Marburg: Wagner-Premiere nach 181 Jahren
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Richard Wagners „Tannhäuser“ wird im Slowenischen Nationaltheater Maribor zum etwas unterbelichteten Kammerspiel.

© SNG Maribor


vor 24 Minuten17. Oktober 2026 um 00:19
Diese Produktion ist nicht alltäglich: Zum allerersten Mal überhaupt, 181 Jahre nach der Uraufführung, gibt man in Marburg Richard Wagners „Tannhäuser“. Wobei der fast vierstündige Brocken vom Slowenischen Nationaltheater gemeinsam mit den Opern von Laibach und Zagreb gestemmt wird. Zu sehen ist die viel seltener gespielte keusche „Dresdener Fassung“ der Oper, vom Regisseur Frank Van Laecke unauffällig bis schlicht inszeniert.
Die Qualen des Künstlers Tannhäuser werden zum Nachtstück in kammerspielartiger Reduktion. Es stimmt ja, das Wesentliche passiert in intimen Szenen von einzelnen Figuren, Pilger und Wartburg-Gesellschaft sind letztlich nur Staffage. Wobei die Personenregie schon wesentlich ausgefeilter sein müsste, um ein solches Konzept wirklich spannend zu machen. In der „Romerzählung“ zeigt Eric Laporte als Tannhäuser in Ansätzen das Potenzial, das ein Psychodrama „Tannhäuser“ hätte. Aber leider: Halbgar und unterbelichtet ist die Interaktion zwischen Tannhäuser und den beiden Frauen Venus und Elisabeth. Wobei manche interessante Verschiebung erkennbar ist: Tannhäuser, dieser Falott, flieht offenbar vor einer schwangeren Venus, um sich danach zum allgemeinen Missfallen seines Umfelds mit seinen Abenteuern im Venusberg zu brüsten. Aber erst im dritten Akt wird Van Laeckes Arbeit dichter, überzeugender, weil sie die Melancholie und Verzweiflung der Figuren stärker herausarbeitet, weil beim blinden Pilgerchor und der traurig reminiszierenden Elisabeth schöne Bildfindungen gelingen.
Titelheld mit Ausdauer
Mit Eric Laporte ist ein verlässlicher Tannhäuser zu hören: Ein schlanker, aber durchsetzungskräftiger heller Tenor, der abgesehen von einigen wenigen Unsicherheiten über Ausdauer verfügt. Sabina Cvilak verleiht der Elisabeth einen ausgezeichneten lyrischen Sopran mit Strahlkraft. Ljubomir Puškarić fehlt für den Wolfram die Poesie, die Stimme klingt offen und etwas roh, zumindest der „Bronnen“ gelingt recht gut. Stark: Jelena Kordić als Venus, solide Youngkug Jin als Landgraf. Dass der Chor- und Orchesterklang etwas dünn ausfällt, liegt natürlich an der Besetzungsgröße, fällt aber nicht so sehr ins Gewicht, da Dirigent Simon Krečič sorgfältig einen leichten, transparenten Wagnerklang aufbereitet und die einzelnen Orchestergruppen sehr gut agieren. Kurz: Die Zurückhaltung ist nicht angebracht, man könnte sich in Marburg ruhig öfter an Wagner trauen.