Lautern holt VfL Wolfsburg auf den Boden der Zweitliga-Realität


Mergim Berisha und Hauke Wahl

Favorit strauchelt zum Start Lautern holt Wolfsburg auf den Boden der Zweitliga-Realität

Stand: 08.08.2026 • 22:25 Uhr

Der VfL Wolfsburg gilt als haushoher Favorit auf den Aufstieg in der 2. Liga und hätte das gegen den 1. FC Kaiserslautern gerne direkt untermauert. Der Plan ging aber nicht auf, der Bundesliga-Absteiger verpatzte beim 0:0 den Start, bei dem beide Teams Chancen auf den Sieg vergaben.

Sebastian Hochrainer

"Vor dem Spiel wären wir damit zufrieden gewesen, so waren wir von der Qualität der Torchancen her näher am Sieg. Aber dafür mussten wir viel arbeiten und die Wolfsburger haben gezeigt, warum sie der absolute Topfavorit sind", sagte Lautern-Trainer Torsten Lieberknecht im Sportschau-Interview. Und sein Gegenüber Tobias Strobl meinte: "Es ist sehr positiv, dass wir nicht kopflos wurden, da kann man schnell auch mit einem 0:1 starten. Wir sind kontrolliert geblieben, das ist ein guter Schritt."

Erst belohnt sich Lautern nicht, dann verzweifelt Damar

Als die Zweitliga-Saison 1996/97 begonnen hatte, waren die "Wölfe" und die "Roten Teufel" letztmals gemeinsam dabei - und sie verließen die 2. Liga nach einem Jahr auch gemeinsam Richtung Bundesliga. In diesen 30 Jahren gingen die Wege seitdem in ganz unterschiedliche Richtungen, Wolfsburg wurde Deutscher Meister und Pokalsieger, Lautern spielte mehrere Jahre in der 3. Liga und kämpfte dort sogar zeitweise ums Überleben. Doch jetzt sind sie wieder auf Augenhöhe, zumindest ligatechnisch.

Ob das sportlich auch zutrifft, sollte das direkte Duell zeigen. Wolfsburg gilt aufgrund des für die 2. Liga überdimensionalen Etats und hochklassigen Kaders als Aufstiegsfavorit, Kaiserslautern würde im Rennen auch gerne eine Rolle spielen - und das zeigten die Gäste auch. Naatan Skyytä hatte in der sehr mutigen Anfangsphase die erste Chance, scheiterte aber aus kurzer Distanz an Jakub Zielinski (7.). Mindestens genauso groß war die Gelegenheit für Simon Asta, der aber unerklärlicherweise freistehend aus sieben Metern weit übers Tor köpfte (13.).

Wolfsburg wackelte bei der Rückkehr in die 2. Liga, aber fiel nicht, weil Lautern es nicht ausnutzte. Die Gastgeber wurden dann minütlich sicherer und besser, zeigte, dass sie fußballerisch die deutlich überlegene Mannschaft ist. Einer der Faktoren dafür war Muhammed Damar, der bei drei Fernschüssen der Führung immer näher kam - einer ging knapp vorbei (15.), einmal hielt Julian Krahl stark (29.), dann traf er das Außennetz (33.).

Gyamfi und der Pfosten verhindern Wolfsburgs Führung

Die Chancen für die Gastgeber häuften sich, doch auch das FCK-Tor blieb zunächst wie vernagelt. So wähnte sich Fraser Hornby schon vor seinem Premierentreffer, als ihm Fabian Reese den Ball vors leere Tor legte, doch Maxwell Gyamfi klärte im letzten Moment doch noch mit einer großartigen Grätsche (35.). Und zu guter Letzt traf dann auch noch Hauke Wahl mit einem Volleyschuss den Außenpfosten (41.).

Wolfsburg war dominant und gefährlich, hatte 11:4 Torschüsse vorzuweisen, zu 60 Prozent den Ball und 6:0 Ecken - aber es fehlte das Tor. Das lag auch daran, dass es Wolfsburg nicht gelang, Robert Glatzel ins Spiel zu integrieren. Beim Hamburger SV hatte der heute 32-Jährige von 2021 bis 2025 in 115 Zweitligaeinsätzen 73 Tore erzielt, sein VfL-Debüt lief allerdings nicht allzu gut an, nach 68 Minuten endete es auch bereits ohne Glanzmoment.

Zielinski bewahrt Wolfsburg vor komplettem Fehlstart

Auch seine Kollegen glänzten zu Beginn des zweiten Durchgangs nicht mehr - ausgenommen des starken Torhüters. Erneut stieß der pfeilschnelle Skyytä nach einem langen Ball durch, diesmal schlenzte er ihn ins lange Eck, doch Zielinski tauchte ab und fischte den Schuss aus dem Eck (55.). Der 18 Jahre alte Stellvertreter des verletzten Timon Wellenreuther zeigte ein ganz starkes Debüt, das untermauerte Zielinski mit einer weiteren Parade gegen den kurz zuvor eingewechselten Ibrahim Kanaté (70.).

Wolfsburgs Torwart Jakub Zielinski in Aktion

Im Anschluss passierte überraschend wenig, beiden Mannschaften fehlten Kräfte und Ideen, um dem Spiel eine entscheidende Wendung zu geben. Lautern tritt so die Heimreise mit einem Punkt an, den ihnen viele wohl nicht zugetraut hätten und der dem Team Aufwind für den nächsten Samstagabend gegen den Karlsruher SC (20.30 Uhr) geben dürfte.

Derweil hat Wolfsburg einen ersten Vorgeschmack auf die Saison bekommen, in der alle Mannschaften dafür sorgen wollen, dass die vermeintliche Übermacht gegen sie zu Fall kommt. Dem Strobl-Team war anzusehen, dass es neu zusammengestellt ist, auch in dieser herausragenden Besetzung wird es eine gewisse Anlaufzeit brauchen. Am kommenden Sonntag bei Hannover 96 (13.30 Uhr) sollte dennoch eine Steigerung zu erkennen sein.