Kunst, aber eisgekühlt: Ausstellungen und Events für heiße Tage


Berlin erlebt dieses Jahr einen Rekordsommer, teils mit Temperaturen jenseits der 40-Grad-Marke. Wenn Eisdielen und Schwimmbäder ihren Reiz verlieren, bietet Kunst die ersehnte Erfrischung: Museen und Galerien sind, angenehm gekühlt, perfekte Rückzugsorte für einen heißen Sommernachmittag.

Für Sie haben wir eine Auswahl an Ausstellungen, Kultur- und Kunstevents, die neben physischer Abkühlung auch künstlerische Erfrischung versprechen. Stay cool!

1 Welcome to St. Tropez, Humboldthain

Tropez Kunstraum im Sommerbad Humboldthain, 2024
Irgendwo zwischen tropischem Paradies und Berliner Schwimmbad: Kunstgalerie Tropez

© promo

Kunst goes Freibad: Das Tropez, praktischerweise im Sommerbad Humboldthain gelegen, vereint Kunstgenuss mit Badevergnügen. Seit 2017 versorgt die Galerie hitzegeplagte Berliner:innen jede Badesaison mit Ausstellungen.

Die aktuelle Schau „PRÉSENT“ feiert das – aktuell brühwarme – Hier und Jetzt mit zehn künstlerischen Positionen. Darunter die Videoinstallation „They Can Chop Wood“ von Ileana Farabani, inszeniert im Fenster eines ehemaligen Kiosks.

Farabani thematisiert weibliche Wut als politische Form kollektiven Ausdrucks. Während Männer ihre Wut häufig (bestenfalls beim Holzhacken) frei herauslassen, müssen Frauen diese im Alltag oft herunterschlucken, deeskalieren und schlichten. Die Arbeit fordert Raum für jene unterschätzte Emotion.

THEY CAN CHOP WOOD2026
Videoinstallation von Ileana Farabani, Teil der Ausstellung "Présent" im Tropez, Sommerbad Humboldthain
Ileana Farabani, Foto: Studio Bessemer
„They Can Chop Wood“ (Videoinstallation) von Ileana Farabani: Erhitzte Gemüter sind ungleich verteilt.

© Ileana Farabani, Foto: Studio Bessemer

Neben erhitzten Gemütern gibt es im Tropez auch Abkühlung, zum Beispiel bei der Tanzperformance „Abanicar“ (spanisch: „fächern“, Sa 22.8., 13 Uhr) von Belle Santos, eine Hommage an die handliche Abkühlungstechnologie. Von kaiserlichen Höfen bis in queere Ballrooms ist der Fächer mehr als ein Gebrauchsgegenstand: Er ist Schutzschild, Sprache und Symbol queerer Sichtbarkeit. (aba)

2 Im kühlen Nass

On Water: WasserWissen in Berlin/ Humboldtforum
Ein sogenannter Eisstupa ist ein künstlich aufgeschichteter Eiskegel, der im Himalaya zur Speicherung von Schmelzwasser dient und so Wasserknappheit lindern soll.Copyright:Lobzang Dadul, Courtesy of Sonam Wangchuk
Ein sogenannter Eisstupa ist ein künstlich aufgeschichteter Eiskegel, der im Himalaya zur Speicherung von Schmelzwasser dient und so Wasserknappheit lindern soll.

© Lobzang Dadul, Courtesy of Sonam Wangchuk

Wasser ist unser bester Freund, und das nicht nur während der aktuellen Hitzewelle. Das Humboldt Forum widmet dem nicht zu unterschätzenden Element eine ganze Ausstellung, die sowohl aktuelle Forschungsprojekte Berliner Universitäten als auch künstlerische Positionen umfasst.

On Water: WasserWissen in Berlin/ Humboldtforum
Beschreibung:Die Ausstellung erinnert an das fast vergessene Museum für Meereskunde, eines der beliebtestenMuseen Berlins, bevor es 1945 zerstört wurde. Die Dermoplastik eines Königspinguins gehört zu denwenigen erhaltenen Stücken der biologischen SammlungCopyright:Stiftung Deutsches Technikmuseum Berlin Foto: Philipp Plum
Die Dermoplastik eines Königspinguins gehört zu den wenigen erhaltenen Stücken der biologischen Sammlung des 1945 zerstörten Museums für Meereskunde.

© Stiftung Deutsches Technikmuseum Berlin Foto: Philipp Plum

Beim Schlendern durch die wunderbar gekühlten Ausstellungsräume lernt man über den Kreislauf des Wassers, seine Anpassungsfähigkeit und Verbindungskraft und wie Menschen auf Knappheit oder Überflutungen reagieren. Wissensdurst gestillt.(aba)

3 Planschen, aber aus Protest

25m langes Schtemporaeres Schwimmbecken vor Volksbuehne. *** A 25-meter-long temporary swimming pool in front of the Volksbühne

planschen vor der Volksbühne, mitten in der Stadt? Dieses Jahr wird es möglich!

© imago/PEMAX

Am Samstag, 7. August, 12 Uhr, eröffnet Intendant Matthias Lilienthal das „Volksbad“, ein 25 Meter langes Becken vor der Volksbühne. Besucher:innen können sich dort, mit einem Zeitfensterticket, kostenlos abkühlen.

Hinter der nachbarschaftlichen Geste steckt auch eine Kritik an der sich seit Jahrzehnten im Abbau befindenden städtischen Infrastruktur: Schwimmbäder sind in der Stadt ungleich verteilt und teils äußerst sanierungswürdig.

Komplimentiert durch Duschen, Toiletten, Umkleiden und eine Pommesbude im Eingang des Grünen Salons dürfte sich der Badespaß, zumindest für die Besucher:innen, doch eher nach einem entspannten Freibadnachmittag als nach einer Protestaktion anfühlen. (aba)

Unsere Kolleg:innen haben die Bauarbeiten des Volksbads begleitet und mit dem Intendanten gesprochen. Den Text können Sie hier lesen.

4 Ruhepause zwischen Betonplatten

Kraftwerk Berlin

Kühl, steril und dunkel: Bei Hitze wirkt die Architektur des Kraftwerk Berlin überaus einladend.

© CECILIA ZAWADZKI

Geheimtipp für Fans von „The Brutalist“, für lichtscheue Vampire und Fledermäuse: „The Quiet Space“ im Kraftwerk Berlin. Programm: das große Nichts.

Das Innere des riesigen Industriegebäudes wird zum Rückzugsort (bis 16.8.). Man darf den Ort bei freiem Eintritt erkunden, mal leer und frei von Inhalten und Infrastruktur wahrnehmen und hat endlich mal seine Ruhe in der Stadt, etwa „zum Innehalten, Nachdenken und Wiederfinden“, wie die Macherinnen vorschlagen.

Und hat – besonders attraktiv, angesichts der wiedergekehrten Sommerhitze – einen Schattenplatz. Die Regeln: kein Telefonieren, kein Essen, keine Hunde, kein Rumrennen. (ans)

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5 Abkühlung am Wildenbruch

Eröffnung der Ausstellung „Berlin, the Bitch and the Witch“ © Foto Michelle Mantel
@ Kunstrbücke am Wildenbruch 2026
Werke von Caligola (links) und Lotta Beckers (rechts, Videoarbeit auf dem Boden)

Eröffnung der Ausstellung „Berlin, the Bitch and the Witch“, mit Werken von Caligola (links) und Lotta Beckers (rechts, Videoarbeit auf dem Boden).

© Caligola/Lotta Beckers, Foto: Michelle Mantel

An Hitzetagen ist es am besten, sich möglichst nahe an kühlenden Gewässern aufzuhalten. Das Weigandufer ziert eine begrünte Uferpromenade, die man wunderbar entlangspazieren kann. Lohnendes Ziel eines Spaziergangs ist die Kunstbrücke am Wildenbruch, eine ehemalige Toilettenanlage, die als Galerie fungiert.

Die aktuelle Ausstellung „Berlin, the Bitch and the Witch“ nimmt Silvia Federicis Analyse der europäischen Hexenverfolgungen zu ihrem Ausgangspunkt.

Federici versteht dieses dunkle Kapitel der Geschichte nicht nur als Ausdruck irrationalen Aberglaubens, sondern als Strategie zur Disziplinierung von Frauen und zur Selbstbereicherung: Nicht selten gelangten Ländereien von der Hexerei bezichtigten Frauen in die Hände des Anklägers. 030902393788

Ausstellung "Berlin, the Bitch and the Witch"
@ Kunstbrücke am Wildenbruch 2026
Fotogramme von Ana Hupe, Foto: Michelle Mantel

Berlin, the Bitch and the Witch: Fotogramme von Ana Hupe.

© Ana Hupe, Foto: Michelle Mantel

Die ausstellenden Künstler:innen erkennen ähnliche Mechanismen im Kapitalismus der Gegenwart, der sich immer mehr Teile des Lebens (und der Stadt) einverleibt. Ihre Antwort? Magie!

Die ausgestellten Installationen, Grafiken und Videoarbeiten sind Teil einer kontemporären, magischen Praxis, die kapitalistischen Verwünschungen (Gentrifizierung, Ungleichheit...) etwas entgegensetzen soll. (aba)

6 Der Hitze zum Trotz: kreativ werden

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Manchmal muss man den Tatsachen einfach ins Auge sehen, beziehungsweise das Beste aus der Hitze machen.

Der Hamburger Bahnhof geht mit gutem Beispiel voran: Beim Cyanotypie-Workshop „Mach’ ma blau“ (Fr 7.8., Sa 12.9., Sa 10.10., Sa 7.11.) wird die Kraft der Sonne genutzt, um mittels einer lichtempfindlichen Emulsion Kunstdrucke zu erschaffen – im typischen „Preußisch Blau“ einer Cyanotypie.

In der Gemäldegalerie dreht sich bei dem mehrtägigen Ferien-Workshop „Wasser – von Badefreuden bis Seemannsgarn“ (Di-Do 11.-13.8.) alles um das kühle Nass. Kinder von 6 bis 9 Jahren entdecken Geschichten von Badespaß über Schiffsreisen bis zu gewaltigen Stürmen auf hoher See.

Danach dürfen sie ihr eigenes Seemannsgarn spinnen – mit echtem Sand und Bastelmaterialien gestalten sie Traumstrände und Seemonster. Die Hitze ist so längst vergessen, und die Langeweile auch. (aba)