Mehr Glück als Verstand: Mann aus Oberbayern überlebt sieben Beinahe-Tode
Stand: 11.07.2026, 13:48 Uhr
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Gottfried Roth aus Weichering bei Ingolstadt ist 83 Jahre alt – obwohl das Leben ihn mehr als einmal in Todesgefahr gebracht hat. Was macht das mit einem, wenn man immer wieder derart in die Bredouille gerät?
Weichering (KNA) – Das Glück der Erde liegt auf dem Rücken der Pferde? Auf dem Rücken vielleicht, hinter den Tieren nicht. Diese Erfahrung jedenfalls hat Gottfried Roth aus dem oberbayerischen Weichering bei Ingolstadt gemacht. Zum internationalen Tag der Freude am 24. Juli erzählt der 83-Jährige von seinem Leben, das schon mehrfach fast geendet hätte. Siebenmal ist er am Tod vorbeigeschrammt. Wenn das kein Grund zur Freude ist.
Artikel der KNA
Dieser Beitrag stammt von der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).
Roth sitzt bei sich daheim am Küchentisch. Um ihn herum kein Schmuck, abgesehen von einem Kreuz an der Wand; ansonsten alles einfach, alt und funktional. Umso stärker wirken das Behagen und die Zufriedenheit, die der Senior ausstrahlt, so wie er da mit leisem Lächeln und gefalteten Händen auf der Eckbank hockt. Sieht so jemand aus, den scheinbar nichts umbringen kann?

Heirat, vier Kinder, Jahrzehnte der Arbeit als Logistiker am Fliegerhorst in Neuburg an der Donau – das alles hätte es um ein Haar nicht gegeben.
Beinahe vom Huf getroffen
„Ich war etwa sechs Jahre alt, als mein Vater sich eine Pferdezucht zulegte“, erzählt Roth. Als Bub ging er demnach dicht an die neuen Tiere heran, zu dicht. „Ich kann mich noch an das schöne rote Fell erinnern. Und wie mein Vater plötzlich schrie: „Weg, zurück!“ Der Sohn gehorchte, bevor der Gaul ausschlug. „Sonst hätte der Eisenhuf mich voll ins Gesicht getroffen.“
Acht Jahre später folgte das nächste Ereignis, da war Roth 14. „Ich hatte Tuberkulose. Der Doktor hat gesagt: Bei dem ist‘s vorbei.“ War es doch nicht.
Weiter ging’s mit 18: „Ich stand auf einmal mitten auf einer Kreuzung. Es kommt ein Bus von links, einer von rechts. Beide rasen haarscharf an mir vorbei. Ich weiß noch, wie ich meine Aktentasche an die Brust gepresst hab’“, berichtet Roth. „Keine Ahnung, wie ich auf die Kreuzung gelangt bin. War wohl irgendwie in Gedanken.“
Fast von der Lok erwischt
Ab da kamen die Beinahe-Tode in kürzerem Takt. Mit 22 fuhr Roth per Roller zur Arbeit – und arg knapp noch über die Gleise. Der Bahnübergang hatte keine Schranken, nur eine Blinkanlage. „Die Frühjahrssonne stand tief, ich hab’ mich dadurch wohl verguckt; vielleicht war die Anlage auch kaputt. Na ja, am Ende ist der Zug knapp fünf Meter hinter mir durchgesaust.“
Man mag’s kaum glauben: Ungefähr eine Woche später passiert Roth das Gleiche noch einmal. Nicht wieder mit einer Güterbahn, diesmal mit einem Schienenbus. „Ab da habe ich immer einen anderen Weg zur Arbeit genommen, ohne Gleisquerung. Man soll sein Glück ja nicht herausfordern, das steht schon in der Bibel.“
Roth ist gläubiger Katholik. In späteren Jahren pilgerte er zu den Marienwallfahrtsstätten in Lourdes und in Fátima. Schon als Kind rief er daheim mit seiner Familie regelmäßig in Gebeten die Schutzengel an. Es scheint, als sei das nicht umsonst gewesen.
Gelächter trotz Horrorgeschichten
Der alte Herr berichtet all seine Beinahe-Horrorgeschichten denn auch frank und fröhlich, teils gar unter Gelächter, zum Beispiel, als er sich an die Bahn-Episoden erinnert: „Der Lokführer hat mir noch wütend die Faust entgegengestreckt!“
Klar, all diese Geschichten sind gut ausgegangen und lange her. Und sicher, Roth wird sie zigmal erzählt haben. Aber das ist es nicht allein, was den Senior so ruhig wirken lässt. „Es ist alles vorgesehen“, glaubt er.
Das gilt dann wohl auch für die Sache mit der Kirchturmuhr, geschehen 1965, im selben Jahr wie die Bahn-Malheure. Die Uhr im Weicheringer Gotteshaus Sankt Vitus muss von Hand aufgezogen werden. Eine Aufgabe, die Gottfried Roths Vater schon seit den 30er-Jahren erledigte. Dann übernahm der Sohn diese Arbeit. Er tut sie bis heute und betet dabei stets ein Vaterunser – „für die armen Seelen“. So eine wäre er auch fast geworden.
Schlagwerk saust in die Tiefe
Gerade hatte Roth das Ölen und Schmieren beendet und war einen Schritt vom Uhrwerk zurückgetreten, da rauschte plötzlich etwas vor ihm in die Tiefe. Das Schlagwerk einer Glocke, um die 15 Kilogramm schwer, war aus neun Metern Höhe herabgefallen. „Die Hanfseile der Halterung waren durchgeribbelt“, erklärt der Senior. „Das hätte mir den Kopf zerschmettern können.“
Doch der blieb heile, ebenso wie im Jahr darauf oder noch ein Jahr später, das weiß Gottfried Roth nicht mehr so genau. „66 oder 67 war’s. Da bin ich auf einer engen Straße unterwegs, was wird die gehabt haben? Maximal sechs Meter Breite.“ Plötzlich sei ihm in einer Kurve ein Auto entgegengekommen, das einen Laster überholen wollte. „Der Lkw blinkte mich noch warnend an. Ich weiß auch nicht, wie das geklappt hat, aber am Ende hat’s mir nicht mal den Spiegel angehauen.“
Hoffnung aufs ewige Leben
Was macht das mit einem, wenn man immer wieder derart in die Bredouille gerät? Aber eben auch immer wieder völlig unversehrt daraus hervorkommt?
„Ich hab’ keine Angst vor dem Tod“, sagt Roth. Keine Angst mehr? „Nein, hatte ich noch nie. Als Christ hoffe ich ja auf das ewige Leben.“ Ist der Glaube durch all die Fast-Tode fester geworden? „Nein, fest war er schon immer.“ Auch nicht der an die Schutzengel? „Warten wir den Himmel ab, da werden alle Fragen geklärt werden.“