Kunst, aber eisgekühlt: Ausstellungen und Events für heiße Tage
Berlin erlebt dieses Jahr einen Rekordsommer, teils mit Temperaturen jenseits der 40-Grad-Marke. Wenn Eisdielen und Schwimmbäder ihren Reiz verlieren, bietet Kunst die ersehnte Erfrischung: Museen und Galerien sind, angenehm gekühlt, perfekte Rückzugsorte für einen heißen Sommernachmittag.
Für Sie haben wir eine Auswahl an Ausstellungen, Kultur- und Kunstevents, die neben physischer Abkühlung auch künstlerische Erfrischung versprechen. Stay cool!
1 Welcome to St. Tropez, Humboldthain

© promo
Kunst goes Freibad: Das Tropez, praktischerweise im Sommerbad Humboldthain gelegen, vereint Kunstgenuss mit Badevergnügen. Seit 2017 versorgt die Galerie hitzegeplagte Berliner:innen jede Badesaison mit Ausstellungen.
Die aktuelle Schau „PRÉSENT“ feiert das – aktuell brühwarme – Hier und Jetzt mit zehn künstlerischen Positionen. Darunter die Videoinstallation „They Can Chop Wood“ von Ileana Farabani, inszeniert im Fenster eines ehemaligen Kiosks.
Farabani thematisiert weibliche Wut als politische Form kollektiven Ausdrucks. Während Männer ihre Wut häufig (bestenfalls beim Holzhacken) frei herauslassen, müssen Frauen diese im Alltag oft herunterschlucken, deeskalieren und schlichten. Die Arbeit fordert Raum für jene unterschätzte Emotion.

© Ileana Farabani, Foto: Studio Bessemer
Neben erhitzten Gemütern gibt es im Tropez auch Abkühlung, zum Beispiel bei der Tanzperformance „Abanicar“ (spanisch: „fächern“, Sa 22.8., 13 Uhr) von Belle Santos, eine Hommage an die handliche Abkühlungstechnologie. Von kaiserlichen Höfen bis in queere Ballrooms ist der Fächer mehr als ein Gebrauchsgegenstand: Er ist Schutzschild, Sprache und Symbol queerer Sichtbarkeit. (aba)
2 Im kühlen Nass

© Lobzang Dadul, Courtesy of Sonam Wangchuk
Wasser ist unser bester Freund, und das nicht nur während der aktuellen Hitzewelle. Das Humboldt Forum widmet dem nicht zu unterschätzenden Element eine ganze Ausstellung, die sowohl aktuelle Forschungsprojekte Berliner Universitäten als auch künstlerische Positionen umfasst.

© Stiftung Deutsches Technikmuseum Berlin Foto: Philipp Plum
Beim Schlendern durch die wunderbar gekühlten Ausstellungsräume lernt man über den Kreislauf des Wassers, seine Anpassungsfähigkeit und Verbindungskraft und wie Menschen auf Knappheit oder Überflutungen reagieren. Wissensdurst gestillt.(aba)
3 Planschen, aber aus Protest

© imago/PEMAX
Am Samstag, 7. August, 12 Uhr, eröffnet Intendant Matthias Lilienthal das „Volksbad“, ein 25 Meter langes Becken vor der Volksbühne. Besucher:innen können sich dort, mit einem Zeitfensterticket, kostenlos abkühlen.
Hinter der nachbarschaftlichen Geste steckt auch eine Kritik an der sich seit Jahrzehnten im Abbau befindenden städtischen Infrastruktur: Schwimmbäder sind in der Stadt ungleich verteilt und teils äußerst sanierungswürdig.
Komplimentiert durch Duschen, Toiletten, Umkleiden und eine Pommesbude im Eingang des Grünen Salons dürfte sich der Badespaß, zumindest für die Besucher:innen, doch eher nach einem entspannten Freibadnachmittag als nach einer Protestaktion anfühlen. (aba)
Unsere Kolleg:innen haben die Bauarbeiten des Volksbads begleitet und mit dem Intendanten gesprochen. Den Text können Sie hier lesen.
4 Ruhepause zwischen Betonplatten

© CECILIA ZAWADZKI
Geheimtipp für Fans von „The Brutalist“, für lichtscheue Vampire und Fledermäuse: „The Quiet Space“ im Kraftwerk Berlin. Programm: das große Nichts.
Das Innere des riesigen Industriegebäudes wird zum Rückzugsort (bis 16.8.). Man darf den Ort bei freiem Eintritt erkunden, mal leer und frei von Inhalten und Infrastruktur wahrnehmen und hat endlich mal seine Ruhe in der Stadt, etwa „zum Innehalten, Nachdenken und Wiederfinden“, wie die Macherinnen vorschlagen.
Und hat – besonders attraktiv, angesichts der wiedergekehrten Sommerhitze – einen Schattenplatz. Die Regeln: kein Telefonieren, kein Essen, keine Hunde, kein Rumrennen. (ans)
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5 Abkühlung am Wildenbruch

© Caligola/Lotta Beckers, Foto: Michelle Mantel
An Hitzetagen ist es am besten, sich möglichst nahe an kühlenden Gewässern aufzuhalten. Das Weigandufer ziert eine begrünte Uferpromenade, die man wunderbar entlangspazieren kann. Lohnendes Ziel eines Spaziergangs ist die Kunstbrücke am Wildenbruch, eine ehemalige Toilettenanlage, die als Galerie fungiert.
Die aktuelle Ausstellung „Berlin, the Bitch and the Witch“ nimmt Silvia Federicis Analyse der europäischen Hexenverfolgungen zu ihrem Ausgangspunkt.
Federici versteht dieses dunkle Kapitel der Geschichte nicht nur als Ausdruck irrationalen Aberglaubens, sondern als Strategie zur Disziplinierung von Frauen und zur Selbstbereicherung: Nicht selten gelangten Ländereien von der Hexerei bezichtigten Frauen in die Hände des Anklägers. 030902393788

© Ana Hupe, Foto: Michelle Mantel
Die ausstellenden Künstler:innen erkennen ähnliche Mechanismen im Kapitalismus der Gegenwart, der sich immer mehr Teile des Lebens (und der Stadt) einverleibt. Ihre Antwort? Magie!
Die ausgestellten Installationen, Grafiken und Videoarbeiten sind Teil einer kontemporären, magischen Praxis, die kapitalistischen Verwünschungen (Gentrifizierung, Ungleichheit...) etwas entgegensetzen soll. (aba)
6 Der Hitze zum Trotz: kreativ werden
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Manchmal muss man den Tatsachen einfach ins Auge sehen, beziehungsweise das Beste aus der Hitze machen.
Der Hamburger Bahnhof geht mit gutem Beispiel voran: Beim Cyanotypie-Workshop „Mach’ ma blau“ (Fr 7.8., Sa 12.9., Sa 10.10., Sa 7.11.) wird die Kraft der Sonne genutzt, um mittels einer lichtempfindlichen Emulsion Kunstdrucke zu erschaffen – im typischen „Preußisch Blau“ einer Cyanotypie.
In der Gemäldegalerie dreht sich bei dem mehrtägigen Ferien-Workshop „Wasser – von Badefreuden bis Seemannsgarn“ (Di-Do 11.-13.8.) alles um das kühle Nass. Kinder von 6 bis 9 Jahren entdecken Geschichten von Badespaß über Schiffsreisen bis zu gewaltigen Stürmen auf hoher See.
Danach dürfen sie ihr eigenes Seemannsgarn spinnen – mit echtem Sand und Bastelmaterialien gestalten sie Traumstrände und Seemonster. Die Hitze ist so längst vergessen, und die Langeweile auch. (aba)