Heftige Unwetter in Oberbayern: „Gewitterjäger“ begibt sich für Fotos in gefährliche Situationen
Mann aus Oberbayern sucht nach dem perfekten Gewitter-Erlebnis – was er dafür auf sich nimmt
Stand: 15.08.2026, 07:04 Uhr
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Für ein perfektes Foto begibt er sich schon mal in brenzlige Situationen: Damian Warmula (42) ist der „Gewitterjäger“ aus Oberbayern.
München/Markt Schwaben – Anfang August wirkt Damian Warmula ein wenig konsterniert. Bislang sei die Gewittersaison im südlichen Oberbayern „desolat“ gewesen, sagt er im Gespräch mit unserer Redaktion. Für jemanden, der sich „Gewitterjäger“ nennt, ist das wahrlich bedenklich. „Wenn sich dieser Abwärtstrend fortsetzt, muss ich mir vielleicht ein anderes Hobby suchen.“ Warmula schmunzelt, wenn er von solchen Gedanken erzählt.
Der 42-Jährige arbeitet als chemisch-technischer Assistent in München und legt seine Urlaubstage ganz bewusst in die Gewitter-Hochsaison: „Dann habe ich auch die Zeit und Energie, mal eine Nacht durchzumachen.“ Von seinem Wohnort in Markt Schwaben (Landkreis Ebersberg) rückt er mitsamt Kamera aus, wenn dunkle Wolken aufziehen.
„Gewitterjäger“ aus Oberbayern: „Wie kann ich das Ganze abfangen?“
„Ich weiß im Vorfeld schon, ob sich etwas anbahnt“, erläutert Warmula. „Indem ich mir verschiedene Wettermodelle anschaue und sie miteinander vergleiche.“ Letztlich sei entscheidend, wie sich die Radarbilder in den Nachmittagsstunden entwickelten: „Wo bilden sich Gewitter, welche Zugrichtung nehmen sie und wie kann ich das Ganze abfangen?“ Alles für das perfekte Bild.

Sein Interesse an Wetterereignissen habe bereits ein Projekt in der Grundschule geweckt, erinnert sich der 42-Jährige. Immer wieder habe es prägende Momente gegeben, die diese Faszination verstärkt hätten. Warmula ist noch heute beeindruckt, wenn er an den 1. Mai 2000 zurückdenkt. „Ich stand auf dem Balkon, die Hagelkörner sind mir nur so um die Ohren geflogen. Das junge Blühen im Garten wurde jäh beendet, das war schon heftig.“
Eine „kleine Zusammenschau der Blitze“ für die Follower
Bei seinen Ausflügen fotografiert Warmula mit einer Digitalkamera, das Archiv umfasst inzwischen Tausende Bilder. Viele davon sind auf seinen Social-Media-Accounts zu sehen. Dort berichtet der „Gewitterjäger“ von seinen Touren, teilt Schnappschüsse und kurze Erfahrungsberichte. „Das war schon eine beachtliche Serie an heftigen Blitzentladungen zwischen Ingolstadt und München“, heißt es da an einem Abend Anfang August. „Dort dürfte es ordentlich zur Sache gegangen sein, da auch Hagel detektiert wurde“, schreibt der 42-Jährige zu einer „kleinen Zusammenschau der Blitze“.
„Aus Fotografensicht freut man sich auf einen Sommer, der möglichst viele Gewitter im Gepäck hat. Bisher gab es die im südlichen Oberbayern weniger, in anderen Teilen Deutschlands häufiger“, resümiert der 42-Jährige ernüchtert. Wenn er über eines seiner „Jahreshighlights“ spricht, klingt die Faszination dennoch sofort durch: „Das war eine erste Duftmarke, die die Natur gesetzt hat.“ Am 6. Mai war ein gewaltiges Hagelunwetter über dem südlichen Landkreis München niedergegangen. „Lokal gab es eine bis zu 15 Zentimeter hohe Hageldecke“, zitiert Warmula aus seinen Notizen. „Es war alles winterlich weiß. Manch Radlader war unterwegs, um Flächen freizuräumen.“ Eindrücke von diesem Tag sind in der Fotostrecke unten zu sehen.
Für ihn gehe es in solchen Momenten darum, ein Naturereignis hautnah mitzuerleben. Mit seiner Kamera sucht er einen Aussichtspunkt, liegt auf der Lauer, wenn es um ihn herum blitzt und donnert. „Ich setze mich der Gefahr ganz bewusst aus“, hat Warmula in einem zurückliegenden Gespräch mit unserer Redaktion erklärt. „Weil ich das auf meine Art dokumentieren will.“ Gleichwohl: Was für ihn eine faszinierende Erfahrung sei, könne für andere empfindliche Folgen haben: „Mir ist natürlich bewusst, dass Gewitter Schäden verursachen können, die für Menschen teilweise verheerend sind.“
In seinem Umfeld wundert sich niemand mehr über Warmulas ungewöhnliche Leidenschaft. „Die kennen das gar nicht mehr anders“, berichtet der 42-Jährige. „Ich bekomme häufig Zuschriften, wenn es woanders gewittert. Und das finde ich dann schon schön.“