Literarisches Quartett: 4 Romane über Schuld, Rache und toxische Beziehungen


Literarisches Quartett am 2. Oktober: Diese vier Bücher werden besprochen

Stand: 25.09.2026, 08:21 Uhr

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Welche Bücher liegen am 2. Oktober auf dem Tisch des Literarischen Quartetts? Thea Dorn diskutiert mit drei Gästen über vier besondere Titel.

Berlin – Das Literarische Quartett kehrt am 2. Oktober mit vier neuen Büchern auf den Bildschirm zurück. Thea Dorn diskutiert im ZDF mit Matthias Brandt, Iris Radisch und Simon Strauß über Romane, die von privaten Abhängigkeiten, moralischer Schuld, einer rätselhaften Liebe und der Welt des Theaters erzählen. Die Auswahl reicht dabei von einer Wiederentdeckung aus dem Jahr 1981 bis zu einem Roman, der erst wenige Tage nach der Sendung erscheint. Welche dieser Lektüren am Ende die Runde überzeugt, bleibt bis zur Sendung offen.

Thea Dorn auf der Frankfurter Buchmesse 2025 (Symbolbild)

Am 1. Mai trifft sich das Literarische Quartett im ZDF. Diese vier Romane stehen auf dem Programm – und keiner gleicht dem anderen (Sym.bolbild) © dts Nachrichtenagentur/Imago

Die Ausgabe läuft am Freitag, 2. Oktober 2026, ab 23.30 Uhr im ZDF. Im Streaming-Portal des Senders soll die Folge bereits ab 10 Uhr abrufbar sein. Auf dem Tisch liegen Bücher von Caroline Blackwood, George Saunders, Lutz Seiler und Alain Claude Sulzer. Sie könnten unterschiedlicher kaum sein – und bieten doch reichlich Stoff für eine literarische Debatte.

Caroline Blackwood: „Das Schicksal von Mary Rose“

Worum geht es? Caroline Blackwoods Roman „Das Schicksal von Mary Rose“ erschien ursprünglich 1981 und wird nun wiederentdeckt. Im Zentrum steht ein scheinbar bürgerliches Idyll aus Ehe, Kind und Zuhause. Doch die Kräfteverhältnisse verschieben sich: Aus Fürsorge wird Kontrolle, und das Unheimliche dringt in den Alltag ein.

Der Roman der irisch-britischen Autorin ist ein psychologisches Kammerspiel über Macht und Abhängigkeit. Blackwood erzählt kühl, präzise und mit einer dunklen, beinahe magischen Atmosphäre. Die deutsche Ausgabe wurde von Claudia Voit übersetzt und erscheint im Insel Verlag.

Warum sollte man das Buch lesen? „Das Schicksal von Mary Rose“ ist eine passende Lektüre für alle, die sich für psychologische Spannung interessieren, die ohne klassische Krimihandlung auskommt. Der Roman zeigt, wie schnell Schutz und Fürsorge in Bevormundung umschlagen können. Spannend ist zudem die Wiederentdeckung einer Autorin, deren Blick auf Ehe, Familie und weibliche Selbstbehauptung bis heute verstörend wirken kann.

Caroline Blackwood „Das Schicksal von Mary Rose“

► Übersetzt von Claudia Voit

► 2026 Insel, ISBN-13 978-3-458-64623-5

► Preis: vorbestellbar 24 €, 284 Seiten

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George Saunders: „Nachtwache“

Worum geht es? Jill „Doll“ Blaine ist eine himmlische Sterbebegleiterin. Sie stürzt aus großer Höhe auf die Erde, um Menschen beim Übergang ins Jenseits beizustehen. Ihr nächster Auftrag führt sie zu K. J. Boone, einem Öltycoon, der sein Leben als erfolgreich, visionär und moralisch gerechtfertigt betrachtet.

Doch am Sterbebett des Unternehmers tauchen immer mehr Besucher auf – lebende ebenso wie Tote. Sie stammen aus von Naturkatastrophen geprägten Gegenden und aus längst vergangenen Abschnitten in Boones Leben. Einige von ihnen kommen nicht, um sich zu verabschieden, sondern um Rache zu nehmen.

Saunders verbindet in „Nachtwache“ Himmel und Hölle, Leben und Tod sowie Fragen nach Schuld und Verantwortung. Die deutsche Übersetzung stammt von Frank Heibert und erscheint im Luchterhand Literaturverlag. Bemerkenswert: Die deutsche Ausgabe kommt erst am 7. Oktober und damit wenige Tage nach der Ausstrahlung auf den Markt.

Warum sollte man das Buch lesen? Der Roman richtet sich an Leserinnen und Leser, die ungewöhnliche Erzählwelten und moralische Grenzfragen mögen. Saunders nimmt eine klassische Situation – einen Menschen am Sterbebett – und erweitert sie zu einem surrealen Tribunal. Gerade die Frage, ob sich ein vermeintlich erfolgreiches Leben am Ende rechtfertigen lässt, gibt dem Buch seine Spannung.

George Saunders „Nachtwache“

► Übersetzt von Frank Heibert

► 2026 Luchterhand, ISBN-13 978-3-630-87703-7

► Preis: gebunden 24 €, 224 Seiten

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Lutz Seiler: „Das tickende Herz“

Worum geht es? Zu Beginn des neuen Jahrtausends kehrt Carl Bischoff aus der brandenburgischen Provinz nach Berlin zurück. Doch er bleibt nicht lange. Er folgt Aysha, der Tochter eines kasachischen Schamanen, die wie aus dem Nichts in sein Leben tritt und offenbar vieles über ihn weiß.

Ihre Geschichte führt Carl nach Amsterdam, Rotterdam, an die Kurische Nehrung und in die winterliche Steppe Kasachstans. Die Beziehung der beiden ist zugleich märchenhaft und zweifelhaft. Ihr Weg endet auf einem alten Atombombentestgelände, wo sich Ayshas Sippe verschanzt hat und ein Opfer zur Rettung der Erde vorbereitet.

„Das tickende Herz“ verbindet eine Liebesgeschichte mit Motiven aus Mythos und Schamanismus. Zugleich überschneiden sich persönliche Erfahrungen und historische Umbrüche. Lutz Seiler führt mit Carl Bischoff den Helden aus seinen Romanen „Kruso“ und „Stern 111“ weiter. Der Roman erscheint im Suhrkamp Verlag.

Warum sollte man das Buch lesen? Seilers Roman ist interessant für alle, die sich auf eine literarische Reise zwischen Realität und Surrealismus einlassen möchten. „Das tickende Herz“ erzählt nicht nur von einer schwierigen Liebe, sondern auch von Herkunft, Entwurzelung und dem Versuch, in einer unübersichtlichen Welt einen Zusammenhang zu finden. Wer die Entwicklung von Carl Bischoff verfolgt hat, erhält zudem eine weitere Etappe in seiner Geschichte.

Lutz Seiler „Das tickende Herz“

► 2026 Suhrkamp, ISBN-13 978-3-518-43315-7

► Preis: gebunden 28 €, 464 Seiten

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Alain Claude Sulzer: „Szenenwechsel“

Worum geht es? In Alain Claude Sulzers Roman versammeln sich mehrere Menschen zur Gedenkfeier für Simon Muthesius, einen einst berühmten Regisseur und Intendanten. Zu den Figuren gehören unter anderem sein Sohn Karl, der Dramaturg Beat, seine frühere Frau Petra, die Schauspielerin Nathalia, der Sänger Siegfried und Shadgi, eine aus dem Iran stammende Maskenbildnerin.

Muthesius selbst steht nicht im Mittelpunkt der Handlung. Die Leserinnen und Leser lernen ihn durch die Erinnerungen und Perspektiven der Menschen kennen, die mit ihm verbunden waren. Manche bewunderten ihn, andere wurden von ihm verletzt oder beruflich zurückgesetzt. Einige der Anreisenden haben noch offene Rechnungen mit dem Verstorbenen.

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Sulzer erzählt vielstimmig von Eitelkeiten, Abhängigkeiten und Verletzungen innerhalb der Theaterwelt. Zugleich wird das Theater zum Bild einer ganzen Gesellschaft – mit ihren Machtkämpfen, Hoffnungen und vergänglichen Ruhm.

Warum sollte man das Buch lesen? „Szenenwechsel“ lohnt sich für alle, die hinter die Kulissen des Theaterbetriebs blicken wollen, ohne dass es bei einer Milieuschilderung bleibt. Der Roman fragt, was von einem Menschen übrig bleibt, wenn sein Einfluss schwindet. Besonders reizvoll ist die Perspektivvielfalt: Simon Muthesius wird nicht durch seine eigene Stimme beschrieben, sondern durch die widersprüchlichen Erinnerungen der anderen.

Alain Claude Sulzer: „Szenenwechsel

► 2026 Galiani, ISBN-13 978-3-86971-336-6

► Preis: gebunden 24 €, 256 Seiten

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Die vier Bücher des Abends führen damit durch sehr unterschiedliche literarische Räume: vom psychologischen Kammerspiel über eine Reise zwischen Himmel und Hölle bis hin zu einer surrealen Liebesgeschichte und einem Theaterroman. Genau diese Mischung dürfte die Diskussion am 2. Oktober prägen.

Wie weitere Bestsellerautoren, darunter Matt Haig oder Nele Neuhaus auf ihre Ideen kommen, lesen Sie hier in den Interviews. Übrigens: Bleiben Sie auf dem Laufenden zu Buchtipps und Neuigkeiten aus der Buchwelt mit unserem Newsletter. Hier abonnieren. (str)