen Fernsehen, Instagram, dpa) (lismah)