„Lebendige und vergessene Welt“: Märchenwald ist heute ein Lost-Place mit Schloss-Ruine


Stand: 27.08.2026, 22:30 Uhr

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Verfallene Mauern, überwucherte Treppen und geheimnisvolle Ruinen: Mitten im Wald verbirgt sich ein Lost Place, der noch immer von Träumen und Abenteuern vergangener Jahrzehnte erzählt.

Hamminkeln-Dingden – Ein schmaler Pfad führt durch den Wald am Rand der Dingdener Heide in Hamminkeln. Zwischen hohen Buchen, Eichen und Farnen tauchen plötzlich moosbewachsene Mauern, Treppenreste und steinerne Fundamente auf. Versteckt im Grün liegen die Überreste eines Ortes, der einst Kinder aus der ganzen Region begeisterte: der Märchenwald von Dingden.

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Von der Natur zurückerobert: Mittlerweile ist der Märchenwald von Dingden von Pflanzen überwuchert. (Symbolbild) © Thomas Frey/dpa

Heute zählt das Gelände zu den bekanntesten Lost Places am Niederrhein. Wo sich Wurzeln durch altes Mauerwerk schieben und Sträucher ehemalige Wege überwuchern, herrschte noch vor wenigen Jahrzehnten reges Leben. Familien spazierten durch den Wald, Kinder erkundeten Burgen, Grotten und Spielplätze.

Die Blütezeit von „Driessens Busch“

Laut der Website „Borderherz Outdoortrails & Tourenportal“ begann die Geschichte des Märchenwaldes in den 60er-Jahren. Unternehmer August Driessen kaufte das Waldstück ursprünglich als Spiel- und Erholungsort für seine eigenen Kinder, heißt es. Nach und nach soll daraus eine fantasievolle Freizeitanlage entstanden sein. Freunde und Nachbarn hätten Märchenfiguren, Gartenzwerge und Spielgeräte mitgebracht, die August Driessen im Wald aufgestellt habe. Auf diese Weise sei „Driessens Busch“ schrittweise zu einem beliebten Ausflugsziel geworden. Zu den Attraktionen hätten eine Ritterburg mit Zugbrücke und Wassergraben, eine Schneewittchen-Grotte, der Brunnen des Froschkönigs, eine Ponyfarm sowie verschiedene Fahrgeschäfte gezählt.

An guten Tagen sollen Hunderte, mitunter sogar Tausende Besucher den Wald aufgesucht haben. Autos und Reisebusse hätten auf den Zufahrtsstraßen regelmäßig für Staus gesorgt. Für viele Familien aus der Region sei ein Besuch im Märchenwald fester Bestandteil des Sommerprogramms gewesen. Mit dem Tod von August Driessen im Jahr 1972 habe jedoch der Niedergang begonnen. Seine Kinder hätten zunächst versucht, die Anlage weiterzuführen, seien jedoch zunehmend mit Diebstählen und Vandalismus konfrontiert worden. Figuren seien verschwunden, Gebäude beschädigt worden, und schließlich sei die einst liebevoll gestaltete Anlage zusehends verfallen.

Vom beliebten Ausflugsziel zum Lost Place

Heute hat sich die Natur große Teile des Geländes zurückerobert. Der frühere Märchenrundweg ist vielfach überwuchert, vom Froschkönig-Brunnen sind nur noch Mauerreste erhalten, und das Wasserrad am Bach steht längst still. Dennoch sind entlang des Mumbecker Bachs zahlreiche Relikte zu entdecken, die von der einstigen Märchenwelt erzählen. Besonders markant ragt ein gemauerter Turm aus dem Wald empor. Er gehörte einst zu einer Windmühle, deren Flügel längst verschwunden sind. Für viele Kinder ist er heute deshalb der Rapunzelturm. Zwischen überwucherten Fundamenten, verwunschenen Pfaden und alten Buchen entfaltet der Ort eine besondere Atmosphäre, die Raum für Fantasie lässt.

Der Märchenwald von Dingden ist längst kein Freizeitpark mehr. Doch gerade sein Verfall macht ihn heute zu einem faszinierenden Ort. Die Ruinen erzählen von einer Zeit, in der mitten im Wald eine kleine Märchenwelt entstand und Generationen von Kindern unvergessliche Erinnerungen sammelten.

In Hamm befindet sich tief unter einer Apotheke ein verlassenes Gewölbe. Früher war der Lost Place wohl einer der kühlsten Orte der Stadt.