Ukraine-Liveticker: Ukraine greift Ölraffinerie an – 1500 Kilometer von der Grenze entfernt | FAZ


Ukraine greift Ölraffinerie 1500 Kilometer von der Grenze an

Bei ukrainischen Drohnenangriffen auf mehrere russische Regionen sind ‌Behördenangaben zufolge mindestens ein Mensch getötet und zahlreiche weitere verletzt worden. Die ukrainischen Streitkräfte haben in der Nacht auf Freitag eine russische Ölraffinerie, die etwa 1500 Kilometer von der ukrainisch-russischen Grenze entfernt liegt, angegriffen. Die in Brand gesetzte Ölraffinerie liegt in Perm.

Ebenso haben sie Berichten zufolge eine Fabrik für elektronische Bauteile attackiert. Die Fabrik, die Komponenten für Kommunikations- und Funktechnik herstellt, befindet sich in der Stadt Uljanowsk. Das berichtete die ukrainische Nachrichtenseite „The Kyiv Indepedent“ unter Berufung auf Augenzeugenberichte des Telegram-Kanals Exilenova Plus. Nach Angaben des Gouverneurs Alexej Russkich wurden bei dem Angriff acht Menschen verletzt, darunter ein Kind.

In der Region Rostow beschädigte ‌ein Angriff ‌die Ölraffinerie Nowoschachtinsk, die ihren Betrieb vorübergehend einstellen musste, wie Gouverneur Juri Sljusar mitteilte. Dort habe ​die Luftabwehr in der ⁠Nacht etwa 50 Drohnen abgefangen.

Auch wurde eine Kautschuk-Fabrik in Woronesch getroffen und beschädigt. In der Region wurden vier Personen verletzt; die russische Flugabwehr zerstörte 88 Drohnen, berichtete Gouverneur Alexander Gussew. Die Angaben lassen sich nicht unabhängig überprüfen.

Russland greift Ukraine mit Drohnen an

Die russischen ⁠Streitkräfte haben nach Angaben des Verteidigungsministeriums in Moskau mehrere Ziele in der Ukraine angegriffen. Die Armee habe in der Nacht ukrainische Rüstungsbetriebe, Logistikzentren und Schiffe ‌mit Drohnen attackiert, teilt das Ministerium mit. Getroffen worden seien unter anderen ein Montage- und Lagerplatz für Drohnen in der Region Kiew, Logistikzentren in ‌der Region Odessa sowie ‌die Hafeninfrastruktur in Reni. Einem Reporter der Nachrichtenagentur Reuters zufolge war nahe dem Zentrum der ukrainischen Hauptstadt Kiew eine Explosion zu hören. Nach Angaben des russischen Verteidigungsministeriums ist ​zudem ein Frachtschiff mit Militärgütern auf ⁠dem Weg nach Odessa getroffen worden.

Robert Dikomeit

Robert Dikomeit

Macron weist Bericht über CIA-Warnung zurück und warnt vor russischen Angriffen

In einem Fernsehinterview warnte Macron ​vor möglichen russischen Angriffen auf französischem Boden. Russland verstärke ⁠seine feindseligen Akte ‌gegen europäische Länder, um den Kontinent einzuschüchtern und die Entschlossenheit bei der Unterstützung der Ukraine zu brechen. Frankreich könnte mit ähnlichen Angriffen konfrontiert werden ⁠wie beim ⁠vereitelten Drohnenangriff auf den Flughafen Leipzig im August, für den Deutschland Russland verantwortlich ⁠macht.

Einen ​Bericht ⁠der spanischen Zeitung „El Mundo“, wonach ​der US-Geheimdienst CIA europäische Regierungen vor möglichen Drohnenangriffen aus ‌dem Mittelmeerraum gewarnt habe, wies Macron zurück. Die CIA habe die französischen ​Dienste nicht informiert.

Messerangriff in Polen: Tatverdächtiger wohl aus Deutschland eingereist

Der nach dem tödlichen Messerangriff in einem Kloster im polnischen Jarosław festgenommene Ukrainer ist nach Angaben der Staatsanwaltschaft aus Deutschland nach Polen eingereist. Der 31 Jahre alte Mann sei in der Nacht zum Donnerstag aus deutschem Staatsgebiet gekommen und auf dem Weg zu einem nahe gelegenen Grenzübergang zur Ukraine gewesen, sagte Staatsanwältin Bozena Harasz-Woloszyn laut polnischen Medien. Die Grenze habe er dann jedoch nicht überquert. Stattdessen sei der Mann zu der Benediktinerinnenabtei gegangen, wo er einen Mann getötet und vier weitere Menschen verletzt haben soll. 

EU setzt russische Journalistin Fedorova auf die Sanktionsliste

Die Europäische Union hat die ehemalige Chefredakteurin des russischen Staatssenders RT in Frankreich, Xenia Fedorova, auf die Sanktionsliste gesetzt. Fedorova unterstütze bei ihren fortlaufenden Medienauftritten die Politik der russischen Regierung, die die „Demokratie und die Stabilität in der Union“ gefährde und bedrohe, heißt es in der Begründung des Rats der EU-Länder. Der französische Außenminister Jean-Noël Barrot sprach in diesem Zusammenhang am Donnerstag im Onlinedienst X von „feindlichen Manövern gegen unsere Demokratie“. 

Geheimdienst sieht Spanien, Frankreich und Italien als mögliche Zielländer 

Laut einer Recherche der spanischen Zeitung „El Mundo“ hat der US-Geheimdienst CIA europäische Regierungen vor russischen Drohnenangriffen gewarnt. Dabei geht es nicht nur um Angriffe auf osteuropäische Länder, sondern auch auf Staaten am Mittelmeer, die die Ukraine im russischen Angriffskrieg unterstützen: Dem Bericht zufolge deuten die Warnungen auf Spanien, Frankreich und Italien als mögliche Zielländer der Drohnenangriffe hin.

Eine Quelle aus dem litauischen Verteidigungsministerium gab laut „El Mundo“ an, dass eine russische Drohne für die Angriffe genützt werden könne, die bis zu 600 Kilometer weit fliegen und eine Sprengladung tragen kann. Die Drohnen könnten dem Bericht zufolge von Handelsschiffen im Mittelmeer aus starten und Ziele im Landesinneren anfliegen.

Der US-Geheimdienst soll schon länger Informationen zu den Kreml-Plänen gesammelt und nun unter anderem die Regierungen in Madrid, Paris und Rom darüber informiert haben. Der Drohnenvorfall in Leipzig wird als Wendepunkt der Strategie Moskaus gegen europäische Verbündete der Ukraine gesehen. Der CIA-Direktor John Ratcliffe ist Ende August nach Moskau gereist, um vor Angriffen auf europäische Verbündete zu warnen.

Ukrainer nach Messerangriff in Polen festgenommen 

Bei einem Messerangriff in einem Kloster in Südostpolen ist am Donnerstag ein Mann getötet worden. Vier weitere Personen seien schwer verletzt worden, teilte die Polizei mit. Die Beamten nahmen einen 31 Jahre alten ukrainischen Staatsbürger als mutmaßlichen Täter fest. Er soll vor Beginn des Gottesdienstes in dem Benediktinerinnen-Kloster in Jarosław eine Frau und vier Männer mit einem Messer attackiert haben. Die Verletzten seien umgehend in Krankenhäuser gebracht und zum Teil notoperiert worden.

Der Staatsanwaltschaft der Woiwodschaft Karpatenvorland zufolge überlebte einer der Verletzten, ein Priester, den Angriff nicht. Er sei im Krankenhaus seinen Verletzungen erlegen. Bei der Tatwaffe soll es sich um ein Küchenmesser handeln. Über den Tathergang und das Motiv des Tatverdächtigen gab die Behörde keine Auskunft. Das Kloster liegt nur wenige Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernt und unterstützt seit vielen Jahren Kriegsflüchtlinge aus dem Nachbarland.

Der Angriff fällt in eine Zeit zunehmender Spannungen zwischen Polen und Ukrainern. War die Hilfsbereitschaft in Polen unmittelbar nach dem russischen Überfall sehr groß, hat sich das Verhältnis inzwischen abgekühlt. In den vergangenen Wochen waren zudem Dutzende Ukrainer in mehreren Städten Polens Opfer von Übergriffen polnischer Staatsbürger geworden.

Nationalkonservative Politiker wie Polens Präsident Karol Nawrocki hatten wiederholt Respekt von der Ukraine verlangt. Der rechtsextreme Politiker Grzegorz Braun verlangte am Donnerstag, eine vermeintliche „Ukrainisierung Polens“ zu stoppen. PiS-Parteichef Jarosław Kaczyński forderte, den Vorfall genauestens zu untersuchen. „Die Sicherheit der Menschen in Polen muss absolute Priorität des Staates haben“, schrieb er auf der Plattform X.

Kreml: Noch keine Entscheidung über Treffen von Putin und Trump 

Über ein mögliches ​Treffen zwischen dem russischen Präsidenten Wladimir Putin und US-Präsident Donald Trump im Dezember gibt es dem Kreml zufolge noch keine Entscheidung. Es sei verfrüht, über eine ⁠Tagesordnung zu sprechen, sagt Kremlsprecher Dmitri Peskow. US-Außenminister Marco Rubio hatte erklärt, die USA hätten Putin zum G20-Gipfel im Dezember in Miami im US-Bundesstaat Florida eingeladen, bei dem ein Treffen mit Trump möglich sei. Russland schätze die Einladung und werde über eine Antwort befinden, sagt Peskow. Er bekräftigt zudem die russische Position, wonach Moskau ‌eine Friedenslösung und keinen vorübergehenden Waffenstillstand anstrebe. Trump versucht seit seiner Rückkehr ins Weiße Haus im Januar vergangenen Jahres, im Ukrainekrieg zu vermitteln. 

Selenskyj kontert auf die Frage, wann er nach Moskau reisen wird – „Auf einer Rakete“

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat auf Russlands Vorschlag eines Treffens mit Kremlchef Wladimir Putin in Moskau mit Sarkasmus und einem Fluch reagiert. Auf die wiederholte Frage eines Reporters des russischen Staatsfernsehens, wann er denn nach Moskau komme, antwortete er: „Auf einer Rakete, verdammt!“.

Ukrainische und russische Medien teilten den Clip von Selenskyjs Besuch in New York vielfach in den sozialen Netzwerken. Vor allem das kaum hörbare russische Schimpfwort „bljad“ – freundlich mit „verdammt“ übersetzt – sorgte für Aufsehen in den Medien beider Länder. In Russland wird das Wort zensiert.

Die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa, die als Teil der Moskauer Delegation an der UN-Generalversammlung in New York teilnimmt, sagte, er habe wohl Angst, das ihn ein tödliches Schicksal ereile. Sie verwies auch auf das von Selenskyj benutzte Schimpfwort, das allen vor Augen führe, wer Selenskyj wirklich sei.

Der ukrainische Präsident hatte sich am Rande der UN-Generalversammlung in New York auch mit US-Präsident Donald Trump getroffen, um über eine Lösung in dem seit mehr als viereinhalb Jahren dauernden russischen Angriffskrieg zu sprechen. Ergebnisse gab es erwartungsgemäß keine. Selenskyj betont immer wieder, dass er sich mit Putin treffen wolle, um über eine Lösung in dem Konflikt zu sprechen. Der Kremlchef zeigt sich zwar ausdrücklich bereit dazu, betont aber, dass er zu einem Treffen nur in Moskau bereit sei. Selenskyj lehnt das ab.

Tschechische Kampfjets zu Patrouillenflug über Polen aufgestiegen 

Tschechische Kampfjets vom Typ JAS-39 Gripen sind in der Nacht zu einem Patrouillenflug ⁠über Polen aufgestiegen. Dies teilt die tschechische Armee auf dem Kurzmitteilungsdienst X mit. Ein Einsatz von Waffen war demnach nicht notwendig, die Flugzeuge kehrten zu ihrem Heimatstützpunkt zurück. 

Ukraine: Sechs Tote bei russischem Angriff auf Bauernhof 

Bei einem russischen Angriff auf einen Landwirtschaftsbetrieb in einem ⁠Dorf in der nordukrainischen Region Charkiw werden sechs Menschen getötet. Zudem werden acht Landarbeiter verletzt, wie der Gouverneur der Region, Oleh Synjehubow, auf dem Kurzmitteilungsdienst Telegram mitteilte.

Mathias Peer

Mathias Peer

Wadephul wirft Russland gefährliche Eskalation in Europa vor

Außenminister Johann Wadephul wirft Russlands Präsident Wladimir Putin angesichts zunehmender hybrider Attacken eine Eskalation der Aggression gegen Europa vor. „Russlands hybride Angriffe gegen diejenigen, die die Ukraine und das Völkerrecht unterstützen, haben eine neue Stufe erreicht“, kritisierte der CDU-Politiker bei einer Sitzung des UN-Sicherheitsrats am Rande der Generalversammlung der Vereinten Nationen in New York.

Wadephul bezog sich auf den von der Bundesregierung Moskau zugeschriebenen Drohnenvorfall am Flughafen Halle/Leipzig Anfang August, der ukrainische Frachtflugzeuge zum Ziel hatte. Russland habe versucht, die Maschinen mit einer mit Sprengstoff präparierten Drohne in die Luft zu sprengen, sagte der Minister. „Dies ist kein Einzelfall von Russlands rücksichtsloser und gefährlicher Eskalation in Europa“, fügte er hinzu. Russland weist jeden Zusammenhang mit dem Drohnenvorfall von Leipzig zurück.

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