Erster Diphtherie-Tod in Europa seit vier Jahren: Vierjährige stirbt – Eltern hatten Impfung verweigert
Mädchen war nicht geimpft: Vierjährige stirbt an Diphtherie – Cousin ebenfalls in Klinik
Stand: 22.08.2026, 06:24 Uhr
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Ein vierjähriges Mädchen stirbt in Palermo an Diphtherie – weil ihre Eltern sie nicht impfen ließen. Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft.
Palermo – In Italien ist ein vierjähriges Mädchen an Diphtherie gestorben. Ihre Eltern waren überzeugte Impfgegner – ausgelöst durch die Annahme, der Autismus eines Cousins sei auf eine Impfung zurückzuführen. In der Nacht zu Mittwoch (19. August) starb die kleine Anna Rosa im Kinderspital „Di Cristina“ in Palermo an der Krankheit, die dank des im Kindesalter obligatorischen Sechsfach-Impfstoffs in Italien eigentlich als ausgerottet galt. Der letzte Todesfall dieser Art in Europa liegt vier Jahre zurück: Damals starb in Spanien ein Kind aus einer ebenfalls impfkritischen Familie.
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Dieser Artikel von Alfio Sciacca entstand in Kooperation mit Corriere della Sera.
„Wir warten auf die Bestätigung durch das Istituto Superiore di Sanità, aber nach den ersten Untersuchungen scheint die Todesursache tatsächlich Diphtherie zu sein“, erklärte Domenico Cipoll, ärztlicher Direktor des Ospedale Civico. Das medizinische Personal tat alles, um das Mädchen zu retten. Nachdem sie auf der Intensivstation aufgenommen worden war, wurde sie an eine Maschine zur extrakorporalen Zirkulation angeschlossen. Zudem sollte eine Hämodialyse die Wirkung des vom Diphtherie-Bakterium produzierten Toxins abmildern. Doch es ließ sich nichts mehr für sie tun.

Nach dem Tod des Kindes wurde für die gesamte Familie, die im Arbeiterviertel Zen lebt, Alarm ausgelöst. Ein vierjähriger Cousin wurde im Kinderspital aufgenommen. Er zeigt aktuell ähnliche Symptome wie seine Cousine, befindet sich aber nicht in einem kritischen Zustand. Er ist nachweislich regulär gegen Diphtherie geimpft. Die anderen drei Geschwister von Anna Rosa hingegen waren nicht geimpft. Gestern beschloss der Gesundheitsbezirk, in Abstimmung mit den Ärzten des Ospedale Civico, sie zu impfen.
Vierjähriges italienisches Mädchen stirbt an Diphtherie – Eltern waren als Impfgegner bekannt
Mit dem Fall befasst sich nun die Staatsanwaltschaft von Palermo: Sie hat die Beschlagnahmung des Leichnams zur Durchführung einer Autopsie angeordnet. Die Carabinieri haben bereits sämtliche Krankenakten sichergestellt. So offensichtlich die Verantwortung der Eltern für ihre Entscheidung ist, ihre vier Kinder nicht impfen zu lassen: Die Ermittler wollen darüber hinaus klären, ob die tödliche Diphtherie-Infektion früher hätte erkannt werden können und ob dies dem Mädchen das Leben gerettet hätte.
Als Erste äußerte die Kinderärztin, an die sich die Eltern gewandt hatten, am Dienstag der Vorwoche einen Diphtherie-Verdacht – es war zugleich der erste Arztbesuch des Kindes seit seiner Geburt. Aufgrund verdächtiger Symptome riet die Ärztin, umgehend in die Klinik zu fahren. Um 22.20 Uhr am 13. August erfolgte daraufhin der erste Zugang zur Notaufnahme des Krankenhauses „Cervello“: Die Kleine litt unter hohem Fieber, Halsschmerzen und Erbrechen. Die Ärzte diagnostizierten jedoch eine Mandelentzündung und schickten sie mit einem Rezept für eine medikamentöse Therapie nach Hause – verbunden mit der Aufforderung, bei einer Verschlechterung erneut in die Klinik zu kommen.“
Symptome verschlechterten sich rasant – Verlegung auf Intensivstation half nicht
Genau dazu kam es dann: immer höheres Fieber, Halsschmerzen, Appetitlosigkeit und Erbrechen. Doch erst zwei Tage später, an Ferragosto, brachten die Eltern das Kind erneut in die Notaufnahme des „Cervello“. Sie erzählten den Ärzten im Gespräch, dass sie nicht geimpft war. „Auf Entscheidung der Eltern“, heißt es im Befund.
Daraufhin wurde das Mädchen in die besser ausgestattete pädiatrische Intensivstation des „Di Cristina“ verlegt. Nach drei Tagen mit Behandlungen und lebensrettenden Maßnahmen starb sie. „In dem Moment, in dem wir sie übernommen haben, haben wir alles getan, um sie zu retten“, sagte der ärztliche Direktor. „Es kam zu einem Multiorganversagen, und leider blieb das erhoffte Ergebnis aus.“