Linde am Kurhaus stirbt ab


Stand: 25.07.2026, 06:00 Uhr

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Die drei Linden vor dem Kurhaus haben „Absterbeerscheinungen und Trockenstress“ - vor allem die linke (Nr. 66).

Das Laub der Linde links ist zum Großteil beige statt grün. Beobachter glauben, der Baum gegenüber dem Kurhaus ist tot. © Anke Hillebrecht

Eine der Linden vor dem Bad Homburger Kurhaus zeigt Absterbe-Erscheinungen und Trockenstress. Der Betriebshof kann den Baum nicht gießen, weil die Bodenverdichtung das Wasser nicht eindringen lässt. Wie wäre er zu retten?

Bad Homburg – Um die Linden am Kurhaus-Vorplatz steht es nicht gut. Die drei größeren Bäume auf der Seite des Modehauses Halbach, die vermutlich Anfang der 1980er Jahre gepflanzt wurden, behaupten sich inmitten von Beton in viel zu klein gewordenen Baumscheiben – so heißen die Löcher, die für sie im Asphalt gelassen wurden.

Der Boden ist zu sehr verdichtet - Bewässern geht nicht, sagt die Stadt.

Der Boden ist zu sehr verdichtet, die Baumscheibe klein. Mit letzter Kraft produziert die Linde noch Zweige am Stamm. © Anke Hillebrecht

Alarmierend ist der Zustand der Linde, die am nächsten zur Ludwigstraße steht. Sie trägt die Nummer 66, mit rotem Wachsstift auf die Rinde aufgetragen. Ein großer Teil ihrer Krone ist licht; die wenigen Blätter sind weißlich. Am Stammfuß treiben junge Schösslinge aus. Das deutet darauf hin, dass die Wurzel noch lebt, der Baum aber arg kämpft.

„Die Linden haben einen schwierigen Standort“, räumt die Stadtverwaltung ein. „Nicht zuletzt durch jahrelangen Streusalzeintrag und Bodenverdichtung wurden die ohnehin zu klein ausgewählten Standorte noch unwirtlicher für die Bäume.“

Weißes Laub, Trockenstress

Und was hat die Nummer 66? „Absterbe-Erscheinungen und Trockenstress“, so die Stadt in ihrer schriftlichen Antwort. Muss sie gefällt werden? Eine konkrete Antwort darauf gibt es nicht. „Der Baum wird sich allem Anschein nach nicht mehr regenerieren“, heißt es von der Verwaltung hierzu lediglich. „Der Fachbereich Grünflächen beobachtet die Situation.“ Regen ist auch in den nächsten Tagen nicht in Sicht.

Armin Johnert, den Fraktionsvorsitzenden der BLB/die Linke, treibt das Thema ebenfalls um. „Man müsste die Linde schnell bewässern“, mahnt er. Doch nach Angaben der Stadt kann der Betriebshof das nicht. „Eine Wassergabe ist aufgrund des Umfeldes und der Bodenverdichtung nicht möglich“, heißt es in der Antwort. Denn die Erde in der Baumscheibe und die Versiegelung drumherum „lässt eine Infiltration und das Eindringen von Wasser kaum zu“.

BUND: Anwohner könnten gießen

Eine Möglichkeit, den Baum zu retten, sieht Hilbert Baldt, Vorsitzender des Bundes für Umwelt- und Naturschutz (BUND) Bad Homburg, darin, wenn Anwohner ihn regelmäßig gießen würden. „Jeden Tag ein paar Kannen. Die Nachbarn haben ja auch etwas von dem Schatten, den die Bäume werfen.“ Er denkt da auch an die Geschäfte, vor denen die Linden stehen, und deren Schaufenster.

Möglicherweise wird das schon getan – Baldt hat den Baum begutachtet und gesehen, dass die Erde dunkel, also feucht, sei. Ansonsten sehe die Linde „schlimm aus, wahrscheinlich ist sie kaputt“, glaubt der Umweltexperte. Zurückschneiden könne eine Möglichkeit sein. Aber: „Der Baum ist irgendwann nicht mehr verkehrssicher.“ Dann werde er sicherlich rasch gefällt. „Beim Nachpflanzen muss man darauf achten, dass es eine hitzeresistentere Sorte ist“, betont Baldt.

Mit Nachpflanzungen ist jedoch nicht zu rechnen, denn in den nächsten Jahren soll die Mega-Baustelle Kurhaus starten.

Dass die drei Linden rote Nummern tragen, ist nicht weiter alarmierend. Anders als im Wald, wo kranke Bäume mit Neon-Zahlen markiert werden, tragen sämtliche Katasterbäume im städtischen Raum eine rote Nummer. Das sei pragmatisch, so die Stadt.

12.000 Bäume ohne die Parks

Im Bad Homburger Baumkataster sind rund 12.000 Katasterbäume gelistet – die stehen nur im urbanen Raum. Die Bäume in den Parks werden gesondert erfasst. Sie werden zweimal im Jahr durch Baumkontrolleure des Betriebshofs besehen und untersucht – einmal in belaubtem Zustand, einmal ohne Blätter. „Für eingehendere Untersuchungen können außerdem Baumsachverständige zurategezogen werden.“

Die beiden Linden gegenüber, vor der Taunus-Sparkasse, sehen etwas besser aus. Sie haben mehr offene Erde zum Wachsen. In den jüngsten Hitzetagen waren die fünf Bäume willkommene Schattenspender – die einzigen auf dem wüstenhaften Kurhaus-Vorplatz. Etliche Passanten verweilen dort, auf den Stahlbänken oder stehend.

Für die geschwächte Linde gibt es derzeit keine kurzfristige Rettung. Anders war es voriges Jahr in Frankfurt, wo zwei Platanen am Merianplatz absichtlich von Unbekannten per Injektion vergiftet wurden. Sie wurden gefällt; die nachgepflanzten Bäume werfen noch keinen Schatten. In Bad Homburg dürfte – sofern die Linde gefällt wird – nichts nachgepflanzt werden. Denn nun steht erst einmal der Kurhaus-Neubau an.