Le Carreau in Forbach: 30 Jahre Kultur-Leuchtturm für die Region – dieses Programm wartet
Le Carreau in Forbach 30 Jahre Kultur-Leuchtturm für die Region – dieses Programm wartet
Forbach · Zum 30. Geburtstag nur das Beste: Stars der Choreografie kommen ins Forbacher Kulturzentrum Le Carreau. Eine Saison, die richtig Lust macht. Der Vorverkauf ist eröffnet.
14.09.2026 , 19:02 Uhr
Der Israeli und Wahl-Pariser Yuval Rozman lässt am 20. Januar im Carreau drei Vögel auf die Krise in Israel und Gaza blicken.
Foto: Frédéric Iovino
Tatsächlich schon dreißig! Schon seit drei Jahrzehnten beglückt das Theater in Forbach, die Scène nationale Le Carreau, das Publikum beiderseits der Grenze mit einem wunderbaren Programm, das so gar nichts piefig Provinzielles hat. Ein Leuchtturm, der bis nach Paris leuchtet und zwar für alle.
Höhepunkt zum Geburtstags-Programm im Le Carreau: Tanztheater als Gegenstück zur Instagram-Welt
Zum Geburtstag gönnt es sich und seinem Publikum ein pralles Programm, das Lust macht, sofort loszurennen in das Theaterhaus mit den zwei Sälen und über 800 Plätzen. Und das sollte man vielleicht auch – zumindest bis zur Vorverkaufskasse, denn die 41 Prozent Abonnenten sind treu und die Auslastung liegt nach Theaterangaben im Schnitt bei 90 Prozent. Etwa 28 Gastspiele stehen diese Saison an, die vorab von Geldkürzungen überschattet wurde.
Die aber merkt man, blättert man das Heft durch, dem Programm gar nicht an. Lauter hochkarätige Choreografen, die dem nicht französisch verstehenden Saar-Publikum über die Jahre ans Herz gewachsen sind, machen in der Jubiläumssaison ihre Aufwartung. So kommt am 17. November wieder einmal der berühmte Flame Wim Vandekeybus, der seinen Blick gern auf die Außenseiter der Gesellschaft richtet. Sechs sind es, die in „Void“ in ihrer Blase leben und durch den Tanz ihre außergewöhnlichen Werdegänge erzählen – zu Live-Jazz und -Percussion. Vandekeybus' geladenes Tanztheater ist das Gegenteil der gelackt-geschönten Instagram-Welt.
Französisches Cabaret hat jetzt Saison, hier das Gastpiel „L'heure Exquise“.
Foto: Stella King
Am 3. Dezember folgt der zweite Meister: Angelin Preljocaj schickt in „Helikopter“ seine Tänzer zu Stockhausens gleichnamiger Komposition für Streicher und Helikopter-Rotorblätter auf die Bühne und lässt sie sich in „Licht“ zum weltberühmten French-Touch-DJ Laurent Garnier bewegen.
Starke Frauen im Le Carreau in Forbach
Am 27. Januar 2027 kommt mit Jan Martens und seinem „The Dog Days Are Over 2.0“ ein weiterer Tanzmeister der Extreme, und zwar mit Minimalismus. Aber auch die großen Frauen sind nicht vergessen: Senkrechtstarterin Leïla Ka, Schwester von Zaho de Sagazan, kehrt nach „Maldonne“ nun zurück: mit dem neuen Werk „Lullaby Shot“ und zwar wegen der Nachfrage gleich zweimal: am 14. und 15. Mai.
Zaho hat auch noch eine bekannte Cousine: Lorraine de Sagazan zeigt am 25. November im Rahmen des Festival Primeurs „Un Sacre“ – die Anspielung auf Strawinsky ist nicht zufällig. Dieses „Opfer“ widmet sich dem Thema Umgang mit Tod und Trauer in der rationalen heutigen Gesellschaft. Aus Interviews mit Betroffenen in der Corona-Pandemie entstand ein Stück, das Theater zu einem Gegenraum machen will, zu einer „kathartischen, lebensbejahenden Erfahrung“, mit ekstatischem, kraftvollem Tanz, wuchtigen Massenszenen, Licht und Pyro-Effekten.
Tanz, Musik und Zirkus sollen noch wichtiger werden
Seit diesem Sommer hat das Carreau mit Nicolas Le Potier, zuvor Co-Direktor, nun einen neuen Leiter. Er will Kurs halten und dabei leicht neue Akzente setzen. Der Stellenwert von Tanz, Musik und Zirkus soll noch höher werden – Angebote also, die keine großen (Fremd-)Sprachkenntnisse verlangen, was viele deutsche Zuschauer sicher freuen wird. Aber auch für Zuwanderer in Forbach und Umgebung kann das den Zugang erleichtern.
Gleich zur Spielzeiteröffnung am 3. Oktober kann man diese Mischung erleben: Los geht es um 18.30 Uhr mit dem humorvollen Bewegungstheater „Im Warten“ der Cie. Ormone, gefolgt von der namhaften und angesagten Pariser Hip-Hop- und Elektropop-Tanzkompagnie „MazelFreten“, die mit rasanten Rhythmen und urbanem Tanz das Publikum für die Saison wachrütteln, bevor ein DJ zur Party übernimmt.
Französische Klassiker neu angegangen im Le Carreau
Aber auch klassische Hochkultur-Musik kommt zum Zug: Am 14. Oktober knüpft man mit Mozarts Requiem an das allererste Konzertprogramm an, das 1996 am 12. Oktober im Carreau zu hören war, damals dirigiert vom großen Philippe Herreweghe, 2026 gespielt vom renommierten Quatuor Debussy. Französische Klassiker radikal neu angehen – auch dafür stand das Carreau stets zur Verfügung. Diese Saison dürfen wir daher auf eine neue Form des Corneilleschen „Cid“ aus Kindersicht auf einer Hüpfburg, in der Inszenierung des gefeierten Regisseurs Jean Bellorini, gespannt sein.
Cirque nouveau gibt es zum einen schon am 23. März mit der Groupe Acrobatique de Tanger, die schon 2022 beim Perspectives-Festival im Saarländischen Staatstheater zu Jubelstürmen hinriss. Die zweite Gruppe Akrobaten folgt am 11. und 12. Juni, also zum Saisonende, mit den „Frames“ von Alexander Vantournhout, die in der zurückliegenden Saison wegen Hitze ausfielen.
Forbach ist bei Cabaret-Saison dabei
Und noch ein Akzent in dieser Saison, die noch weitgehend vom vorigen Direktor Grégory Cauvin vorbereitet war, überraschend, aber gar nicht total neu: Mit zwei Gastspielen beteiligt sich das Carreau an der vom Kulturministerium initiierten Cabaret-Saison, mit der man das typisch französische Cabaret als Kulturgut schützen will.
Anders als das politische (typisch) deutsche Kabarett verbindet das Cabaret Traditionen wie die Revue mit glamouröser Travestie, Live-Musik und exzessivem visuellen Stil, Humor, erotischer Ästhetik und queerer Popkultur, besagt eine Definition unter mehreren. Erleben kann man das am 10. November mit „L'Heure Exquise“ mit Operndiva Odile de Mainville und am 17. Dezember mit „Madame ose Bashung“, wenn Drag-Queen Corrine Alain Bashung singt. (sm/cla)