Wahlkampfauftakt von Le Pen: Gegendemos bei RN-Parteitag und landesweite Proteste


Le Pen startet Wahlkampf beim RN-Parteitag – Frankreich fürchtet erneut Ausschreitungen

Stand: 23.10.2026, 20:39 Uhr

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Marine Le Pen

Marine Le Pen will Frankreichs nächste Präsidentin werden. (Archivbild) © Paul White/AP/dpa

Beim RN-Parteitag läutet Marine Le Pen ihren Wahlkampf ein. Französische Behörden erwarten Gegendemos in Orléans – und bereiten sich gleichzeitig auf landesweite Proteste vor.

Orléans – Während Frankreichs Regierung am Wochenende erneut Ausschreitungen fürchtet, plant Marine Le Pen ihren Wahlkampfauftakt beim Parteitag des Rassemblement National (RN). Wer in Orléans zum Parteichef gewählt wird, steht wohl bereits vor dem Parteitag fest: RN-Chef Jordan Bardella stellt sich am Samstag (24. Oktober) ohne Gegenkandidaten zur Wiederwahl. Am Sonntag (25. Oktober) steht eine Rede von Le Pen auf dem Programm, mit der die Fraktionschefin der rechtsradikalen Partei ihren Präsidentschaftswahlkampf offiziell eröffnen will.

In Orléans findet damit nicht nur der Parteitag statt, auch sollen sich am Sonntag rund 10.000 Anhänger des Rassemblement National versammeln, wie die Nachrichtenagentur AFP berichtet. 20.000 bis 30.000 Gegendemonstranten werden zum Parteitag erwartet. Die Behörden befürchten gewaltsame Ausschreitungen am Rande der Demonstration. Am Sonntag – am Tag von Le Pens Auftritt – sind alle Gegendemonstrationen untersagt.

Angespannte Sicherheitslage: Gegendemonstrationen und Verbote in Orléans

In Frankreich sind für dieses Wochenende darüber hinaus erneut landesweite Demonstrationen angekündigt. Mit einem massiven Polizeiaufgebot sollten Gewalt und Plünderungen verhindert werden, kündigte Innenminister Laurent Nuñez im Vorfeld an. Landesweit seien 70.000 Beamte im Einsatz. Es gebe zahlreiche Aufrufe zu Gewalttaten und Plünderungen, bei denen es sich offensichtlich um Botschaften der Randalierer handele.

Eine Reihe von Demonstrationen sei bereits verboten worden, sagte der Innenminister. Erlaubt würden Kundgebungen, die von den Organisatoren mit einem Ordnungsdienst begleitet würden, „und unter der Voraussetzung, dass sie natürlich nicht an Orten stattfinden, an denen es zu Plünderungen, Störungen der öffentlichen Ordnung und Ähnlichem kommen könnte“.

Politischer Schlagabtausch: Gegenseitige Schuldzuweisungen

Am vergangenen Wochenende hatten die aktuellen Proteste in Frankreich ihren bisherigen Höhepunkt erreicht: Landesweit beteiligten sich nach Angaben des Innenministeriums 550.000 Menschen, darunter 110.000 in Paris. Die Gewerkschaft CGT sprach von 800.000 Teilnehmern. Die Massenproteste richten sich gegen soziale und wirtschaftliche Missstände, wurden jedoch von Verwüstungen überschattet. Am Rande der Demonstrationen kam es zu schweren Ausschreitungen.

Doch nicht nur auf den Straßen Frankreichs ist die Lage angespannt. Auch politisch ist der Ton rau – die politischen Lager weisen einander die Schuld an der Eskalation zu. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron wirft den Linken vor, Proteste und Gewalt zu schüren. Der Anführer von Frankreichs Linkspartei, Jean-Luc Mélenchon, gibt hingegen der Regierung die Schuld an der Eskalation. Le Pen macht ebenfalls die Regierung verantwortlich und gibt darüber hinaus der Einwanderungspolitik die Schuld. Schon jetzt, Monate vor der Wahl, scheint der Wahlkampf damit an Fahrt aufzunehmen.

Sechs Monate vor der Präsidentschaftswahl in Frankreich liegt Le Pen in Umfragen weit vorn. Wie die Chancen stehen, dass Le Pen tatsächlich zur Präsidentin gewählt wird, hängt entscheidend auch davon ab, wer für die anderen politischen Lager ins Rennen geht. Diese aber haben sich, bis auf die Linkspartei und die Sozialisten, noch nicht klar sortiert. Auch die Verurteilung Le Pens wegen Veruntreuung von EU-Geldern könnte die 58‑Jährige noch ausbremsen. Je nachdem, wie schnell das Kassationsgericht über ihre Revision darüber entscheidet, könnte Le Pen noch mitten im Wahlkampf das Tragen einer Fußfessel drohen. (Quelle: dpa, AFP) (pav)