Kurioser Vorfall: Nach Grillen-Spektakel in Trierer Dom – Was mittlerweile klar ist und was nicht


Kurioser Vorfall Nach Grillen-Spektakel in Trierer Dom – Was mittlerweile klar ist und was nicht

Trier · Ein Karton mit 50 Grillen, ein Domhausmeister mit Staubsauger und viele offene Fragen: Wie eine Woche nach dem kuriosen Grillen-Vorfall im Trierer Dom der Stand der Dinge ist.

21.10.2026 , 14:06 Uhr

 Symbolfoto: Diese Grille stammt zwar aus den USA, so ähnlich sehen aber auch die Mittelmeer-Grillen aus, die ein Mann letzte Woche im Trierer Dom freigelassen hat.

Symbolfoto: Diese Grille stammt zwar aus den USA, so ähnlich sehen aber auch die Mittelmeer-Grillen aus, die ein Mann letzte Woche im Trierer Dom freigelassen hat.

Foto: Getty Images/iStockphoto/JJ Gouin

Ein Konzert, das keiner bestellt hatte: Das gab es am vergangenen Mittwoch, 14. Oktober, im Trierer Dom. Rund 50 Mittelmeergrillen gaben zur Mittagszeit ein „Zirp“-Konzert. Wie es dazu kam? Ein 72-Jähriger hatte die Insekten im Inneren des Doms, genauer gesagt in der Heilig-Rock-Kapelle, freigelassen. In einer ersten Polizeimeldung vergangenen Donnerstag war jedoch die Rede von 500 Insekten. Was hatte es damit auf sich?

50 oder 500? So viele Insekten wurden im Dom ausgesetzt

Der Grund für die ursprünglich angegebene hohe Zahl von 500 war schlicht der Karton, erklärt die Polizei auf Nachfrage. Die Beamten fanden bei dem 72-Jährigen den Karton, den er in den Dom mitgenommen hatte. Die Aufschrift: „Mittelmeergrillen, 500 Stück, Einzelfutter“. Daher sei man zunächst davon ausgegangen, dass es auch 500 Insekten gewesen seien, die ausgesetzt worden waren.

Der Domhausmeister habe schließlich begonnen, die Tiere zu entfernen und habe dabei laut eigener Aussage rund 50 Grillen gezählt. „Wie viele letztlich tatsächlich ausgesetzt wurden, wie viele mal im Karton waren und was gegebenenfalls mit den übrigen Grillen passiert ist, ist unklar“, erklärt Sprecherin Jana Ernst auf Nachfrage unserer Redaktion.

Weiterhin keine Hinweise auf Motiv des 72-Jährigen

Offen bleibt jedoch das Motiv des Mannes. Dazu gibt es auch eine Woche später keine gesicherten Erkenntnisse. Die Ermittlungen dauerten an, mehr könne sie aktuell nicht sagen, so Ernst.

Bei einer ersten Befragung vergangene Woche hatte der Mann sich nicht äußern wollen. Nach der Aufnahme der Personalien und der Vernehmung wurde der 72-Jährige entlassen. Die Polizei hatte gegen den Mann ein Strafverfahren wegen des Verdachts der Störung der Religionsausübung gemäß § 167 Strafgesetzbuch (StGB) eingeleitet. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Bistum: Hausverbot vorerst offen

Ein Hausverbot hat das Bistum Trier gegen den Mann vorerst nicht ausgesprochen, ergibt eine Nachfrage am Mittwoch. „Eine Entscheidung darüber wird erfolgen, wenn weitere Erkenntnisse vorliegen, die sich aus den polizeilichen Ermittlungen ergeben“, erklärt Sprecherin Inge Hülpes dazu.

Das Bistum hatte bereits vergangene Woche unserer Redaktion gegenüber erklärt, keinen Strafantrag zu stellen. Man wolle sich jedoch zeitnah mit der Trierer Polizei austauschen und sich hinsichtlich möglicher weiterer Sicherheitsmaßnahmen beraten lassen.

In der Heilig-Rock-Kapelle hatte der Mann die Grillen am Mittwoch, 14. Oktober, freigelassen.

In der Heilig-Rock-Kapelle hatte der Mann die Grillen am Mittwoch, 14. Oktober, freigelassen.

Foto: Trierischer Volksfreund/Claire Herrmann

„Herr der Grillen“: Identifikation durch aufmerksame Zeugin ermöglicht

Dass der Mann, der die Grillen ausgesetzt hatte, gefasst wurde, war übrigens einer aufmerksamen Zeugin zu verdanken. Sie beobachtete, wie der Mann die Tiere aus besagtem Karton in der Heilig-Rock-Kapelle im Trierer Dom freiließ und das Gotteshaus anschließend verließ. Sie folgte ihm und verständigte währenddessen die Polizei, die ihn am nahe gelegenen Rindertanzplatz antraf. Zu dem Zeitpunkt war der Karton laut Polizei bereits leer.

Das Bistum hatte die betroffenen Bereiche des Doms vergangenen Mittwoch temporär gesperrt, damit der Domhausmeister die Insekten entfernen konnte. Die Sperrung sei innerhalb einer knappen Stunde wieder aufgehoben worden. Zu Sachbeschädigungen im Gotteshaus kam es laut Bistum nicht.

Die ausgesetzten Grillen haben den „Ausflug“ in den Dom übrigens vermutlich nicht überlebt. Der Domhausmeister habe die Grillen mit einem Staubsauger entfernt, draußen ein haushaltsübliches Insektenspray in den Beutel gesprüht, diesen in einen weiteren Müllbeutel gepackt und mit dem Restmüll entsorgt.