Lang-Debüttreffer beschert dem ÖFB-Team ein 1:1 im Kosovo
Nations League
Lang-Debüttreffer beschert dem ÖFB-Team ein 1:1 im Kosovo
Rangnicks Team verteidigte die Nations-League-Tabellenführung in einem Match auf überschaubarem Niveau
Martin Schauhuber
Dank des ersten Teamtors von Christoph Lang hat Österreich auch das vierte Match der heurigen Nations League ohne Niederlage überstanden. Der LASK-Profi traf gegen den Kosovo in der 85. Minute zum 1:1-Endstand, zuvor hatte Fisnik Asllani für eine sehr schmeichelhafte Führung der Gastgeber gesorgt. Das Match in Prishtina war kein Fall für Schöngeister. Über weite Strecken schien es sich den überwiegend brutalistischen Wahrzeichen der kosovarischen Hauptstadt anzupassen, was nicht zuletzt dem grässlichen Platz geschuldet war.
Ralf Rangnick wechselte im Vergleich zum Donnerstags-2:2 gegen Irland sechsmal durch. Im Tor stand wie angekündigt Alexander Schlager, vor ihm feierte Lyon-Innenverteidiger Felix Bacher sein Teamdebüt. Auch Kevin Danso war nach abgesessener Gelbsperre zurück. Links hinten begann diesmal Konrad Laimer, rechts verteidigte wie gehabt Stefan Posch. Die Doppelsechs bestand wie in Dublin aus Nicolas Seiwald und Xaver Schlager, den linken Zehner gab Alexander Prass, im Herz der Offensive spielte Romano Schmid und rechts kickte Patrick Wimmer. Als Sturmspitze vertraute Rangnick auf Kapitän Michael Gregoritsch.
Rumpelkick auf Rumpelrasen
Am Tag vor dem Match war der kaputte Rasen das größte Thema gewesen, und der Teamchef hatte nicht zu viel befürchtet. Der Maulwurf spielte mit. Ähnlich schwierig war die Outfitwahl des ÖFB-Teams, zu den cremeweißen Kaffeehaus-Oberteilen gab es mintgrüne Hosen.
Die erste Annäherung kam von den Gastgebern, doch auf Kopfballungeheuer Danso war Verlass (3.). Die Partie war fast noch zerfahrener als der Rasen. Nach einem kollektiven Zuordnungsfehler durfte Dion Gallapeni von links hereingeben, diesmal putzte Danso per pedes aus. Die nächste kosovarische Hereingabe fand den Fuß von Veldin Hodža, er lenkte die Kugel am langen Eck vorbei. Dann durfte auch mal Österreich: Wimmer setzte Posch ein, der flankte sehr ordentlich, doch Goalie Amir Saipi pratzelte Gregoritschs Kopfball über das Tor (10.).
Ungeachtet des Ackers versuchten beide Teams ihr übliches Spiel aufzuziehen. Österreich hatte mehr Ballbesitz und erarbeitete sich eine kleine Serie von Standardsituationen, blieb bei diesen aber völlig ungefährlich. Ein Steilpass auf Edon Zhegrova hätte diesen allein aufs Tor geschickt, doch Danso hatte dagegen ein ganz langes Bein einzuwenden. Ein Wimmer-Ballgewinn servierte die bis dato beste ÖFB-Chance, doch Gregoritsch übersah im Strafraum den völlig freien Prass und schoss selbst einen Verteidiger an (19.). Wenig später ging Prass im Strafraum recht leicht zu Boden, bekam aber keinen Elfer.
Wenig Aufreger
Nach zehn Minuten offensiver Untätigkeit spielte sich auch Franco Fodas Elf mal wieder nach vorne, den gefährlichen Stanglpass von links entsorgte, Sie ahnen es schon, Danso (24.). Auf der anderen Seite prüfte Prass Saipi mit einem Weitschuss. Minute 32: Eckball von rechts, Poschs Kopfball flippert zwar kurz zwischen Goalie und Verteidiger durch den Fünferraum, wird aber ausgeputzt.
Drüben kam dann der Moment, der Alexander Schlagers Aufwärmen einen Sinn gab: Vojvoda wollte Flanken, schoss aber in die Hände des Goalies (33.). Das ÖFB-Team blieb dominant, kam aber nicht gefährlich in den Strafraum. Die Konterversuche des Kosovo verpufften meist schon auf Höhe der Mittellinie.
Ein kapitales Blackout bescherte den Gastgebern beinahe die Führung. Danso stolperte bei einem unpräzisen Rückpass von Xaver Schlager, dessen Namensvetter Alexander reagierte ideal: Er erwartete den kosovarischen Erben des Balles an der Strafraumgrenze und spitzelte diesem den Ball vom Fuß (45.). In der Nachspielzeit verlängerte Gregoritsch noch einen Eckball aufs Tor, Saipi hielt das 0:0 fest.
In der Pause bekam Valon Berisha seinen Abschied aus dem Nationalteam, die etwa 13.000 Zuschauer abzüglich des Auswärtssektors sagten dem Ex-Salzburg- und LASK-Kicker "faleminderit" für 52 Länderspiele. Und wofür hatten die Österreich-Fans zu danken? Für tadellosen Einsatz, für spielerische Überlegenheit, aber nicht für Glanzmomente.
Der Kosovo kommt auf
Ohne Wechsel ging es in Halbzeit zwei. Der herrlich angenehme Abend war da schon längst einer doch recht zapfigen Nacht gewichen, Prishtina liegt auf über 600 Metern Seehöhe. Österreich blieb spielbestimmend, doch meist früher als später kam ein übler Kurzpass oder eine kapital abgerissene Flanke. Gewiss war da gelegentlich der Rasen Schuld, aber nicht jedes Mal.
Nun kam der Kosovo auf. Dass Schlager einen Dellova-Schuss aus 20 Metern abprallen ließ, blieb ungestraft – Abstauber Hodža war vor seinem Treffer meterweit im Abseits gestanden (51.). Zhegrova brachte den Ball nach einem starken Solo nicht zur Mitte, wenig später versuchte es der spielfreudige Kosovare mit einem Schuss aus gut 25 Metern, Schlager wehrte zum Corner ab (54.). Als Hodža am Fünferraum unbedrängt zum Kopfball hochstieg, holten die Fans schon kollektiv Luft, doch der Torschrei blieb ihnen im Hals stecken. Schlager parierte den zu unplatzierten Kopfball (56.).
Auf der anderen Seite versuchte es Laimer mit einem Aufsitzer aus der Distanz, die erhoffte Assistenz des Rübenackers blieb aus und Saipi sicherte die Kugel im zweiten Versuch. Es war jetzt eine muntere Partie. Schmid hatte rechts Platz, spielte auf Hüfthöhe zur Mitte, dort war Gregoritsch nur zweiter Sieger (60.). Nun griff Rangnick ein: Saša Kalajdžić, Christoph Lang und Marco Grüll ersetzten Schmid, Wimmer und Prass. Foda brachte zur großen Freude der Fans den Ex-Austria-Kicker Fisnik Asllani und Milot Rashica, Muriqi und Baton Zabergja mussten raus.
Gegentreffer und Stangenschuss
Keine drei Minuten später stand es 1:0. Seiwald kam gegen Zhegrova viel zu spät und ließ diesen in den Strafraum ziehen, sein präziser Querpass landete nahe des Elferpunkts bei Asllani, der ließ Schlager keine Chance (70.). Das ÖFB-Team wollte sofort reagieren – und rannte beinahe in den nächsten Gegentreffer. Rashica wurde im Konter nur von Danso begleitet, sein Schuss schepperte von der Stange mittig zurück. Bei Hodžas nächstem Versuch konnte sich Schlager auszeichnen (73.). Maximilian Wöber kam als Linksverteidiger, für den ins Mittelfeld vorrückenden Laimer machte Seiwald Platz.
Eine Viertelstunde blieb Rangnicks Elf noch, um die Niederlage zu verhindern. Gregoritsch fehlten bei einer scharfen Grüll-Hereingabe ein paar Schuhgrößen (77.), Grüll war bei einer Wöber-Flanke einen Tick zu klein (80.). Die Gastgeber igelten sich im 5-4-1 ein.
Die Lösung war ein Einwurf von Danso: Kalajdžić verlängerte per Kopf auf LASK-Teamkollege Lang, der holte sich mit einem herrlich präzisen Kopfball sein erstes Länderspieltor (85.).
Hektisches Finish
Österreich wollte nun den Sieg – und vergaß dabei fast aufs Verteidigen. Danso fabrizierte als vorletzter Mann einen kapitalen Fehlpass, Wöber putzte gedankenschnell aus. In der Nachspielzeit brannte es noch einmal gewaltig: Danso fabrizierte eine Kerze in den eigenen Strafraum, Schlager faustete äußerst unsouverän Richtung Sechzehnergrenze und hatte Glück, dass Danso gegen Ermal Krasniqis Schuss auf das halbleere Tor zeitgerecht den Fuß hinbrachte. Xaver Schlager musste noch einen Zweikampf im eigenen Strafraum gewinnen, dann war Schluss. Österreich geht als Tabellenführer in die abschließenden zwei Matches gegen Irland (14.11. in Linz) und Israel (17.11. in Debrecen). (Martin Schauhuber aus Prishtina, 4.10.2026)
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