LNB-Tuning für echte Profis: Worauf es beim DX-Empfang ankommt

Wie gut der Satellitenempfang klappt, wird maßgeblich vom LNB beeinflusst und wirkt sich insbesondere beim DX-Empfang aus.
Das Kürzel DX stammt ursprünglich aus dem Amateurfunk und steht für Fernempfang. Beim Satellitenempfang lässt sich DX etwas großzügiger anwenden: Es beschreibt nicht nur den Empfang nicht ortsüblicher Satelliten, sondern lässt sich auch darauf beziehen, wenn man zum Beispiel Astra auf 19,2 Grad Ost mit einer sehr kleinen Antenne zu empfangen versucht. In beiden Fällen kann die Güte des LNBs über Empfang oder Nichtempfang entscheiden.
Woran erkennt man einen guten LNB?
Während der Pionierjahre des Satellitenempfangs wurde von den Herstellern noch großer Wert auf die Qualität eines LNBs gelegt. So wurden etwa jedem Gerät eigene Messprotokolle beigelegt, die die Empfangsleistungen über den gesamten Frequenzbereich offenlegten. Auch die Rauschzahl diente als Maß für die Güte des Produkts. Längst sind LNBs zu billiger Massenware geworden. Anstatt vieler hundert Euro bekommt man sie heute mitunter schon für unter einen Zehner.
Was ist die Rauschzahl?
Die Rauschzahl oder auch das Rauschmaß, wird in Dezibel angegeben. Bei der Übertragung von Signalen treten Störungen auf, die allgemein als Rauschen bezeichnet werden.
Es hat mehrere Ursachen und kann auf der Sender-, wie auch der Empfängerseite, sowie auf dem Übertragungsweg auftreten Beim LNB spielt die in ihm verbaute Elektronik eine wichtige Rolle.
Sie erfüllt im Wesentlichen zwei Aufgaben. Zum einen verstärkt sie die extrem schwachen, vom Satelliten empfangenen Signale, zum anderen wandelt sie diese grob um den Faktor Zehn auf tiefere Frequenzen um, um die Signale auch über längere Kabel weitergeben zu können.
Diese Funktion kennt man als Zwischenfrequenz. Sie liegt im unteren Ku-Band bei 9,75 und im oberen bei 10,6 Gigahertz. Die Höhe des im Zuge der Signalaufbereitung entstehenden Rauschens wird durch die verbauten Bauteile bestimmt. Je höher dieses Rauschen ist, umso stärker beeinflusst es Satellitensignale. Das führt dazu, dass schwache Signale nur noch unzureichend oder gar nicht mehr vom Receiver weiterverarbeitet werden können, um etwa TV-Programme sichtbar zu machen.
Was ist eine gute Rauschzahl?
Ein LNB ist umso besser, je geringer sein Rauschmaß-Zahlenwert ist. Er lässt sich durch die Verwendung rauscharmer Elektronik-Komponenten gering halten. Übliche LNBs verfügen über eine Rauschzahl von maximal einem Dezibel. Sehr gute LNBs kommen auf 0,8 oder gar nur 0,7 Dezibel.

Die Werbelüge: Warum 0,1 Dezibel oft unrealistisch sind
Leider ist das Rauschmaß bereits mit dem Aufkommen des Satelliten-Direktempfangs im Laufe der 1990er-Jahre zu einem nichtssagenden Werbeargument verkommen. Die LNB-Anbieter wollten mit möglichst geringen Werten auf sich aufmerksam machen und eine Qualität vortäuschen, die die LNBs unter realen Bedingungen nicht zu erfüllen in der Lage sind.
In der Theorie sind Angaben von 0,2 oder gar nur 0,1 dB zwar korrekt, aber es gilt zu hinterfragen, unter welchen Voraussetzungen diese Werte erreicht wurden. Man kann jedenfalls von Tests unter Laborbedingungen ausgehen – etwa indem der Prüfkandidat seine Leistungsfähigkeit unter extremer Kälte unter Beweis stellen musste. Bei ihr macht sich nämlich die Supraleitfähigkeit bemerkbar. Das bedeutet am Ende aber auch, dass die vielfach angegebenen Rauschzahlwerte im Alltagsbetrieb nicht annähernd erreicht werden. Gibt heute ein Hersteller noch Rauschzahlen um die 0,8 Dezibel an, sind diese Werte als glaubwürdig zu betrachten.
Ist ein neues LNB auf jeden Fall besser?
Diese Frage lässt sich mit einem klaren Nein beantworten. Wie gut ein LNB tatsächlich ist, lässt sich am besten in der Praxis ausprobieren. Jeder DXer kennt bestimmte Satellitenpositionen oder einzelne Transponder, die mit der vorhandenen Anlage nur grenzwertig hereinkommen, was sich etwa an häufigen Klötzchenbildungen oder immer wieder auftretenden Komplettausfällen zeigt. Gewöhnlich macht man solche Beobachtungen bei Transpondern, deren Ausleuchtzonen den Empfangsort nur noch am Rande streifen.
Kommen solche Transponder nach dem LNB-Tausch besser als zuvor, hat man in der Tat ein besseres LNB gefunden. In der Praxis lässt sich eine verbindliche Aussage aber erst nach einigen Testtagen treffen. Schließlich ändern sich die Empfangsvoraussetzungen im Laufe von 24 Stunden, und es gilt auch, die Wettersituation zu berücksichtigen.
Im Zuge solcher Tests lässt sich immer wieder feststellen, dass ein alter 0,8-Dezibel-LNB für sichtbar bessere Empfangsleistungen sorgt, als ein neuer, auf dessen Typenschild vielleicht nur 0,3 Dezibel angegeben sind. Selbst Jahrzehnte alte LNBs können mit Neuware durchaus noch mithalten und sie sogar schlagen.

Tipps für den Kauf: Welche LNBs sind empfehlenswert?
Bei No-Name-Billigware weiß man nie, was man für sein Geld bekommt. Von ihr sollte man sich folglich nicht allzu viel erwarten. Ungleich bessere Karten hat man bei bekannten Herstellern, die schon sehr lange LNBs anbieten. Gute LNBs erkennt man mitunter auch daran, dass sie nicht zwingend mit einer Rauschzahl von 0,1 Dezibel gekennzeichnet sind. 0,3 Dezibel können da schon ungleich realistischer klingen. Zum Teil wird bei guten LNBs zusätzlich auch eine maximale Rauschzahl angegeben. Sie kann etwa bei 0,7 Dezibel liegen.
Hochwertige LNBs erkennt man auch am Preis. Sie können mit bis zu 30 Euro zu Buche schlagen. Im Vergleich zu dem, was man früher für ein sehr gutes LNB bezahlt hat, ist das aber immer noch ein Geschenk.
Gibt es Fertigungstoleranzen?
Das generell geringe Preisniveau von LNBs erlaubt keine allzu großen und kostenintensiven Qualitätskontrollen. Somit ist es durchaus üblich, dass nicht alle LNBs einer Serie exakt dieselben Empfangsleistungen bieten. Deshalb besorgen sich eingefleischte DXer oft mehrere gleiche LNBs, um aus ihnen den für das ins Auge gefasste Einsatzgebiet besten durch Probieren herauszufinden. Die Schwankungsbandbreite hält sich aber in Grenzen, sodass man davon ausgehen kann, keine wirkliche Niete erworben zu haben.
Worauf kommt es sonst noch an?
Die Qualität eines LNBs lässt sich nicht nur an der Rauschzahl festmachen. Sie ist auch von der Fertigungsqualität an sich bestimmt, die langlebige Gehäuse-Materialien mit einschließt. Vor allem die Feedabdeckung muss den hohen thermischen Belastungen während der Sun-Outage-Zeiten standhalten können. Weiter ist auch der Ausführung des Feuchtigkeitsschutzes der Anschlussbuchse Augenmerk zu schenken.
Fazit
Generell bringt ein besserer LNB einen stabileren Empfang. Er kommt nicht nur bei DX-Anwendungen zum Tragen, sondern spielt selbst beim Astra-Empfang eine wichtige Rolle. Er sorgt bei Schlechtwetter länger für stabilen Empfang und lässt diesen bei dicken Gewitterwolken und Starkregen nicht so schnell ausfallen, wie minderwertige Ware.
Festzuhalten gilt ferner, dass ein alter LNB nicht schlechter als ein neuer sein muss. Selbst sehr alte LNBs können im harten DX-Einsatz zu besseren Resultaten führen, als Neuware. Am Ende kommt es stets auf einen Vergleichstest an. Nur so lässt sich herausfinden, welcher LNB am besten für den DX-Einsatz taugt.
Außerdem interessant: